"Die letzen Tage eindeutig nachgezeichnet"
Der Lückenburger Soldat Wilhelm Heimes kämpfte im Ersten Weltkrieg für Deutschland. Er ist einer der wenigen Männer, über deren Schicksal der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nun Details herausgefunden hat.
Lückenburg. (red) In der kleinen, beschaulischen Gemeinde Lückenburg im Hunsrück pflegen seit fast 90 Jahren die Frauen des Ortes liebevoll das Ehrenmal der gefallenen Soldaten am Ortseingang. Sie pflanzen Blumen und halten zum Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege diese Ehrengedenkstätte in Ordnung.Zum Volkstrauertag legt die Feuerwehr einen Kranz nieder. Vielleicht weiß noch der eine oder andere, in welchem Haus die auf der Ehrenafel aufgeführten Verstorbenen des Ersten und Zeiten Weltkriegs gewohnt haben, welcher Familie sie angehörten. Wo diese toten Soldaten aber ihr Leben lassen mussten, unter welchen Umständen sie gestorben sind, ist meist unbekannt.In der Stadt Montauban nahe Toulouse organisiert die "I'association Memoire à 82" im November 2008 die Feierlichkeiten zum 90. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges. Das "ONAC - Tarn et Garonne" äußerte den Wunsch, anlässlich der Feierlichkeiten für das Kriegsende 1918 auch deutsche Präsenz zu zeigen. Man will in fairer Weise die Not der Soldaten nicht nur an Hand französischer Schicksale darstellen, sondern auch an dem Leid der auf dem Friedhof in Montauban ruhenden deutschen Soldaten und hat deshalb gebeten, Fotos oder andere personenbezogene Dokumente oder Schriftstücke von den deutschen Soldaten zur Verfügung zu stellen.Auf diesem Friedhof ist der ehemalige Lückenburger Soldat des Ersten Weltkriegs, Wilhelm Heimes, beerdigt. "Es grenzt schon an ein Wunder", sagt Horst Hubert, der für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge recherchierte, "dass eine Reihe von Fotos und Dokumenten bei der Familie Müller in Lückenburg gefunden wurden, die die letzten Tage des Soldaten Wilhelm Heimes eindeutig nachzeichnen können."Neben Wilhelm Heimes waren auch seine Brüder Friedrich, August und Karl zum Militär eingezogen. Die letzte Nachricht von Wilhelm Heimes war eine Feldpostkarte an seine Mutter. Er schreibt: "Liebe Mutter, bin hier am 1. Oktober als Verwundeter angekommen, meine Verwundung ist nicht schlimm, fühle mich ganz wohl. Du darfst mir schreiben, Pakete schicken (Pakete aber ohne Nachrichten beizulegen) und erkundigst Dich bitte bei der Lehrerin oder läßt sie schreiben. Ich schreibe nächste Woche ausführlich. Herzl. Gruß Wilhelm."Ahnte er bereits seinen Tod, der wenige Tage später, am 7. Oktober 1915, eintrat? Ein weiteres Dokument gibt Aufschluss: Ein Leutnant schreibt am 9. Oktober aus dem Hospital von Montauban an den Ortsvorstand von Lückenburg: "Ich habe die traurige Pflicht, den wohllöblichen Ortsvorstand zu bitten, den Angehörigen des Soldaten Wilhelm Heimes, Inf. Reg.69, 8. Komp. den im hiesigen Hospital erfolgten sanften Tod desselben gütigst mitteilen zu wollen, da ich leider nicht in der Lage bin, die genaue Adresse seiner Mutter zu erfahren. Soldat Wilhelm Heimes ist am 25.9.15, durch Handgranaten schwer verwundet, in französische Kriegsgefangenschaft geraten und nach hier geschafft worden. Man mußte zu einer sofortigen Amputation des rechten Beines schreiten. Ich konnte ihm noch am Tage nach der Operation einigen Zuspruch und Trost geben. Er war sehr zuversichtlich, wenngleich er durch die Operation und den Blutverlust sehr entkräftet war. In der folgenden Nacht, am 7.10. ist er gegen 3 Uhr morgens ohne Todeskampf seinen schweren, ehrenvollen Verletzungen erlegen."Zwei Söhne der Familie Heimes aus Lückenburg kamen unverletzt aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Friedrich erlitt eine schwere Kopfverletzung und verstarb daran 1934.