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Die Hochwaldhalle ist sanierungsbedürftig. Wegen hoher Kosten will die Gemeinde neu bauen.

Hochwaldhalle in Horath droht der Bagger : Ex-Dorfchef kritisiert geplanten Abriss

Die Hochwaldhalle in Horath ist sanierungsbedürftig. Wegen hoher Kosten hat sich der dortige Ortsgemeinderat entschieden, neu zu  bauen. Das hält der 82-jährige Helmut Schuh für eine Verschwendung von Steuergeld. 

„Eine Provinzposse, die ihresgleichen sucht“ – das ist für den 82-jährigen Horather Helmut Schuh die Überlegung, in seinem Wohnort die Hochwaldhalle und das Feuerwehrgerätehaus abzureißen und beides unter einem Dach neu zu bauen. Derartige Überlegungen empören ihn. Beide Gebäude verfügen aus seiner Sicht noch über eine „betriebswirtschaftliche Nutzungsdauer“ von je 30 bis 40 Jahren. Die Halle sei erst 1987 und das Gebäude für die Brandschützer 1988 eingeweiht worden.

Dass Schuh das so genau weiß, liegt daran, dass er 35 Jahre lang Ortsbürgermeister von Horath war und beide Gebäude in seiner Ära gebaut und eröffnet wurden. Das Feuerwehrgerätehaus hat nach seiner Schätzung noch einen Bestandswert von 80 000 Euro, die Halle einen von rund 1,5 Millionen Euro. Die Differenz liege an den unterschiedlichen Bauvolumina. Die Eingangstür der Halle und die Fenster seien neu, vier Fluchttüren seien vorhanden, ebenso eine Fußbodenheizung. Der Heizungskeller ist renovierungsbedürftig, aber das ist aus seiner Sicht kein Grund, die Halle abzureißen und neu zu bauen.

Doch woher rührt Schuhs Ärger? In einer Bau- und Liegenschaftssitzung hatte Hans-Jürgen Stein vom Büro Stein Hemmes und Wirtz die Kommunalpolitiker kürzlich über die Vorteile einer Kombi-Lösung von Halle und Feuerwehrgerätehaus informiert. „Viele Dinge kann man zusammen nutzen, wie eine Heizung“, hatte er gesagt. Die Idee der Planung für ein gemeinschaftlich genutztes Gebäude auf dem Hanggrundstück sei es, in der unteren Ebene die Wehr unterzubringen. In dem Bau sei Platz für zwei Feuerwehrfahrzeuge. Hinzu kommen Sanitär- und Umkleideräume, ein Schulungsraum sowie Technik und Lager. Auf der oberen Ebene könnte das Bürgerhaus in Holzbauweise entstehen, das auf etwas kleinerer Fläche als die jetzige Hochwaldhalle für 200 Personen Platz bietet. Die bisherige Halle hat Platz für 400 Menschen.

Eine Entscheidung ist im Ausschuss nicht gefallen. Das Gremium ist ohnehin nur für das Feuerwehrgerätehaus zuständig. Im Horather Ortsgemeinderat weiß man dagegen schon, was man will: neu bauen. Und: Die Ratsmitglieder wollen unabhängig von der Entscheidung in Sachen Feuerwehrgerätehaus an der Weiterplanung eines neuen Dorfgemeinschaftshauses festhalten. So lautet dort der jüngste Beschluss.

Verstehen kann Schuh das nicht. „Geld spielt offenbar keine Rolle“, sagt er. Die geschätzte Bausumme für das Dorfgemeinschaftshaus, das in der Zuständigkeit der Ortsgemeinde sei, liege bei 1,8 Millionen Euro, sagte Planer Stein. So war es im Trierischen Volksfreund zu lesen. Für das Feuerwehrgerätehaus würden weitere 1,3 Millionen Euro veranschlagt, abzüglich eines Förderanteils von 425 000 Euro. Auch diese Summe hatte der Planer genannt. Dabei habe Horath nur „400 Einwohner mit einer deprimierenden Altersstruktur und die Verbandsgemeinde Thalfang eine konkursreife Finanzsituation mit hoher Verschuldung“, sagt Schuh weiter. Und die Einwohnerzahl von Horath sei weiterhin rückläufig. Solche Beschlussabsichten seien eine „ungeheure Verschwendung von Steuermitteln“. Kommunalpolitikern und Verwaltung rät Schuh, ihre Ratsbeschlüsse an den „Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit festzumachen“. Und er appelliert auch an die Kommunalaufsicht, „dies mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu überwachen“.

Das sagt die Ortsgemeinde: Helmut Thielen, Zweiter Beigeordneter der Ortsgemeinde Horath, kann die Kritik Schuhs nicht nachvollziehen. Der Sanierungsbedarf der Halle sei hoch, der Keller feucht, die Fenster seien blind, in Sachen Brandschutz müsse nachgerüstet und unter anderem eine Brandschutzdecke eingezogen werden, betont der Mann, der derzeit die Amtsgeschäfte von Horath führt (der Volksfreund berichtete). „Wenn wir nicht in die Gänge kommen“, so Thielen weiter, müsse die Halle im kommenden Jahr geschlossen bleiben.

Das habe laut Thielen die Kreisverwaltung mit Blick auf den Brandschutz erklärt. Und eine Sanierung lohne nicht, weil die Kosten dafür bei 80 Prozent eines Neubaus liegen würden. Ebenso wie der Neubau mache die Kombi-Lösung aus der Sicht Thielens Sinn. Denn man könne Kosten durch eine gemeinsame Nutzung sparen. Zwar könne Thielen nachvollziehen, dass der Altbürgermeister an der Halle hänge, die in seiner Amtszeit gebaut wurde, aber das Verhalten könne er dennoch nicht tolerieren. „Wenn der Gemeinderat entscheidet, dann muss er das auch akzeptieren. Das ist Demokratie.“

Das sagt die Feuerwehr: Aus der Sicht von Wehrleiter Ralf Mattes besteht Handlungsbedarf: „Das Horather Feuerwehrgerätehaus ist für das bestehende Fahrzeug zu klein.“ Es stehe zwar im Gebäude, aber es sei zu eng. Und das behindere die Brandschützer bei Einsätzen.

Das sagt die Kreisverwaltung: Ob es sich beim Abriss der Hochwaldhalle oder des Feuerwehrgerätehauses um eine Verschwendung von Steuergeld handelt, dazu nimmt die Kreisverwaltung nicht Stellung: „Weder baufachliche Bewertungen des aktuellen baulichen Zustandes der Hochwaldhalle in Horath, noch deren Sanierungsbedarf oder eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit Darstellung der Kosten im Falle der Sanierung oder des Neubaus sind der Kreisverwaltung bekannt.“ Auch Faustregeln, wie lange öffentliche Gebäude genutzt werden sollten, kennt man bei der Kommunalaufsichtsbehörde, die bei der Kreisverwaltung angesiedelt ist, nicht. Lediglich, was Feuerwehrgerätehäuser angeht, gehe das Land ab dem Jahr 2002 von einer „grundsätzlichen Nutzungsdauer von 33 Jahren“. aus. Was die Planungskosten in den Haushalten der Ortsgemeinde Horath in den Jahren 2018 und 2019 angeht, seien die Entscheidungen „Ausfluss der kommunalen Selbstverwaltung“. Der Haushaltsplan 2020 liege dem Kreis ebenso wenig vor wie eine „Eingabe, dass die Planungen der Ortsgemeinde Horath gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verstoßen sollen“. Regelmäßig werden zu neuen Infrastrukturprojekten Förderanträge gestellt. Im Rahmen der Bewilligungsverfahren, so Monika Scheid von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, werde unter anderem auch die Wirtschaftlichkeit geprüft. Der Trierische Volksfreund hat auch Vera Höfner, die Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Thalfang, um Stellungnahme gebeten, aber bis Redaktionsschluss keine Antwort bekommen.

Ausblick: Eine Entscheidung, ein neues Dorfgemeinschaftshaus zu bauen, haben die Horather Kommunalpolitiker bereits getroffen. Das will der Altbürgermeister allerdings nicht hinnehmen. Was er selbst tun kann? Sich beispielsweise im Horather Ortsgemeinderat äußern. Denn dort ist Schuh in Kürze wieder Mitglied. In der vergangenen Kommunalwahl war er wieder angetreten – als Ortsbürgermeister und als einfaches Ratsmitglied. Als einziger Kandidat für den ehrenamtlichen Posten des Dorfchefs ist er durchgefallen. Er erhielt lediglich 30,2 Prozent der Stimmen.  Damit kann er umgehen: „Ich bin Demokrat, und die Bürger haben entschieden.“ Auch in den Rat schaffte er es nicht auf Anhieb. Wie oben berichtet, hatte David Hartmann sein Mandat als Beigeordneter und Ratsmitglied niedergelegt. Nach eigener Aussage wird Schuh für diesen als Ratsmitglied nachrücken. „Und dort werde ich für meine Überzeugungen kämpfen.“