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DIe Liss zum Verhältnis von Morbach zu Düsseldorf

Kolumne : Düsseldorfer Spott

Ich will ja nichts sagen,

 aber der Weltrekord von unserem Morbacher Schriftsteller Stefan Gemmel mit seiner „größten Autorenlesung in einem Kinderfahrzeug-Drive-In“ hat bundesweit Furore gemacht. Alle möglichen Zeitungen haben darüber berichtet, sogar die ganz großen Magazine, wie der Spiegel und die Zeit.

Nur die Düsseldorfer Journalisten von der Rheinischen Post, die haben das Besondere an dem Weltrekord nicht verstanden. Die machen sich stattdessen darüber lustig und schlagen als neue mögliche Weltrekorde die Disziplinen „Schönste Poetry-Slam-Aufführungen aus einer Schlittschuhbahn für Frauen“ und „Längste griechische Tragödie auf einem Radschnellweg im Ruhrgebiet“ vor, alternativ auch noch „Unanständigstes Männerballett in einer Waschanlage für Linkshänder“.

Also abgesehen davon, dass ich als Frau beim letzten Vorschlag einen gewissen Reiz sehe – knackig müssten die Kerle allerdings schon sein – finde ich, dass die Düsseldorfer den Ball mal schön flach halten sollten. Erstens schaffen die es nicht, mit ihrer Fortuna dauerhaft in der Fußball-Bundesliga zu spielen – dank meines Hermanns bin ich da auf dem Laufenden. Und zweitens hätten die Düsseldorfer ohne Morbach kein Wahrzeichen. Denn die schmücken ihre sagenumwobene Altstadt mit einer Figur des Schneider Wibbel, einem Schneider, der in einem Roman legendär wurde, weil er ins Gefängnis musste und statt seiner Person seinen Gesellen dorthin schickte. Der dann leider in der Haft verstorben ist, so dass der Schneider als tot galt. Diese Holzskulptur, die in der Düsseldorfer Altstadt ein paar Mal am Tag hinter einer Tür hervorkommt und dort eine Attraktion ist, ist in Morbach geschnitzt worden. Und auch die Mechanik, die den Schneider hinausträgt, kommt von dort. Also, Ihr Düsseldorfer: Spottet nicht über die Morbacher und ihre Rekorde. Euer Aushängeschild der Altstadt, den Schneider Wibbel, den gäbe es nicht ohne sie,

 sagt Eure Liss