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Die Lieser - verborgenes Idyll in der Stadt Wittlich

Die Lieser - verborgenes Idyll in der Stadt Wittlich

Die Lieser fließt fast unbemerkt durch Wittlich. Das soll sich ändern, findet der Stadtrat (Der TV berichtete). Aber was sieht man eigentlich von Wittlich, wenn man an der Lieser entlangwandert? Ein Spaziergang.

Wittlich. Treffpunkt Alte Pleiner Mühle, mitten im Wald: Gleich am Biergarten rauscht die Lieser vorbei, das Wasser glitzert in der Sonne. Ein kaltes Radler zur Stärkung, dann geht es los Richtung Wittlich. Der Pfad ist schmal, rechts knorrige Baumwurzeln, links ein Abhang. Ganz unten fließt die Lieser. 74 Kilometer ist sie insgesamt lang, an ihren Ufern haben die Kelten gewohnt, die Römer, die Franken. Was dieser Fluss alles erzählen könnte! Ein Blick auf das Handy: kein Empfang.
Kaum Sicht auf den Fluss


Weiter geht es durch den Wald, dann kommen Felder, Wohnhäuser, die Bastgenmühle. Willkommen in Wittlich. Was sieht der Wanderer von der Stadt? Kurz innehalten, am besten an der Rommelsbachbrücke, unten am Ufer: Da ist das Café im Pavillon, da sind Laubbäume und Baukräne in der Feldstraße. Zwei Radfahrer stehen am Wegrand und schauen mit zusammengekniffenen Augen auf die Wegweiser. Vom eigentlichen Stadtbild sieht man: nichts. Wittlich ist eine Stadt am Fluss, aber das merkt man kaum. Nur an wenigen Stellen hat man einen direkten Zugang oder einen Blick auf die Lieser.
Die Wirtin in der Alten Pleiner Mühle hat gesagt, die Lieser bedeute für sie Ruhe und Entspannung. Ob das die Menschen in Wittlich auch so sehen? Eine Frau mit Hund kommt vorbei, Susanne Hoppe aus dem Sauerland, sie macht Urlaub in der Gegend: "Wir kommen einmal im Jahr nach Wittlich und sehen die Lieser, wenn wir vom Parkplatz in die Stadt gehen." Zumindest Touristen nehmen den Fluss wahr.
Trotzdem: Die Lieser ist zu unauffällig. Im Innenstadtentwicklungskonzept von 2011 steht, sie fließe "nahezu unbemerkt direkt am Innenstadtbereich vorbei." Und: "Um die Lieser als Erlebnis in die Innenstadt zu integrieren, sind bessere Zugangsmöglichkeiten notwendig." Im April hat der Stadtrat beschlossen, dass das Lieserufer in der Gemarkung Wittlich untersucht und ein Maßnahmenkonzept erarbeitet werden soll - mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz (siehe Extra).
Der Spaziergang an der Lieser geht weiter, Schrebergärten tauchen auf. In einem sitzen Menschen und trinken ein Nachmittagsbier, unterhalten sich, lauschen dem Plätschern. Wieder die Erinnerung an den Satz der Wirtin: "Die Lieser bedeutet Ruhe und Entspannung." Nur der Ausblick war auf der Pleiner Mühle deutlich schöner. Wer hier zum anderen Ufer blickt, sieht das graue Gerippe des Lieser-Domizils, einer Wohnanlage, die in der Feldstraße entsteht. An der Lieserbrücke in Nähe der Schneck-Kreuzung endet der Spaziergang. Ein Schild weist auf den "Lieserpfad nach Manderscheid" hin. Das Metall war mal weiß, jetzt ist es grau und die Schrift verblasst. Als wollte man sagen: Da ist übrigens die Lieser. Aber eigentlich ist sie gar nicht so wichtig.Extra

In Zusammenarbeit mit zwei Fachbüros untersucht die Stadtverwaltung das Lieserufer in der Gemarkung Wittlich. Gefördert wird das Projekt vom Land Rheinland-Pfalz im Rahmen der Aktion Blau Plus, einem Programm zur Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen. Laut Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadt Wittlich, gibt es bereits einen Vorentwurf eines Maßnahmenkonzeptes zur Lieser. Dieser soll den städtischen Gremien bald zur Beratung vorgelegt werden. Im Stadtrat waren schon mehrere Ideen Thema: Unter anderem Sitzblöcke und -bänke am Lieserufer nahe dem Rommelsbachparkplatz. gub