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Die Königin der Instrumente ist stumm

Die Königin der Instrumente ist stumm

Seit Montag ist die evangelische Kirche in Trarbach ihrer "Seele" beraubt: Eine Woche lang waren Orgelbaumeister Rainer Müller und seine Mitarbeiter damit beschäftigt, die wertvolle Stumm-Orgel samt Eichenholz-Gehäuse abzubauen und in ihre Werkstatt nach Merxheim an der Nahe zu bringen. Jetzt beginnt die Restaurierung, und im Herbst 2010 kann die "Königin der Instrumente" wieder frisch und kräftig erklingen.

Traben-Trarbach. 1748 hatte Trarbach den Hunsrücker Orgelbauer Johann Niclas Stumm unter Vertrag genommen, zwei Jahre später war die Orgel fertig und wurde in der Kirche eingebaut. "Stumm war bekannt für einen sehr emotionalen, kräftigen Orgelklang", weiß Rainer Müller. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten Überarbeitungen und Umbauten. Das Instrument besaß nach Angaben des Fachmannes jetzt nur noch 60 Prozent seiner ursprünglichen Klangkraft.

Viel Arbeit wartet auf den Meister und seine Gesellen Alexander Bükki, Martin Schau, Benjamin Huwig sowie die Lehrlinge Peter Kortmann, Christian Lehr und Oliver Müller. In der kalten Kirche wieseln sie treppauf, treppab zur Empore, zerlegen unter den erstaunten Blicken des Pfarrers und der Mitglieder des Fördervereins mit scheinbarer Leichtigkeit die gewaltige Orgel in ihre Einzelteile, verpacken alles sorgsam und müssen dann fast 100 Stufen zu ihrem Fahrzeug hinabsteigen. In bis zu sieben Metern Höhe arbeiten die Männer, und das hölzerne Gehäuse skelettiert immer mehr.

"Grundintention ist die klangliche, technische und optische Rückführung der Orgel auf den Erbauungszustand", sagt Meister Müller. Die Traben-Trarbacher Stumm-Orgel sei denkmalwürdig und er als Restaurator in die Pflicht genommen, ein solches Instrument in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Der gebürtige Traben-Trarbacher freut sich, dass er mit den Arbeiten betraut wurde. Unter anderem wird der Spieltisch neu angefertigt und kommt originalgetreu an die Orgelseite. Drei 1,50 mal 2,60 Meter große Blasebälge werden nach Stummschem Vorbild wieder neu gebaut. Sogenannte Windschöpfer können sie dann auch von Hand drücken. Der Organist wird künftig die Ventile unter den Pfeifen wieder mechanisch zum Öffnen und die Pfeifen somit zum Klingen bringen. Dies ermöglicht ihm ein direkteres Spielgefühl und akzentuierteres Spielen. "Das rein mechanische Spielprinzip ist stabiler und souveräner", weiß der 47-jährige Meister.

Seit dem Umbau 1935 wurde die Orgel elektropneumatisch angesteuert. "Heute baut man wieder Orgeln wie zu Stumms Zeiten, weil sich das bewährt hat".

Müller fasziniert am Orgelbau die Rückkehr zu alten Techniken, nachdem alle modernen Funktionen und Bauelemente zum Einsatz gekommen waren. Schon 1600 habe es ein Orgelbausytem gegeben, was nicht zu verbessern ist. "Wir bauen für Jahrhunderte", so umschreibt er sein Berufsfeld. Die nächsten 100 Jahre halte die Orgel - vorausgesetzt, sie werde regelmäßig gewartet, davon ist er überzeugt. Kreiskirchenkantor Joachim Schreiber verwies beim Benefizkonzert im März bereits auf den "musikalischen Schatz", den Traben-Trarbach nach der Restaurierung des Instrumentes haben wird.

Extra Der Förderverein für die Stumm-Orgel wurde erst vor zwei Jahren in der evangelischen Kirche zu Trarbach gegründet. In dieser Zeit hat er die stattliche Summe von rund 60 000 Euro gesammelt. Die Kirche stellt 135 000 Euro zur Verfügung, dazu kommen Landesmittel von 10 000 Euro. Bis zur Fertigstellung der Orgel muss der Verein noch 65 000 Euro aufbringen, und jede Spende ist willkommen. Am zweiten Advent gibt es ein weiteres Benefiz-Konzert in der Trarbacher Kirche. Die Konto-Nummer des Fördervereins ist 321 534 96, Sparkasse Mittelmosel, BLZ 587 512 30. (GKB)