Die Mosel macht sich wieder breit

Traben-Trarbach/Bernkastel-Kues · Die Mosel ist gestern stärker gestiegen als zunächst vermutet. Der Pegel in Trier erreichte am frühen Freitagmorgen einen Höchststand von 7,38 Meter. Der unterirdische Wein-Nachts-Markt in zwei großen Kellern von Traben-Trarbach ist nicht in Gefahr. Nach Mitteilung des Hochwassermeldezentrums Trier ist bis Sonntag mit einem weiteren Ansteigen der Pegel nicht zu rechnen.

Sorgenvoll blickte gestern Erwin Haussmann, erster Beigeordneter der Stadt Traben-Trarbach, auf die Mosel. Der Fluss war nach den starken Niederschlägen in der Nacht zum Freitag deutlich angestiegen, und er drohte die Uferstraße in Traben zu überschwemmen. Das hätte wohl das Ende des Mosel-Wein-Nachts-Marktes bedeutet, denn die meisten Stände befinden sich in dem riesigen, ufernahen Keller des Hotels Moselschlösschen.

Doch im Laufe des Tages gab das Hochwassermeldezentrum Trier vorläufig Entwarnung. Gegen Mittag hieß es: "Tendenz fallend".
Und da für Freitag und Samstag keine nennenswerten Niederschläge mehr vorhergesagt würden, sei mit weiteren Anstiegen über das jetzige Niveau bis zum Sonntag nicht zu rechnen.
Haussmann meinte nur: "Die Mosel wollte wohl mal nach dem Wein-Nachts-Markt schauen. Mehr aber auch nicht."

Bereits Anfang Januar dieses Jahres drohte die Mosel den Wein-Nachts-Markt zu überfluten. Damals war die Gefahr erheblich größer, denn der Pegel in Trier war auf knapp über acht Meter angestiegen, fiel zum Glück dann aber wieder.
Vorsorglich hatten diesmal die Männer vom städtischen Bauhof einige Senkstellen in der Trabener Moselstraße mit Sandsäcken abgedichtet. Das aktuelle Hochwasser kommt statistisch alle zwei Jahre vor - für die Moselaner ist die derzeitige Situation noch kein Grund zur Panik. Einige tiefer gelegene Garagen und Keller müssen geräumt werden - Routinearbeit.

Steigt der Pegel in Trier allerdings über 8,50 Meter, wird's vielerorts kritisch - wie zuletzt im Januar 2011. Damals erreichte die Flut zahlreiche Wohngebäude. In Bernkastel-Kues überschwemmte die Mosel gestern einen Teil des großen Parkplatzes am Ufer. Erreicht der Pegel in Trier 9,40 bis 9,60 Meter, läuft das Moselwasser in Teile der Bernkasteler Altstadt. Der Karlsbader Platz und mehrere Gassen werden überflutet.
Die Straßenmeistereien mussten mehrere Straßen wegen Überflutung sperren: die B 53 zwischen dem Zeltinger Kreisel und Ürzig und im weiteren Verlauf zwischen Ürzig und Kinheim, die L 134 zwischen Lieser und Kesten, die K 65 zwischen Reil und Kövenig und die zweite Zufahrt von der B 53 nach Enkirch.
Die Mosel-Schifffahrt musste eingestellt werden.
Während der Moselpegel Trier gestern beim Stand von 7,00 bis 7,10 Meter verharrte, fielen die Pegel der Saar bei Fremersdorf und der Sauer bei Bollendorf mehrere Zentimeter pro Stunde.
Extra

Das Jahr 2012 war in Deutschland zu warm und fiel zugleich durch extreme Wetterlagen auf. "Seit 15 bis 20 Jahren sind fast alle Jahre zu warm - gemessen am langjährigen Mittelwert", sagte Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitag in Offenbach. Niederschläge und Sonnenscheindauer verfehlten ihr Soll knapp. "Einzelne Monate jedoch zeigten starke Veränderlichkeiten und teilweise extreme Wettersituationen", heißt es im DWD-Jahresrückblick. Der Januar begann sehr mild, der Februar sehr kalt, und der März war besonders sonnig. Der Sommer startete sehr nass, später war er extrem gewittrig und sehr heiß, bei Temperaturen von fast 40 Grad. Der Herbst brachte sommerliches Wetter mit Wärmerekorden im Oktober . Es folgte ein markant-früher Wintereinbruch. Der Dezember war anfangs winterlich, dann frühlingshaft. DWD