Die Menschen im Blick

BERNKASTEL-KUES. (mbl) Tanja Grote lebt mit ihrer Kunst und ihren Bildern: Ihr Atelier ist in ihre Wohnräume integriert. Einen Querschnitt aus ihrem kreativen Schaffen zeigt die gebürtige Rheinländerin, die seit 1998 in Beuren/Hochwald lebt, in der Akademie Kues. Die Harfenistin Katharina Martini schuf für die Vernissage den musikalischen Rahmen.

Ausdrucksstark in den Farben, abstrakt in der Umsetzung der Themen - so präsentieren sich die Gemälde Tanja Grotes, die ergänzt werden durch weiteren gestalterischen Arbeiten mit verschiedenen Materialien. "Die Künstlerin liebt es, schöpferisch tätig zu sein", sagte Akademieleiterin Theresa Spies. Für Grote, im Hauptberuf Beamtin, sei jede freie Minute, die sie nicht kreativ sein könne, verlorene Zeit. Die Autodidaktin hat sich in der Auswahl ihrer künstlerischen Betätigung und der Auswahl der Materialien nicht festgelegt, entsprechend vielfältig sind ihre Werke. Auslöser für die Beschäftigung mit der Kunst war ein Email-Ofen, den sie mit 13 Jahren zu Weihnachten geschenkt bekam. In der Bibliothek des Vaters interessierte sie die Theorie, in ihrem eigenen Tun hat sie ihren Stil gefunden. "Ich abstrahiere ganz stark, nicht die äußere Sicht von Objekten und Menschen, sondern das Innenleben interessiert mich viel mehr.Dem Material-Ausdruck sind keine Grenzen gesetzt

Ob Aquarell, Acryl, Öl sowie Mischtechniken und Collagen, Pastelle, Bleistift, Kohle, Tusche und vieles mehr - dem Material-Ausdruck sind keine Grenzen gesetzt. Auch Holz, Glas Metall und Stein bieten immer wieder ein neue Herausforderung für Grote, die zur Eröffnung auch gleich ihre eigene Schmuckkreation trug. Die Arbeiten in der Akademie sollten aber nicht nur zum Betrachten einladen, sondern auch zu kontroversen Diskussionen und Auseinandersetzungen über das menschliche Leben und seine (künstlerische) Bewältigung, wie Spies bemerkte. Denn die Künstlerin richte ihren Blick immer auf den Menschen. Und wie Kunst und Leben zueinander stehen, darüber machte sich Franz-Josef Euteneuer, Leiter des generationsübergreifenden Begegnungsforums Haus Franziskus in Trier, seine ungewöhnlichen Gedanken. In einer unkonventionellen, "verrückten" Einführung setzte er Kunst - Leben - Alter in einen Zusammenhang. Von Künstlern zu lernen, heiße "alt werden" zu lernen. Der Künstler fängt Dinge an und beendet sie nicht nur, sondern vollendet sie. "So sehen sie das Alter nicht als Drohung des Lebensendes, sondern als Strategie der Vollendung von Tagen und Werken auf jeder Lebensstufe", sagte Euteneuer. Das Leben nicht nur beenden, sondern vollenden, hieße sich dem "Lebenskreis" immer mehr nähern. Der Mensch könne mit seinen "Ecken und Kanten" irgendwann auf ein gerundetes Leben blicken", sagte Euteneuer mit Blick auf cusanische Gedanken.