Die Karawane schwimmt weiter
Traben-Trarbach · Entlang der Mittelmosel erleben Einheimische und Touristen derzeit eine besondere Attraktion: 65 Amphibienfahrzeuge nehmen täglich eine andere Etappe zu Lande und zu Wasser in Angriff. Heute fährt und schwimmt die Karawane von Traben-Trarbach nach Bernkastel-Kues.
Traben-Trarbach. Behutsam fährt Jürgen Gössling mit seinem Fahrzeug Typ GAZ 46 über eine abschüssige Strecke auf das Moselufer zu. Langsam teilt sich das Wasser, als das ehemalige Fahrzeug der russischen Armee in die Mosel eintaucht. Als das Heck die Wasseroberfläche erreicht, schaltet Gössling schnell: Der Antrieb des Fahrzeugs wirkt jetzt nicht mehr auf die Räder, sondern lässt am Heck zwei kleine Schiffschrauben drehen. Gössling gibt Gas, und behutsam lenkt er sein Auto über die Mosel.
Der Dortmunder gehört zu den Freunden von Amphibienfahrzeugen, die aus ganz Europa zu ihrem Jahrestreffen nach Traben-Trarbach gereist sind. Eine Woche lang fahren sie mit ihren 65 Amphibienfahrzeugen die Mosel nicht nur auf der Straße entlang. Ab und zu nehmen sie auch eine Strecke im Wasser unter den Bug. Das erste Teilstück führt sie am Sonntag erst über die Straße von Traben-Trarbach nach Enkirch. Von dort geht es dann über eine fünf Kilometer lange Strecke übers Wasser weiter nach Reil. Eine weite Strecke: "Normalerweise dienen die Amphibienfahrzeuge dazu, einen Fluss zu überqueren", sagt Gössling. In Reil verlassen die Fahrzeuge wieder die Mosel, um dann über die Straße nach Bad Bertrich weiter zu fahren. Egal, ob sich die Karawane auf dem Land oder auf dem Wasser bewegt: Die Amphibienfahrzeuge ziehen viele neugierige Blicke auf sich. In Enkirch und Reil stehen jeweils Hunderte von Zuschauern am Moselufer, die die Ein- und Ausfahrt vom Land zu Wasser und zurück beobachten und mit zahlreichen Kameras und Handys festhalten.
Ein Teilnehmer hat einen Citroen abgedichtet und einen Außenbordmotor ans Heck montiert. Einige Autos erinnern in Ausmaß und Farbe an schwimmende Panzer, andere wiederum gleichen mit ihren Chromverzierungen und Heckflossen Fahrzeugen, die man in den 1950er Jahren gebaut hat. Tatsächlich: "Die wurden 1961 in Serie gebaut und viele in die USA verkauft", sagt Gössling. Doch der damalige Trend hielt nicht lange an, da die Amphibienfahrzeuge sehr pflegeintensiv sind und die Anzahl der Werkstätten rar waren.
Gössling verbringt den ganzen Winter damit, sein 1953 hergestelltes Amphibienfahrzeug aus russischer Herstellung zu pflegen. Dazu entfernt er zahlreiche Bleche, um Antrieb und Getriebe schmieren zu können. 30 Fahrzeuge dieses Typs sind weltweit noch bekannt, davon sind 15 fahr- und schwimmfähig, sagt er. Nicht alle Autos schaffen die Strecke auf Asphalt und dem Wasser: Zwei Fahrzeuge haben nach der Einfahrt ins Wasser Probleme und werden beide an der Leine nach Reil gezogen. cstExtra
Folgende Etappen haben die Organisatoren des Treffens vorgesehen: Montag, 4. August: Traben-Trarbach nach Bernkastel-Kues. Dienstag, 5. August: Traben-Trarbach - Bruttig - Cochem - Beilstein. Donnerstag, 7. August: Traben-Trarbach - Minheim - Neumagen-Dhron. Freitag, 8. August: Traben-Trarbach - Kaimt - Reil. Genaue Infos über die geplanten Touren und die Strecken, die die Fahrzeuge zu Wasser zurücklegen, gibt es im Internet unter der Adresse <%LINK auto="true" href="http://www.amphib2014.de" class="more" text="www.amphib2014.de"%>. cst