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Die Mädels stricken nur noch nebenbei

Die Mädels stricken nur noch nebenbei

Der Missionsbasar in Heinzerath war lange ein wichtiger Bestandteil des dörflichen Lebens. Doch die Macherinnen werden nicht jünger. Deshalb werden sie ihr Hobby, das Stricken, nur noch in kleinem Rahmen ausüben.

Heinzerath. Zwischen hausgemachten Marmeladen stapeln sich handgestrickte Strümpfe, Mützen, Pullover oder auch Decken. Ihr Verkauf muss aber etwas warten. Denn noch sind die Strickerinnen anderweitig beschäftigt. Am Tisch nebenan schenken sie den Missionsbasarbesuchern, darunter viele von außerhalb, Kaffee ein und versorgen sie mit hausgebackenem Kuchen, gespendet von Heinzerather Bürgern.
Die Frauen sind ein wenig traurig, dass nun Schluss ist mit einer 30-jährigen lieb gewordenen Tradition. Doch andererseits sind sie auch erleichtert. Denn zuletzt strickten nur noch sechs Frauen für den guten Zweck.
Zu besten Zeiten waren es doppelt so viele. Einige seien gestorben, und es rückten eben keine mehr nach, bedauert Elisabeth Petry: "Wir müssen uns damit abfinden."
Die 71-Jährige ist von Anfang an dabei. Ebenso wie Erika Resch, mit 66 Jahren die Jüngste der ansonsten 76 und 79 Jahre alten Frauen. Die jährlichen Basare erwiesen sich zusehends als Belastung. "Wir packen das einfach nicht mehr", sagt Resch. Sie schätzt, dass die Gruppe über die Jahre "einige Tausend Euro" gespendet hat.
Tröstlich ist für die Frauen, dass sie sich weiterhin treffen, um in geselliger Runde zu stricken. Aber nicht mehr wöchentlich sondern nur alle zwei oder vier Wochen. "Wir stricken nur noch für uns oder, wenn Leute etwas haben wollen", erklärt Resch. Verkaufserlöse werden sie wie eh und je spenden - so wie in diesem Jahr für die Renovierung der Heinzerather Kirche (siehe Extra).
In früheren Jahren spendeten sie an das Morbacher Alten- und Pflegeheim oder auch an Hilfsbedürftige in Bolivien. Zuletzt gingen die Einnahmen an Katrin Bornmüller von der Wittlicher "Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte", die auch das Ersparte der Gruppe erhalten und an Menschen in osteuropäischen Ländern weiterleiten wird.
Ortsvorsteher Friedhelm Schlarp und Ralf Martini, Vorsitzender des örtlichen Heimatvereins, sind dankbar für das Engagement der Frauen. Martini lud "die Mädels" zu einem gemütlichen Abend ein, dessen Kosten sich der Verein und die örtliche Gaststätte teilen.Extra

Wie berichtet wird die Renovierung der Dorfkirche die etwa 300 Bürger voraussichtlich um die 95 000 Euro kosten. 44 000 Euro sind - einschließlich ehrenamtlicher Leistungen - bereits beisammen. Zum einen dank der Spendenaktion "Erhaltet unsere Kirche im Dorf", zum anderen dank des Verkaufs von Fotoabzügen von Gemälden des Morbacher Malers Wilhelm Terwei (von 1875 bis 1946) - erhältlich über Küster Josef Schmitz. urs