Die Maschinen laufen wieder

MÜLHEIM. Ehemalige Mitarbeiter der insolventen Fensterbaufirma eurotec haben bei der neu gegründeten Firma "eccoform production" in Mülheim eine neue Arbeitsstelle gefunden. Heute soll mit der Produktion von hochwertigen energieeffzienten Fenstersysteme begonnen werden. Firmen-Philosophie ist Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit.

Die Fensterbaufirma eurotec- mit Standorten in Wengerohr und Rachtig hatte am 15. September wegen Liquiditätsproblemen Insolvenz angemeldet. 59 Beschäftigte mussten sich nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen (der TV berichtete). Doch schon kurz nachdem der vorläufige Insolvenzverwalter Gerd Seibert in Aktion getreten war, gab es Interessenten aus dem Kundenkreis der eurotec, die an den Maschinen, die im Werk Rachtig standen, Interesse bekundeten. Sie wollten mit den technischen Anlagen aus der Insolvenzmasse eine neue Firma gründen und eine Produktionsstätte für hochwärmegedämmte Fenster in Mülheim schaffen.Diebstahl verzögert Aufnahme der Produktion

Doch dann machte der Diebstahl von Maschinenteilen im Rachtiger Werk die Pläne zunächst zunichte. Die waren offensichtlich in einer Nacht- und-Nebel-Aktion ausgebaut und weggeschafft worden (der TV berichtete). Der Diebstahl war Anfang Oktober aufgefallen, als ehemalige Mitarbeiter sie zum Abtransport nach Mülheim abbauen wollten. "Bislang gibt es keine Anhaltspunkte auf die Täter", sagte Kriminalhauptkommissar Horst Rodermund auf TV -Anfrage. "Wir hätten schon früher mit der Produktion beginnen können, der Diebstahl hat alles verzögert", erklärt der designierte Geschäftsführer der neuen Firma, Wolfgang Drost. Schließlich konnten die gebrauchten Teile aber anderweitig besorgt werden, so dass am heutigen Montag mit der Fenster-Produktion begonnen werden kann. Schließlich gebe es Lieferverpflichtungen, wie Günter Pazen, einer der vier Gesellschafter der eccoform produktion, versichert. Pazen war zeitweise Geschäftsführer und auch Gesellschafter der Firma eurotec. Bei der neuen Firma will der Schreinermeister nur beratend in Erscheinung treten, da er noch ein eigenes Unternehmen hat, das für eccoform production die Vertriebsaktivitäten übernimmt. Die eccoform ist ein reines Fertigungsunternehmen. Zwar sei der Fenstermarkt "notleidend", dennoch haben die beiden Firmen laut Pazen Kunden in Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Frankreich und Luxemburg. Pazens Visionen von Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit teilt er übrigens mit dem gelernten Betriebswirt Dorst. Der hat nach eigenem Bekunden einst zusammen mit Ernst Ulrich von Weizsäcker das Wuppertal-Institut-Institut für Klima, Umwelt und Zukunft der Arbeit aufgebaut. Durch das Institut kam auch der Kontakt zu Günter Pazen zustande und schließlich zur Region. Auch der Name der neuen Firma ist Programm, wie die beiden erklären ec- steht für Ökologie (Englisch ecology), co- für Handel (Englisch commerce) und -form für das gestaltete Produkt - in dem Fall energieeffiziente Fenster. "Die Energiepreise werden steigen, Ressourcen sind endlich, und daher ist aktiver Umweltschutz und Nachhaltigkeit geboten", sagt Drost. Aber das Unternehmen will natürlich auch Geld verdienen, schließlich müssten zwölf Arbeiter und vier Angestellte auch bezahlt werden. "Wir haben 15 eurotec-Leute wieder in Lohn und Brot gebracht", so der Geschäftsführer. Da hätten sich Pazen und Drost Unterstützung durch das Arbeitsamt gewünscht.Nachfrage nach guten Fachkräften

"Wir sind ja keine Wirtschaftsförderer und fördern auch keine Unternehmensgründungen", so Ferdinand Zingen, Leiter des Arbeitsamtes Bernkastel-Kues. Die Behörde prüfe jeden Einzelfall, ob ein Arbeitsloser förderungswürdig sei. "Aber da es sich bei den eurotec-Mitarbeitern um gute Fachkräfte handelt, konnten sie sich ohne Subventionen auf dem Arbeitsmarkt anbieten", so Zingen weiter. Beim Arbeitsamt Bernkastel-Kues sei ganz konkret nach diesen Fachkräften nachgefragt worden, so dass nahezu alle wieder beschäftigt sind. Ob auch alle Beschäftigten des eurotec-Standortes Wengerohr schnell wieder in Lohn und Brot kommen, ist noch unklar. Das Insolvenzverfahren für die Firma eurotec ist am 5. November eröffnet worden. Insolvenzverwalter Gerd Siebert kümmert sich zur Zeit um das Werk Wengerohr. Der Rechtsanwalt ist zuversichtlich, wenn auch noch nicht auskunftsfreudig. "Ich bin optimistisch, dass wir eine Lösung finden werden."