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Die letzte Messe ist nicht mehr fern

Die letzte Messe ist nicht mehr fern

Große Erleichterung bei den Verantwortlichen der katholischen Kirchengemeinde Daun: Die ihr gehörende Thomas-Morus-Kirche wird nicht als Denkmal eingestuft. Die Gemeinde knüpft nun an ihren ursprünglichen Plan an, das sanierungsbedürftige Gotteshaus und das dazugehörende Gelände am Rand der Innenstadt zu verkaufen.

Daun. Die Thomas-Morus-Kirche wird nicht unter Denkmalschutz gestellt: Diese aus ihrer Sicht gute Nachricht hat bei Pfarrer Ludwig Hoffmann und Matthias Brauns, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der katholischen Kirchengemeinde Daun, für Freude und Erleichterung gesorgt. Und auch für etwas Überraschung: "Nach dem bisherigen Verlauf war nicht unbedingt davon auszugehen, dass von dem Vorhaben, die Kirche in die Denkmal-Liste aufzunehmen, Abstand genommen würde", sagt Brauns.
2013 hatten die hauptamtlichen Seelsorger und die kirchlichen Gremien (Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat) beschlossen, sich von der Thomas-Morus-Kirche zu trennen. Begründet wurde die Entscheidung vor allem mit dem schlechten baulichen Zustand des 45 Jahre alten Gotteshauses und der rückläufigen Zahl der Kirchgänger.
Eine Planungsgruppe kümmerte sich anschließend um ein Nutzungskonzept, es wurden Gespräche mit Projektentwicklern und Investoren geführt. Vorschläge für ein Projekt unter den Begriffen Generationenwohnen, betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften lagen bereits auf dem Tisch.
Aber dann kam die Landesdenkmalpflege-Abteilung der rheinland-pfälzischen Generaldirektion Kulturelles Erbe und leitete ein Denkmalschutzverfahren ein. "Wenn die Kirche tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt worden wäre, wäre es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich geworden, Gelände und Gebäude zu verkaufen und einer anderen Nutzung zuzuführen", beschreibt Brauns die Bedenken der Kirchengemeinde. Auch der Stadtrat Daun hatte sich in einer Resolution gegen eine mögliche Unterschutzstellung ausgesprochen.
Nun aber hat die Generaldirektion laut einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung Vulkaneifel "nach umfangreichen Prüfungen und der Abwägung aller Aspekte von einer Eintragung der Thomas-Morus-Kirche in die Denkmalliste abgesehen".
Trotz einer "gewissen gestalterischen Qualität der Anlage" reiche das öffentliche Interesse am Erhalt mit Hinblick auf die immensen Sanierungskosten nicht aus, um zu einem anderen Ergebnis zu kommen. Grundlage für diese Entscheidung war unter anderem ein Gutachten des Bistums. Darin wurden Sanierungskosten von rund 1,5 Millionen Euro genannt. Über den Beschluss der Generaldirektion freut sich auch Stadtbürgermeister Martin Robrecht: "Das ist eine unter den gegeben Rahmenbedingungen sachgerechte und vernünftige Entscheidung, die ich ausdrücklich begrüße."
Wie geht es weiter? "Oberstes Ziel der Kirchengemeinde ist nach wie vor, das Gotteshaus zu erhalten und eine neue Nutzung zu finden.
Aber wenn Gebäude und Gelände verkauft sind, sind wir außen vor, was die konkrete Planung angeht", erklärt Verwaltungsratsvertreter Brauns. Die Kirchengemeinde hat beim Bistum zwischenzeitlich einen Antrag auf Entweihung der Thomas-Morus-Kirche gestellt. Wird er genehmigt, soll dort am 27. September die letzte Messe, zu der auch der formale Akt der Entweihung gehören wird, gefeiert werden. sts