1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Die Knupperten - hartnäckig und fromm

Die Knupperten - hartnäckig und fromm

Im Piesporter Ortsteil Niederemmel gibt es nicht nur einen Knuppertstaufstein, sondern auch eine Knuppertskirche und einen Knuppertskelch. Hinter den heute eher lustig klingenden Bezeichnungen verbirgt sich ein sehr ernstes Kapitel deutsch-französischer Geschichte.

Piesport. Josef Schemer ist kein gebürtiger Piesporter. Daher fielen dem pensionierten Leiter der örtlichen Schule schon vor vielen Jahren Redewendungen wie "das ist ein Knuppert" auf. Fragte er nach den Hintergründen, konnte ihm keiner ausführlich Auskunft geben. Es gab nun einmal "die Knupperten" und eine Zeit, in der geknuppert wurde. Vor allem im Hunsrücker Ortsteil, dem früheren Niederemmel. Dort gibt es sogar bis heute die Knuppertskirche und den Knuppertstaufstein. Doch was genau sich dahinter verbirgt, schien im Ort vergessen zu sein. Also begann der aus Morbach-Haag stammende frühere Rektor zu recherchieren. In Akten des Trierer Bistumsarchivs wurde er fündig. Es zeigte sich, dass die heute lustig klingenden Formulierungen einen ernsten Hintergrund haben, eine Epoche der Kirchenspaltung (1800 bis 1861). Nicht nur in Niederemmel, sondern etwa auch in Issel, Trier oder Luxemburg spalteten sich Menschen, Separatisten, von der offiziellen Amtskirche ab. Sie weigerten sich, ihre Kinder von amtlichen Priestern taufen zu lassen, feierten ihre eigenen Gottesdienste und gründeten eigene Kirchengemeinden. Weil sie sich mit der Kirchenobrigkeit anlegten und beständig aneckten, wurden sie Knuppert genannt. Dieser umgangssprachliche Ausdruck wird noch heute verwendet: für "Knupp-Autos" auf dem Rummelplatz.
Die Knuppertszeit wurzelt im Ende der Trierer Kurfürsten-Ära im Zuge der französischen Revolution und der napoleonischen Zeit. Carl Anton Feyen, um 1800 Pfarrer von St. Martin in Niederemmel, weigerte sich, dem französischen Kaiser, der Kirchen säkularisiert, verweltlicht, hatte, die Treue zu schwören.
Dorf GescHichte(n)


Die nach französischem Vorbild, ohne Religionsunterricht, modernisierte Volksschule war für ihn eine gottlose Schule. Wegen seines beharrlichen Widerstands gegen die französische Obrigkeit wurde er 1801 verbannt: ins rechtsrheinische Bornhofen, heute Kamp-Bornhofen. Seinen großen Rückhalt in der Niederemmeler Bevölkerung konnte das aber nicht brechen. Gerade fromme Menschen schmerzten die Veränderungen im Zuge der Säkularisation. Daher blieben sie mit Feyen brieflich und per Kurier in Kontakt. Wenn der seines Amtes enthobene Geistliche in seiner neuen Wohnung eine Messe las, versammelten sich Niederemmeler in der Knuppertskirche. Das Gebäude in der Weingartenstraße ist noch erhalten - ebenso der Knuppertskelch, ein eigener Messkelch, und der Knuppertstaufstein. Er stammt vermutlich aus einem Wirtschaftshof des Trierer Simeonstiftes in Niederemmel und diente als Weihwasserstein. Die von Feyens Anhängern genutzten sakralen Gegenstände teilten die Gläubigen letztlich unter sich auf. Anders als viele andere Separatisten kehrten die frommen Niederemmeler auch nicht 1814, nach Napoleons vernichtender Niederlage im Russland-Feldzug, in den Schoß der Amtskirche zurück. Vielleicht auch, weil ihr Pfarrer seinen Dienst nicht mehr aufnehmen durfte und 1818 verbittert starb. Erst 1861 war ein Kompromiss möglich - mit einer Kirche, die nicht sanktionierte, sondern rückwirkend Taufen und Eheschließungen anerkannte. Entscheidenden Anteil daran hatte der aus den Niederlanden stammende Klausener Franziskanerpater Amandus Martens. Die Separatisten, die sich als die wahren Christen sahen, respektierten ihn wohl als einen Geistlichen der Ära vor der französischen Revolution. Die sechs Jahrzehnte währende Kirchenspaltung ist in der Ortsgeschichte als die Knuppertszeit dokumentiert. urs
Die von Josef Schemer verfasste Broschüre "Der Knupperts-taufstein" ist im Gemeindebüro Piesport erhältlich. Sie umfasst 25 Seiten mit 12 Fotos und kostet 3 Euro. Herausgeber die Ortsgemeinde.
Zur "Niederemmeler Kirchenspaltung" gibt es auch einen Text von Peter Kremer. Er hatte 1950 anlässlich der Einweihung der Müsterterbrücke das Verhalten der bekennenden Christen gewürdigt.