Die große Zeit von Traben-Trarbach: Die Doppelstadt war in Deutschland einst führend im Weinhandel

Die große Zeit von Traben-Trarbach: Die Doppelstadt war in Deutschland einst führend im Weinhandel

Die riesigen unterirdischen Kelleranlagen und prächtigen Gebäude zeugen heute noch von der großen Zeit des Weinhandels in Traben-Trarbach. Aber wie fing alles an? Wer waren die Persönlichkeiten, die die Kleinstadt an der Mittelmosel einst zur führenden Weinhandelsmetropole Deutschlands machten? Wie kam es zu dem rasanten Aufschwung? Die Casino-Gesellschaft hat eine Ausstellung mit zahlreichen Dokumenten und Fotos konzipiert.

Was für eine Zeit: Innerhalb von 50 Jahren, zwischen 1860 und 1910, verwandelt sich Traben-Trarbach in eine Wirtschaftsmetropole, große Häuser werden gebaut, ein Bahnhof, die Moselbrücke und Behördengebäude. Herrschaftliche Villen schießen wie Pilze aus dem Boden. Es herrscht eine ungeheure Aufbruchstimmung, der Weinhandel in Traben und Trarbach erlebt in den Jahren um die Jahrhundertwende seine erfolgreichste Blütezeit.

Und man steht den technischen Neuerungen dieser Zeit aufgeschlossen gegenüber: Bereits 1890 wird in Traben-Trarbach erstmals elektrischer Strom hergestellt und genutzt. Ein Kohlekraftwerk mit vier Dynamomaschinen versorgt neben der Straßenbeleuchtung zahlreiche Wohnungen und Betriebe mit Gleichstrom.

Doch die Erinnerung daran drohte in Vergessenheit zu geraten. Die mehr als 200 Jahre alte Gesellschaft Casino zu Trarbach hat nun eine Ausstellung eingerichtet und dafür den seit vielen Jahren leer stehenden Laden des ehemaligen Bekleidungshauses Schneider-Würz (Moselstraße/Ecke Augustastraße) in Trarbach gemietet. Ewald Hannesen, bis 2014 Direktor der ehrwürdigen Gesellschaft, Dr. Rüdiger Spier und Dr. Wolfgang Sartor, der derzeit ein Buch über den Mosel-Weinhandel vorbereitet, haben Ausstellungsstücke zusammengetragen. Besonders hilfreich war der Heimatforscher Hans Schneiß, der zahlreiche Fotos aus seinem Archiv beisteuerte.

Im Mittelpunkt stehen die Persönlichkeiten, die großen Weingutsbesitzer und Weinhändler, die diesen wirtschaftlichen Aufschwung bewirkten. Über zwei Dutzend großformatige Porträts sind zu sehen, Ahnherren der heute noch bekannten Familien wie Böcking, Huesgen, Haussmann, Emert, Mitscher, Langguth, Melsheimer, Hannesen, Graff, Kayser oder Heuser. Der älteste dürfte wohl Johann Adolph Böcking (1695 bis 1770) sein, der 1750 das prächtige Patrizierhaus am Moselufer in Trarbach im Stil des Trierer Barock erbauen ließ. In ihm befindet sich heute das Mittelmosel-Museum.Bauboom um 1900

Der ganz große Bauboom setzte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert ein. Es entstanden in kurzer Zeit die Moselbrücke mit dem berühmten Brückentor, das Jugendstil-Hotel Clauss-Feist (heute Hotel Bellevue), die prächtigen Jugendstil-Villen Haus Adolph Huesgen, Haus Breucker, die Weinkellerei Julius Kayser, in dem sich heute das Buddha-Museum befindet, ferner das Kurhaus Wildstein, das Trabener Rathaus, das Postgebäude und das Lorettahaus. Traben-Trarbach verfügte ferner über eines der ältesten Gymnasien, das 1573 als Lateinschule neben der evangelischen Kirche gegründet wurde. 1905 wird der in Trarbach am Hang des Bernkasteler Weges gelegene Neubau eingeweiht.
Vieles machte der florierende Weinhandel möglich, der vielen Familien großen Reichtum brachte.

Die Dimensionen macht eine Grafik deutlich, die einst die Casino-Gesellschaft anfertigen ließ und die in der Ausstellung zu sehen ist. Abgebildet ist in Form von vielen kleinen Weinfässern der Mosellauf von Traben-Trarbach bis Cochem. Auf dem Plakat steht: "1905 wurden von Traben-Trarbach 65 000 Fuder (1 Fuder: 960 Liter) Wein weltweit verschickt. Aneinandergereiht würde sie die Strecke des Mosellaufs zwischen Traben-Trarbach und Cochem ergeben.
Ein ganz besonderes Ausstellungsstück ist ein Geschäftsbuch der Firma Franz Langguth.

In dem in Leder eingebundenen, 30 Kilogramm schweren großformatigem Buch sind in fast schon künstlerischer Schrift alle Verkäufe exakt eingetragen. Es liegt auf einem Schreibpult, das, wie auch ein drehbarer Probentisch, aus einer ehemaligen Kellerei stammt. Interessant ist ferner die Auflistung aller Kellereien, die um 1900 in Traben-Trarbach mit Wein handelten. Angegeben ist unter anderem die Größe der Keller. Insgesamt umfassten sie seinerzeit eine Fläche von 120 000 Quadratmetern. Allein die Kelleranlagen der Firma C. Rumpel & C. Heinrich Peter Rumpel waren 10 000 Quadratmeter, also ein Hektar groß. Dort und in anderen Kellern wird derzeit der unterirdische Wein-Nachts-Markt ausgerichtet.

Wie die ehemaligen Kellereigebäude einst aussahen, zeigen eine Reihe von historischen Fotos. Feste Öffnungszeiten für die Ausstellung gibt es nicht. Interessenten können sich aber unter per E-Mail unter casino-trarbach@t-online.de melden.Extra

In den unteren Räumen dieses ehemaligen Geschäftshauses in der Moselstraße in Trarbach ist die Ausstellung zu sehen. Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"
Die Dimension des Weinhandels veranschaulicht diese alte Grafik. Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Casino-Gesellschaft: 1810 gründeten Honoratioren der Stadt Traben-Trarbach und französische Offiziere die Gesellschaft Casino zu Trarbach. Laut Satzung soll die Vereinigung der Freundschaft und der Geselligkeit sowie dem Austausch gegenseitigen Gedankengutes auf kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen dienen. 1834 bezog die Gesellschaft ein eigenes Heim - das Casino-Gebäude. Es verfügt über einen großen Festsaal, einen Clubraum, ein Restaurant, eine Kegelbahn und einen kleinen Festraum, genannt "Fauste Sälchen". Bis 1980 bewirtschaftete die Casino-Gesellschaft selbst ihr Haus. Danach wurden die Räume für größere Feiern an einen Gastronomen verpachtet. Die private Ausonius-Gesellschaft hat das Casino-Gebäude im November 2012 für 90 000 Euro von der finanziell klammen Casino-Gesellschaft gekauft. Die Gesellschaft will "Problemimmobilien" in Traben-Trarbach kaufen, sanieren und zu Wohn- oder Geschäftshäusern umbauen. Als erstes Objekt wurde das ehemalige Gebäude "Kaiserhof", in dem die Verwaltung und Produktion der "Batra GmbH" untergebracht war, erworben. Die Immobilie wurde zu einem Geschäfts- und Wohnhaus umgebaut. Das marode Casino-Gebäude wartet noch auf eine Sanierung und neue Nutzung. sim

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