Die Kleinen von Beginn an schützen
Ein neues Landesgesetz zum Kinderschutz regelt seit Februar in Rheinland-Pfalz die Förderung und die Fürsorge für Kinder im Land. Vor rund 70 Zuhörern haben die SPD Bernkastel-Wittlich und die Arbeiterwohlfahrt Bernkastel-Wittlich am Montag in Bernkastel-Kues bei der Podiumsdiskussion "Kinder sind unsere Zukunft" die Umsetzung des neuen Gesetzes im Kreis vorgestellt.
Bernkastel-Kues. "Wer ein Kind erziehen will, braucht nicht zwei Eltern, sondern ein ganzes Dorf", resümierte Mechthild Hoehl, Vorsitzende des Bundesverbands freiberuflicher und präventiv tätiger Kinderkrankenschwestern, am Montagabend bei der Podiumsdiskussion "Kinder sind unsere Zukunft - Das neue Kinderschutzgesetz in Rheinland-Pfalz" den Sinn der Ideen des neuen Gesetzes. Rund 70 Zuhörer waren beim Vortrag und der anschließenden Diskussion in der Güterhalle in Bernkastel-Kues zugegen, um sich von Experten und Vertretern der Politik über die Neuerungen informieren zu lassen.
Am 27. Februar ist das Landesgesetz zum Kinderschutz einstimmig verabschiedet worden. Das Wichtige sei, dass Kindern durch die neue Regelung ein guter Start ins Leben ermöglicht würde und sie gesund und geschützt aufwachsen können. Eines liegt Sozial- und Familienministerin Malu Dreyer (SPD) besonders am Herzen: "Kinder haben das Recht auf Schutz vor Missbrauch." Da dieser Schutz eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung sei, müsse auch der Staat dafür Sorge tragen.
Ziel ist es, mit dem neuen Gesetz zwei Schwerpunkte zu setzen. Erstens der Aufbau von lokalen Netzwerken und zweitens die Sicherstellung eines "zentralen Einladungswesens". Dies sieht in der Praxis folgendermaßen aus: Mit lokalen Netzwerken, in denen sich zum Beispiel das Jugendamt, Kinderärzte, Hebammen, Jugendarbeiter und Krankenschwestern zusammenschließen, soll eine Basis für den Kinderschutz geschaffen werden. Diese Netzwerke sollen durch regen Austausch die Interessen der Kinder vertreten und bei kritischen Fällen zusammenarbeiten, um Schutz zu gewährleisten. Sie sollen sich gegenseitig darauf aufmerkam machen, wenn etwas vorfällt - als eine Art Frühwarnsystem fungieren. "Entscheidend ist eine verlässliche Arbeits- und Kommunikationsstruktur", sagte Dreyer. Beim "zentralen Einladungswesen" sollen die Früherkennungsuntersuchungen geregelt werden. Hierbei werden Erinnerungen für Vorsorgeuntersuchungen an Familien verschickt. Dieses lückenlose Erinnerungsprogramm hilft, Krankheiten, Behinderungen und auch Misshandlungen frühzeitig zu erkennen. Damit einher gehen auch die lokalen Netzwerke. Diese betreffen aber nicht nur den Kreis von Experten, sondern eine Hilfestellung und ein offenes Auge müssen zum Beispiel auch in der Nachbarschaft gewährleistet sein. Aber auch Eltern müssten schon frühzeitig präventiv Hilfestellungen bekommen.
Im Kreis Bernkastel-Wittlich ist ein solches Netzwerk bereits realisiert, erklärte Landrätin Beate Läsch-Weber. Seit der Gesundheitsförderungskonferenz im September 2007 sind Arbeitskreise als Tragsäulen für kooperierende Netzwerke geschaffen worden. Fünf Gruppen kümmern sich um die Belange von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichen Alters. "Wir haben ein strukturiertes Vorgehen entwickelt, um zu helfen", sagte Läsch-Weber.
Die Podiumsdiskussion war Teil der Veranstaltungsreihe "Zur Sache" des SPD Kreisverbands Bernkastel-Wittlich.
Meinung
Frühzeitig aufklären
Helfen statt zuschauen. Eine gute Idee. Das Gesetz des Landes hat Potenzial. Wichtig ist nur, dass Prävention wirklich schon im Vorfeld umgesetzt wird. Schließlich ist nicht genug damit getan, erst einzugreifen, wenn das neue Leben schon im Wachsen ist. Bereits Jugendliche müssen mit ihrer etwaigen Zukunft als Eltern konfrontiert werden, um später den richtigen Weg einzuschlagen - anstatt hilflos zuzuschlagen. c.junk@volksfreund.de