Die listigen Weiber von Monzel

An Weiberfastnacht sind alle Mittel recht - das dachte sich jedenfalls eine feierfreudige Frau im Jahr 1856.

Osann-Monzel. (ger) Den Weiberdonnerstag feiern Frauen und Männer heute gleichermaßen gerne. Mitte des 19. Jahrhunderts haben es die Männer nicht immer gern gesehen, wenn ihre Frauen das Regiment führten und alleine ausgingen. In der Monzeler Schulchronik hat der Dorfschullehrer eine Begebenheit vom Weiberdonnerstag aus der Zeit um 1850 beschrieben: "Am sogenannten Fetten- oder Weiberdonnerstag in der Woche vor Aschermittwoch veranstalteten die Weiber des Ortes alljährlich folgende Festlichkeit: Sie trugen Holzasche zusammen (Anmerkung: Holzasche war damals Grundprodukt zur Herstellung von Pottasche, die als Dünger genutzt wurde und als Vorform des heute industriell gewonnenen Düngemittels Kali angesehen werden kann), verkauften dieselbe für ein entsprechendes Quantum und hielten unter Musik und Gesang, zuweilen in Maskenkleidung einen Zug durch den Ort, dem eine durch besonders auffallende närrische Bänderhaube ausgezeichnete Frau vorantanzte. Im Tanzboden angelangt, labte man sich an den von den jüngeren Weibern pflichtgemäß mitgebrachten Backwaren und dem Weine und tanzte dann, bis die Mitternachtsstunde an Mann und Kinder erinnerte. Einige Tage vor der letzten Weiberdonnerstagsfeier dieser Art (1856) versprach ein Mann seiner Frau ein neues Kleid, wenn sie diesmal nicht mitginge. Rasch entschlossen nahm die listige Frau dieses Anerbieten an, ließ sich ungesäumt das Kleid machen und ,ging' ihrem Versprechen gemäß nicht mit, bestieg jedoch ein bekränztes Pferd und ,ritt' geschmückt mit dem verdienten Kleide zum größten Erstaunen ihres getäuschten Gatten vor dem Zuge her."