Die Kritik am neuen Nationalpark Hunsrück Hochwald mehrt sich

Nationalpark : Nationalpark steht in der Kritik

Drei Jahre nach seiner Einrichtung üben Touristiker und Experten Kritik am ersten Schutzgebiet in Rheinland-Pfalz. Das Nationalparkamt reagiert.

Er sollte ein Vorzeigeprojekt werden und über die Region ausstrahlen: der erste rheinland-pfälzische Nationalpark Hunsrück-Hochwald. Die Landesregierung hatte das ehrgeizige Projekt in kurzer Zeit im Jahr 2015 aus dem Boden gestampft. Im Vorfeld, bereits im Jahr 2013, besuchte Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Grüne) viele Orte, um die Bevölkerung von der Notwendigkeit des Projektes zu überzeugen. Selbst in der kleinen Hochwald-Gemeinde Neuhütten gab es im Sommer 2013 eine Diskussion mit der MInisterin. Und sie versprach eine Stärkung der Infrastruktur und des Tourismus. Diese Überzeugungsarbeit war auch notwendig, denn schon damals übte die Oppositionspartei CDU Kritik an dem grün-roten Projekt. Schließlich fand der Nationalpark aber die notwendige Mehrheit im Landtag.

Nun, drei Jahre nach seiner Eröffnung, kommt die Kritik wieder auf. Ein Forstexperte zweifelt die Sinnhaftigkeit der mit Kahlschlägen verbundenen Renaturierung der Moore, der sogenannten Hangbrücher, bei Morbach an. Diese seien, so der Botaniker Adam Hölzer, keine Moore gewesen, sondern lediglich nasse Hangflächen. Harald Egidi, Chef des Nationalparkamtes, verteidigte hingegen das Verfahren (TV vom 7. August).
Das Areal um den Erbeskopf, das mit dem Umwelt- und Bildungszentrum Hunsrückhaus bereits bei der Eröffnung 2015 als künftiges „Tor des Nationalparks“ gefeiert wurde, ist inzwischen in einem desolaten Zustand. Hinweisschilder sind verwittert, Spielgeräte waren fast ein Jahr wegen mangelnder Verkehrssicherheit gesperrt und werden derzeit abgebaut. Alexander Lürmann aus Malborn, dem die Schäden aufgefallen waren, bezeichnete das gar als „Anti-Tourismus“. Bürgermeister Marc Hüllenkremer, Vorsteher des Zweckverbandes Erbeskopf, verwies dabei auf neue Konzepte, die zeitnah umgesetzt werden sollen (TV vom 10. August).

Diese Beobachtungen riefen weitere Kritiker auf den Plan. Richard Pestemer aus Neunkirchen, Vorsitzender der Freien Wählergemeinschaft Erbeskopf und Mitglied des Verbandsgemeinderates von Thalfang schreibt in einer Presse-Erklärung: „Das Land und alle Akteure in der Region propagieren, dass das Hunsrückhaus das Eingangstor zum Nationalpark sein soll. Jetzt allerdings finden die Besucher an diesem Eingangstor einen brachliegenden Spielplatz vor. Warum hat das Land sich nicht im Rahmen der Aufstellung des Nationalparkes um ein attraktives Umfeld bemüht? Fehlt schon dafür das nötige Geld? Fakt ist indes, dass der hochverschuldete Zweckverband trotz der Mitglied­schaft der schuldenfreien Einheitsgemeinde Morbach nicht in der Lage ist, hier Abhilfe zu schaffen.“ Seine Wählergemeinschaft fordert, dass Land und Zweckverband sofort Sanierungsmaßnahmen vornehmen, um eine weitere Imageschädigung des Nationalparks und der Tourismusregion zu verhindern.

Horst Schönhals ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft HImmelberg. Sie vertritt die Inhaber von Ferienwohnungen im Thalfanger Ferienpark Himmelberg. Diese klagen über mangelnden Tourismus im Bereich rund um den Erbeskopf und wünschen sich ebenfalls eine Belebung der Region. Schönhals sagt: „Es zeigt sich eindeutig, dass in der öffentlichen Hand nach dem Gießkannenprinzip Gelder eingesammelt und auch wieder verteilt werden.“ Das hätte alles früher und in einem Gesamtkonzept geplant werden müssen. Schönhals teilt die Euphorie um den Nationalpark nicht: „Die Situation ,Erbeskopf’ und ,Nationalpark’ dürfte mittlerweile so verfahren sein, dass es auch für das Land Rheinland-Pfalz besser wäre, weitere Kosten zu sparen, den Namen ,…park’ wieder zu entfernen, anstatt mit diesem Negativ-Image der Region zusätzlich zu schaden“.

Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamtes, nimmt auf TV-Nachfrage Stellung zu der Kritik am Nationalpark: Das Land sei den Innenbereich des Hunsrückhauses angegangen. Die neue Ausstellung soll am 16. Dezember dieses Jahres  eröffnet werden. Zudem soll der Winter genutzt werden, um das Gelände hinter dem Hunsrückhaus unter dem Namen „Weg in die Natur“ umzugestalten. Dort befindet sich derzeit der Sinnesgarten. Das neue Außengelände soll spätestens zum Sommer 2019 eröffnet werden. „Wir investieren eine Dreiviertelmillion Euro“, sagt Egidi. Die Pläne des Nationalparkamtes seien seit einem Jahr bekannt, sagt er. Mit dem Zweckverband hat das Nationalparkamt regelmäßige Treffen. Dabei werde auch ein gemeinschaftliches Konzept für den Erbeskopf erstellt. „Es ist dringend erforderlich, dass wir das insgesamt angehen“, sagt Egidi.

Der Spielplatz sei Sache des Zweckverbandes. Wie dieser gestaltet wird und wo dieser hinkommt, soll mit dem Nationalparkamt eng abgestimmt werden. Das Amt sei am Erbeskopf aktiv, beispielsweise biete man Rangertouren an. Egidi: „Wir haben keine Aussagen gemacht, die wir nicht gehalten haben.“

Ein wenig optimistischer ist indes der Luxemburger Raphael Ioppo, der das mehrfach ausgezeichnete Bed-and-Breakfast-Haus „Rosenhill“ in Thalfang betreibt. Die Landschaft des Hunsrücks habe viel zu bieten, das würden ihm seine Gäste auch immer wieder bestätigen, versichert er dem TV.

Es liege aber auch an den einzelnen Bürgern, etwas aus der Situation zu entwickeln. Ioppo plant derzeit ein Heißluftballon-Festival für Thalfang und steht in Kontakt mit der Gemeinde und dem Nationalparkamt. „Da ist großes Interesse, aber ich warte noch auf diverse Genehmigungen,“ sagt Ioppo.