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Die Liebeserklärung kommt zum Schluss

Die Liebeserklärung kommt zum Schluss

Kultur ist in der Region untrennbar mit dem Namen Hermann Lewen verbunden. Sein berufliches Leben besteht darin, Veranstaltungen zu organisieren. Doch er blickt auch über den Tellerrand.

Ürzig. Der Vorschlag, wo das Schoppengespräch stattfindet, kommt von Hermann Lewen selbst. "In der neuen Vinothek des Weingutes Mönchhof in Ürzig." Was für ein Rahmen! Der Mosel Musikfestival-Intendant ist froh über Leute, die Mut zeigen und Geld investieren. Es gebe sie in der Gastronomie, Hotellerie und im Weinbau.

Im engen Moseltal fehle aber oft auch der Mut zum eigenen Ich. Vieles werde nur kopiert. Lewen beklagt die Flut der Mallorca-Nächte und Oktoberfeste. "Was hat das mit der Marke Mosel zu tun?", fragt er. "Unser Pfund sind 2000 Jahre Kultur an der Mosel. Daran müssen wir uns ausrichten. Unsere Industrie sind Kultur und Weinbau."

Der Wein, den Hausherr Robert Eymael ausschenkt, passt in diese Philosophie. Eine 2008er Riesling-Spätlese aus dem "Ürziger Würzgarten". Ein Wein zum Reinknien, wie die Moselaner sagen. Ein Wein, wie er nur in einer Kulturlandschaft wie der Mosel erzeugt werden kann.

Stichwort Kultur: Mit Hermann Lewen wäre vieles zu erörtern. Doch die Kultur ist sein Metier, und alleine dieses Thema ist abendfüllend. Wobei sich die Diskussion über Kultur nicht auf das beschränkt, was der 57-Jährige seit 1985 auf die Bühne des Mosel Musikfestivals (vormals Mosel Festwochen) stellt. Lewen sucht und findet immer die Abzweigung in die Kulturlandschaft und die darin wohnenden Menschen.

Kultur ist beim Gespräch mit ihm kein trockenes Metier, sondern eine richtig spannende Geschichte. "Niemand hat damals daran geglaubt, dass das Festival eine Erfolgsgeschichte wird", erzählt er. Es sei der Versuch gewesen, "die Region anders in Wert zu setzen".

Visionen sollen umgesetzt werden



Der Anfangsetat betrug 30 000 Mark für 15 Veranstaltungen. Einer der ersten Interpreten, damals noch ein Geheimtipp, heute weltberühmter Pianist und Dirigent, war Justus Frantz. Die Atmosphäre scheint ihm so gut gefallen zu haben, dass er ein Jahr später das Schleswig-Holstein-Musik-Festival ins Leben rief.

Aktuell beträgt der Etat des Mosel Musikfestivals, das als Vorreiter dieser Veranstaltungsart gilt, 700 000 Euro. Dafür gibt es 60 Konzerte an 35 Spielstätten. Mit berühmten Künstlern oder aber mit Geheimtipps, die auf dem besten Weg an die Spitze sind.

"Wir haben den Nerv der Zeit getroffen", sagt Lewen. "Und es ist auch gelungen, die Architektur in der Region in Wert zu setzen", fügt er mit Blick auf die Vielfalt der Spielstätten (Kirchen, Klöster etc.) an.

Wer Kunst macht oder organisiert, braucht Visionen. Das birgt die Gefahr, als "Spinner" abgetan zu werden. Lewen hat immer wieder erleben müssen, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Doch er "spinnt" weiter. "Jeder Ort hat eine Geschichte. Die Leute sollten in ihr blättern und ein Profil herauskitzeln", fordert er. Die Lieserer sollten Fürsten in das alte Schlossgemäuer einladen. In Mülheim könnte die durch den Wein entstandene Verbindung mit den Zeppelin-Luftschiffen intensiviert werden.

25 Jahre habe es beispielsweise von der Vision eines Weinschiffs bis zur Fertigstellung des Nachbaus des Neumagener Weinschiffs gedauert. "Es müsste schon ein zweites geben", sagt Lewen. Für so etwas gebe es gebe es "Erlebnisbedarf".

Fast 400 000 Besucher wurden bisher beim Festival gezählt. Allein das, so Lewen, zeige, dass Kultur wichtig sei, auch wenn sie ein Zuschussgeschäft bleibe. Er glaube nicht, dass in diesem Bereich Geld sinnlos ausgegeben werde. "Ich verkaufe auch Emotionen", sagt er.

Der Moselaner an sich sei schwer zu begeistern. "Ich brenne aber immer noch für das Thema Mosel", erklärt er. Seine Liebeserklärung behält er sich bis zum letzten Schluck Riesling auf: "Ich möchte in keiner anderen Region leben."Extra Schoppengespräche: "Auf einen Schoppen mit …" So lautet eine neue Serie in der Moselausgabe des Trierischen Volksfreunds. Dabei treffen sich TV-Redakteure mit bekannten Persönlichkeiten, um mit ihnen bei einem guten Glas Wein zu plaudern - ganz ungezwungen und ohne sich auf ein ganz bestimmtes Thema zu beschränken. (sim)