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Die Moselregion hat immer mehr zu bieten

Positive Bilanz : Die Moselregion hat immer mehr zu bieten

Die Touristiker, Kulturschaffenden, Geisteswissenschaftler und Jugendbetreuer aus der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues haben ihre Bilanz für 2019 gezogen. In allen Bereichen geht der Weg nach oben.

Tobias Scharfenberger ist voller Euphorie. „Ich bin beeindruckt, was es hier alles gibt. Und wir sind stolz ein Teil davon zu sein.“ Der Intendant des Mosel Musikfestivals meint damit nicht seine Veranstaltungsreihe. Er meint die vielen anderen Bereiche und die Menschen, die die Region auch prägen: in erster Linie den Tourismus, die Lehre und Forschung, die Jugendarbeit und die Gleichstellung. Den Rahmen dafür bietet die gemeinsame Sitzung von Stadtrat und Verbandsgemeinderat Bernkastel-Kues. Einmal im Jahr wird dort Bilanz über die Stellen gezogen, bei denen sich beide Kommunen gemeinsam engagieren und auch Geldgeber sind.

Das wichtigste Standbein ist und bleibt der Tourismus. Und so hat auch Jörg Lautwein, Geschäftsführer der Wein- und Ferienregion Bernkastel-Kues, den meisten Redebedarf. Mehr als 1,4 Millionen Übernachtungen (2018) verleihen der VG einen besonderen Stellenwert in Rheinland-Pfalz. Für 2019 gibt es noch keine genauen Zahlen. Weil sich im Meldewesen und in der Erfassung der Zahlen einiges geändert habe und es mittlerweile auch den Gästebeitrag gebe, erläutert Jörg Lautwein. Mindestens ein Auge haben die Touristiker darauf, dass die Zahl der Betriebe (822 statt 825) und Betten (9548 statt 9906) im Vergleich von 2018 zu2019 weiter gesunken ist.

Die Landschaft und der Wein sind, so Lautwein, weiter die Leuchttürme der Region. Sie bieten den Boden für vier Freizeit- und Urlaubsbereiche: Wandern und Radfahren, Wein und Genuss, Kultur und Sehenswürdigkeiten, Gesundheit und Wellness. 2020 soll das Thema „regionale Speisen“ einen besonderen Platz einnehmen. Gespräche mit renommierten Köchen liefen bereits, sagt Lautwein. „Wir gehen voran“, sagt Leo Wächter, seit 1. Februar neuer Bürgermeister der VG Bernkastel-Kues beim Blick auf die Situation im Tourismus.

Zurück zu Tobias Scharfenberger, seit der abgelaufenen Spielzeit Intendant des Mosel Musikfestivals. Deshalb sei 2019 auch für ihn persönlich, ein „wichtiges Jahr“ gewesen. Die Schuhe, die ihm Herrmann Lewen nach mehr als 30 Jahren Intendantentätigkeit hinterließ,  passen offenbar. 54 Konzerte, 11 500 Besucher, bis zu 80 Prozent Auslastung sind gute Werte. Das Ziel, der Veranstaltungsreihe mehr Festivalcharakter zu geben, komme bei den Besuchern an. Die 35. Saison steht unter dem Leitmotiv „Von Sinnen“. Ein großer Bestandteil ist Ludwig van Beethoven (250 Jahre). Alle Streichquartette werden zu hören sein.

Für die VG Bernkastel-Kues ist 2020 von Bedeutung: Es wird wieder zwei Freiluftkonzerte in den Kueser Moselauen geben. 2019 waren die entfallen.

Das habe zu Protesten geführt, sagt Scharfenberger. Auch die Burg Landshut wird Festspielort.

Personell steht das Mosel Musikfestival auch auf breiteren Füßen. Mit Lilian Erbel ist nun auch eine kaufmännische Geschäftsführerin mit im Boot. Das sei unerlässlich, sagt Tobias Scharfenberger mit Blick auf die anderen großen Musikfestivals. Erbel hat ihre ersten Erfahrungen in diesem Bereich beim Trierischen Volksfreund gesammelt.

Das Kulturangebot sei für eine Region sehr wichtig, sagt Leo Wächter. Es spiele beispielsweise auch eine Rolle, wenn es darum geht, Arbeitskräfte von außerhalb zu gewinnen. Da werde oft nach solchen Angeboten gefragt.

Die VG ist auch wegen ihres außerschulischen Bildungsangebots in vielen Mündern. Die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte und die Volkshochschule sind weiter auf Expansionskurs. Einen großen Verdienst daran hat Dr. Matthias Vollet, der mittlerweile auch für die Seniorenakademie zuständig ist. Das Angebot, vom Vortrag, über Kurse, Lesekreise, Tagungen bis zum großen Projekt, wiederzugeben, würde jeden Rahmen sprengen.

Die Kueser Akademie ist zudem auch neue Heimstatt für Philosophie-Studenten, die in der Cusanus-Hochschule keine Heimat mehr hatten (der TV berichtete). Vollets Bilanz und sein Ausblick machen deutlich. Die 86 500 Euro Zuschuss von VG und Stadt sind sehr gut angelegtes Geld. „Vor zehn, zwölf Jahren gab es nur einen Bruchteil des Angebots“, würdigt Bürgermeister Wächter das Schaffen.

Gut angelegt sind auch die Zuschüsse für die mobile Jugendarbeit von Guido Moll und das von Camilla Müller geleitete Jugendkulturzentrum (Jukuz). Fast alle Orte verfügen über Jugendräume, berichtet Moll. Auch in der Stadt Bernkastel-Kues gebe es nun in dieser Hinsicht Wünsche.

Das Jukuz wird pro Tag von bis zu 40 jungen Leuten besucht, berichtet Camilla Müller. Es sei ein offener Treffpunkt, mache aber auch viele Angebote. Das Jukuz feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

Im Ehrenamt ist Rita Busch tätig. Die Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte der VG hat auch genug zu tun. Mit Kursen und Veranstaltungen geht sie in die Öffentlichkeit. Nicht öffentlich seien Beratungen von hilfsbedürftigen Menschen. „Ihre Arbeit geht über das normale Ehrenamt hinaus“, sagt Leo Wächter.

Den Schlussstrich unter die Bilanz zieht Stadtbürgermeister Wolfgang Port. „Wir sind gut aufgestellt und haben die richtigen Leute und Räte“, sagt er.