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Die Migrationsberater des DRK-Kreisverbandes Bernkastel-Wittlich betreuen Flüchtlinge derzeit unter erschwerten Bedingungen.

In der Corona-Krise : Hilfe für Flüchtlinge trotz verschlossener Tür

Die Migrationsberater des DRK-Kreisverbandes Bernkastel-Wittlich betreuen Flüchtlinge derzeit unter erschwerten Bedingungen.

Täglich gibt es neue Informationen über das neuartige Coronavirus, über Vorsichtsmaßnahmen und aktuelle Verhaltensregeln. Auf dem neuesten Stand in diesen Dingen zu bleiben, ist für Normalbürger schon nicht einfach. Wie mag es da erst Menschen aus anderen Kulturen gehen, die noch nicht lange in Deutschland leben? „Die Zugewanderten haben einen guten Informationsstand“, sagt eine, die sich auskennt: Carmen-Jondral Schuler. Mit ihren Kollegen Zinab Karo und Andalos Butterbach berät sie Geflüchtete und andere Migranten im DRK-Kreisverband Bernkastel-Wittlich.

Für die Klienten der drei gibt es viele Hürden. Momentan ist es noch eine mehr. Denn die Kreisgeschäftsstelle in der Wittlicher Kurfürstenstraße 7 a, in der sich die Beratungsstelle befindet, ist derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Nur ausnahmsweise empfangen die Berater bereits wieder Menschen mit Migrationshintergrund, vor allem Flüchtlinge, wenn es nicht möglich sei, die Angelegenheit anders zu klären. Dann natürlich mit allen Hygienemaßnahmen vom gebotenen Mindestabstand bis zur Gesichtsmaske.

Wenn Fragen nicht anders zu klären sind – was heißt das konkret? Man könne versuchen, die Angelegenheit „telefonisch, per E-Mail oder über eine App“ zu besprechen, erläutert die Juristin weiter. Auch per App? Tatsächlich, Jondral-Schuler und ihre Kollegen halten zu einigen ihrer Klienten Kontakt über die App mbeon (der TV berichtete). Die Abkürzung steht für Migrationsberatung online. Die digitale Kommunikation funktioniere gut. Denn Handys haben für viele Geflüchtete einen ganz hohen Stellenwert. Schließlich könne man via Handy die deutsche Sprache lernen und Kontakt mit der Familie in der Heimat halten. Die App an sich ist in den Sprachen Deutsch, Englisch Arabisch und Russisch verfügbar. Bundesweit treten mit Hilfe der App rund 150 Online-Berater mit erwachsenen Zuwanderern in Kontakt.

In den Gesprächen geht es um alles, was die Geflüchteten interessiert: Wie kaufe ich eine Busfahrkarte? Ich wohne in Osann-Monzel, darf ich nach Traben-Trarbach umziehen? Und: Gibt es Möglichkeiten, in Deutschland bleiben zu können, auch wenn man eigentlich ausreisepflichtig ist? Was tun, wenn der Arbeitsgeber, etwa ein Gastronomiebetrieb, derzeit geschlossen ist? Wie kann ich mein Aufenthaltsdokument verlängern? Oder: Wo genau muss ich eine Gesichtsmaske tragen? Jondral-Schuler „Momentan ist natürlich das Thema COVID-19 aktuell, vor allem weil die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und andere Behörden für den Publikumsverkehr geschlossen sind, und viele Ratsuchende Unterstützung benötigen bei Formularen und Anträgen.“

Fehlende oder schlechte Deutschkenntnisse – auch die Sprach- und Integrationskurse finden derzeit wegen Corona nicht statt – machen die Kommunikation nicht unbedingt leichter. Doch auch da hilft die App, die in den Sprachen Deutschland, Englisch Arabisch und Russisch verfügbar ist. Die über die App erreichbaren Online-Berater sprechen 15 verschiedene Sprachen. Karo, die 2015 selbst aus Syrien geflüchtet ist, spricht deutsch, arabisch und kurdisch, Jondral-Schuler deutsch und englisch, der Kollege Butterbach, der in Syrien geboren und in Frankreich aufgewachsen ist, deutsch, französisch und arabisch. Allerdings: „Die App muss noch bekannter werden“, wünschen sich die Berater. Das Gros der Kommunikation läuft per Telefon, E-Mail und WhatsApp.

Derzeit hat Jondral-Schuler zwei bis fünf Kontakte in der Woche über die App. Beim Kollegen Butterbach, der schon länger mit der App arbeitet, seien es erheblich mehr. Insgesamt stehen die Berater in Kontakt zu rund 560 Männer und Frauen. Da viele der Geflüchteten mit ihrer Familie gekommen sind, erreichen sie deutlich mehr, mindestens dreimal so viel. Unverzichtbar für die Betreuung der Geflüchteten sind die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. Rund 200 von ihnen gehören zum Netzwerk des DRK. Sie unterstützen nach wie vor einzelne Flüchtlinge oder Familien, meist in einem „Tandem“, sprich ein Migrant und ein Unterstützer. Auch sie kommunizieren mit ihren Schützlingen derzeit auf elektronischem Weg.

Gleich zu Beginn der Pandemie haben die Beraterinnen die Geflüchteten und ehrenamtliche Helfer über alternative Kanäle wie eben diese App oder auch WhatsApp-Gruppeninformiert. Es gibt „viele Informationen in vielen Sprachen, die sukzessive immer wieder aktualisiert werden“.

Eine Gruppe Migranten erreicht man nur sehr schwer. Das sind Frauen mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen, die an Sprachkursen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht teilnehmen konnten. „Grund hierfür kann sein, dass zur Zeit des Kurses ein Kita-Platz fürs Kind fehlte, dass die Frau noch stillte oder bereits arbeitete und es keine Kurse für berufstätige Frauen gab. Dieser Zielgruppe steht bei Jondral-Schuler und Karo besonders im Fokus. Denn einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist das Empowerment von Frauen. Unter dem Begriff versteht man Strategien oder Vorhaben, die die Autonomie und Selbstbestimmung von Menschen erhöhen sollen.

Zinab Karo organisierte beispielsweise im vergangenen Jahr einen Sprachkurs für Frauen mit Migrationshintergrund im Café Vielfalt in Manderscheid. Die beiden Frauen boten auch eine Info-Veranstaltung beim Internationalen Frauentreff des DRK über die Rechte von Frauen in Deutschland an. Zu Vorträgen über weitere Themen wie Arbeitsrecht und Versicherungen, die sich Geflüchtete speziell gewünscht hatten, kam es dann wegen der Corona-Krise zunächst nicht mehr.

Doch  das bremst die Migrationsberater nicht aus. Sie belegen Webinare als Fortbildung und informieren sich über digitale Kommunikationsmöglichkeiten. Jetzt sind Online-Meetings geplant, um die Frauen weiter informieren zu können. Diese Meeting wollen sie zu zweit machen. „Die Frauen sind sehr wissbegierig“, freut sich Jonfral-Schuler. Sie seien „Multiplikatoren“. Denn sie teilten ihr Wissen mit ihren Familien und Freundinnen. Doch alle freuen sich, wenn sie sich wieder treffen dürfen. Dann sei auch ein Selbstverteidigungskurs für Frauen geplant.