Die Kunst des Kellermeisters

Ein "verrücktes Weinjahr" ist zu Ende gegangen. Alle Prognosen, die Anfang September geäußert wurden, mussten wenige Wochen später über den Haufen geworfen worden. Die Regenwoche Anfang Oktober zwang die Winzer zu einer schnellen Lese, weil sich die vom Botrytispilz verursachte Traubenfäule rasend schnell ausbreitete.

Die geernteten Qualitäten sind hervorragend, die Mostgewichte lagen beim Riesling zumeist bei 90 bis 100 Grad Oechsle. Einziger Wermutstropfen: Die Fäulnis hat die Menge reduziert und stellt nun die Winzer und Kellermeister vor eine große Herausforderung. Trockene Edelfäule, wie in dem legendären Jahr 1976, gab es leider kaum. Eine durchnässte Fäulnis, wie in diesem Jahr, birgt die Gefahr in sich, dass schädliche Mikroorganismen einen Schimmel- oder Essiggeschmack verursachen und den Wein "verderben" können. Viele Winzer haben daher den Most mit Aktivkohle "geschönt" - ein absolut unbedenkliches Verfahren. Dennoch tut dies kein Winzer gerne, denn eine Überdosierung kann auch die "guten" Geschmacksstoffe dem Wein entziehen. Aber die meisten Winzer sind heute bestens geschult und wissen mit "problematischen" Trauben umzugehen. Der 2006er wird auf jeden Fall wieder ein ganz besonderer Jahrgang werden - der von vielen Verbrauchern geschätzte edelsüße Botrytis-Ton wird in vielen Weinen zu finden sein. Winfried Simon

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