Die Idee kam von der Oma
Thalfang · Vor dem Weihnachtsfondue in Kalifornien noch schnell ein Konzert im Thalfanger Musikbahnhof: Markus Burger am Flügel und Jan von Klewitz am Saxofon haben die Zuschauer mit verjazzten und gefühlvollen Weihnachtsliedern begeistert.
Thalfang. Weder feierlich-getragene deutsche Volksmusik, noch der ständig von den Radiostationen durchgenudelte Ohrwurm "Last Christmas" von Wham. Stattdessen Jazz zum Einstieg in die Weihnachtszeit.
Dass dieses Konzept funktioniert, bewiesen der aus Pünderich stammende Pianist Markus Burger und der Berliner Saxofonist Jan von Klewitz. Sie begeisterten die etwa 60 Besucher im voll besetzten Thalfanger Musikbahnhof.
Berlin, Wien, Thalfang
Weihnachtslieder wie "Leise rieselt der Schnee", das "Weihnachtsoratorium" von Bach, Lieder von Martin Luther wie "Vom Himmel hoch" oder selbst komponierte Lieder aus der Feder von Burger: Der Pündericher Pianist und von Klewitz zeigen sich als Meister des gefühlvollen Pianospiels und der Improvisation auf dem Saxofon.
"Das ist ein Highlight, dass die beiden in Thalfang spielen", sagt Christel Kreber aus Trier. "Super, das habe ich mir nicht so schön vorgestellt", sagt Rainer Müller aus Talling. Zur Pause ist Ursula Binz aus Hunolstein noch etwas unsicher, denn sie hat solche Musik vorher noch nie bewusst gehört. Doch nachdem sie sich in die Musik hineingehört hat, ist sie nach dem Konzert voll des Lobes für die beiden: "Ganz toll!"
Doch wie kommt das Duo auf seiner 14-tägigen Tour nach Stationen wie Berlin, Wien und Reykjavik nach Thalfang und warum ist es ausgerechnet Jazz? Zustande gekommen sei die Verbindung durch Torsten Schmidt, seit einem halben Jahr Betreiber des Thalfanger Musikbahnhofs, sagt Burger. "Der Bahnhof hat eine tolle Atmosphäre, hoffentlich hat die Region damit einen neuen Kulturstandort gewonnen", sagt er. 1998 haben Burger und von Klewitz begonnen, Weihnachtslieder zu verjazzen. "Auf Anregung der Oma", sagt Burger.
Der Familienmensch, wie er sich selbst bezeichnet, setzt sich am Tag nach dem Konzert in Thalfang ins Flugzeug, um im Anschluss in seiner Wahlheimat bei Los Angeles Weihnachten zu feiern. So kurz vor den Festtagen noch eine anstrengende Europatournee mit Auftritten in Reykjavik, Berlin und Wien und einem Interkontinentalflug - kommt bei Burger denn auch Weihnachtsstimmung auf? Ja, denn das Duo spielt oft in großen Kirchen, in der die Lutherlieder eine eigene Atmosphäre erzeugen, sagt er. Es gebe Spielstätten, in denen das Duo jedes Jahr vor Weihnachten auftritt. Dem Pündericher ist das Weihnachtsfest als besinnliche Zeit für die Familie wichtig. "Wenn ich nach der Tournee nach Hause komme, singt meine neunjährige Tochter amerikanische Weihnachtslieder", sagt er.
In Kalifornien gibt es am ersten Weihnachtsfeiertag Fondue, wie zu der Zeit, als er noch in Deutschland gelebt hat. "Tradition bleibt Tradition", sagt er. Zudem bestehe auch an seinem Wohnort in Südkalifornien auf 500 Meter Höhe die Wahrscheinlichkeit auf weiße Weihnachten. "Letztes Jahr hat es geschneit", sagt er. Was wünscht sich der Pianist denn zum Weihnachtsfest? Er hofft, dass er angeln gehen kann. Burger: "Wenn unterm Weihnachtsbaum ein Gutschein liegt für einen Angel ausflug nach Alaska, bin ich zufrieden."Extra
Ein halbes Jahr nach Wiedereröffnung des Thalfanger Musikbahnhofs zieht Inhaber Torsten Schmidt ein positives Fazit. Erste Veranstaltungen wie das Jazzkonzert oder ein Hochwälder Buffet mit Essen aus der Region und lokaler Musik hätten gut geklappt. In den ersten Monaten haben sich die internen Abläufe einspielen müssen. Jetzt könne er daran denken, neue Sachen zu organisieren. Ab Februar sollen einmal monatlich Events wie Lesungen, Weinproben und Konzerte die Besucher in den Musikbahnhof locken. Derzeit ist noch keine Veranstaltung fest terminiert. cst