1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Die Kirmes-Klassiker sind wieder da: Säubrenner-Trio macht Kinder froh

Die Kirmes-Klassiker sind wieder da: Säubrenner-Trio macht Kinder froh

Die Farben des Sommers? Mode hin, Mode her: Für Wittlicher sind sie rot, mintgrün, bordeaux. Denn so hat Gerhard Schleidweiler seine neue Kollektion gefärbt. Er ist jetzt zehn Jahre der Säubrennerplaketten-Designer. Ein Ehrenamt, weltweit einmalig, dessen Ziel es ist, dass Kirmestraditionalisten an ihrem hochheiligen Augustwochenende standesgemäß geschmückt unterwegs sind und nach der Kirmes Kindergärten eine Spende erhalten.

Das Ganze kommt so: Was klitzeklein auf dem Marktplatz als Saurösterei begann und mittlerweile zum größten Volksfest der Region geworden ist, wurde seit 1950 mit einem Mini-Extra gewürdigt: Eine kleine runde Holzscheibe an einer dünnen Kordel hängend, bedruckt mit der Aufschrift: Wittlicher Säubrennerkirmes, Jahreszahl und den sogenannten hängenden Scherl-Schweinen als Motiv. Jeder Wittlicher kennt dieses Logo, das Umland mittlerweile auch, denn es schmückt nicht nur Plakette, sondern auch die Kirmesplakate und Flaggen.

Das exklusive Anhängsel aber hängt nicht an Plakatwänden oder weht am Fahnenmast sondern baumelt am Revers oder Blusenknopf, klappert zu mehren an Handtaschen, verschenkt, als Erinnerung an die Heimat exportiert: Mal rund, mal eckig, mal in Wappenform wurde das Unikum auch was für Sammler.

Die ersten Jahre war das schmucke Scheibchen noch ohne Jahreszahl, die kam dann ab 1954 und damit auch ein größeres Durchmesser-Gardemaß: vier Zentimeter. Von 1984 bis 1995 folgte das Plastikzeitalter, und 1993 gab es mal eine Art Notausgabe aus Pappe. "Ich vermute, dass man bei der Verwaltung schlicht vergessen hatte, Plaketten zu bestellen", sagt Gerhard Schleidweiler.

Und dann kam das komplette Vergessen: Die Produktion wurde eingestellt. Bis eben 2007 Gerhard Schleidweiler eine Neuauflage wagte: mit Erfolg und für den guten Zweck. Eine Plakette kostet zwei Euro, alle drei der jeweiligen Jahesausgabe fünf Euro, und der Erlös wird stets an Kindergärten der Stadt und mittlerweile auch des Umlandes gespendet.

Zwischen 2000 und 2200 Euro gibt es jährlich, das macht im zehnten Jahr mehr als 20. 000 Euro. "Fußballtore, Schaukelpferd, Laufräder, Gummimatten sind davon schon angeschafft worden", weiß der Ideengeber. Jedes Jahr lässt der Kirmes-Fan dafür 2500 Stück von der Firma Haba, die in Coburg Holzspielzeug herstellt, anfertigen. "Dort wurden sie auch früher gemacht", sagt der Experte.

Und mit seiner Idee ist das jedes Jahr in der Auflage limitierte Accessoire auch zu einer Art Spendenquittung aus Holz geworden. Dabei ist der Klassiker in Rot (1000 Stück) stets ein Muss der jeweiligen Kollektion, die beiden weiteren Farben (aktuell mintgrün 1000 Stück) tragen Schleidweilers Handschrift. Zudem fällt eine Plakette, jedes Jahr durch eine neue Farbe oder Form aus dem Rahmen. Das gilt 2016 für die Variante in Bordeaux (500 Stück), denn ihre Wappenform steht quasi Kopf. Eine Art Fehldruck brachte die Idee. "Die Firma hat aus Versehen eine Lieferung mit dem Wappen auf dem Kopf geliefert. Daraus haben wir dann 500 Stück in der jetzigen Form gemacht", sagt Gerhard Schleidweiler.

Er hat die ersten Stücke schon verkauft, denn wahre Fans wollen längst vor der Kirmes, nämlich Weihnachten, mit der Säubrennerspezialität als Geschenk punkten.

"Und wer das nicht kennt, fragt schon mal, ob man damit irgendwo freien Eintritt hat oder Saubraten dafür bekommt", sagt Schleidweiler. Was er, dem Kirmes-Freitag und Montag die liebsten Tage sind, weil er da viele Wittlicher trifft, noch an Traditionen vermisst? ganz klar: "Die Kinderbelustigung mit Würstchenangeln aus dem alten, großen Weinpokal heraus." Zu haben sind die Plaketten bei: Friseursalon Gerhard Schleidweiler, Wäscherei Krämer, Metzgerei Illigen, im Alten Rathaus, Tourist-Info am Markt, Dümler, Säubrenner-Lädchen und der Altstadtbuchhandlung Jacoby. An Säubrennerkirmes, 19. bis 22. August, verkaufen die vier Wittlicher Winzer den Kirmesklassiker am Weinstand.