Die Moselstraße: Einst ein Einkaufsparadies

Die Moselstraße: Einst ein Einkaufsparadies

Ein Foto aus dem Archiv von Hans Schneiß, das die Trarbacher Moselstraße im Jahr 1935 zeigt, hat den Anstoß gegeben: Wie viele Geschäfte waren dort früher und was wurde verkauft? Der TV ging der Frage nach und erhielt von dem in der Moselstraße wohnenden Heinz Kayser (91) so viele Informationen, dass heute über die eine Straßenseite und in einer der nächsten Stadtgeschichten über die andere Seite berichtet wird.

Traben-Trarbach. Aus dem vitalen Senior sprudelt es, als habe er gerade eben erst seine Besorgungen in der Moselstraße des vergangenen Jahrhunderts gemacht. Der virtuelle Rundgang von Heinz Kayser beginnt von der Mosel kommend auf der linken Seite.

Im schmalen Bau, der heute zum Hotel Moseltor gehört, frisierte einst Friseur Peter Büttner. "Der Landrat von Zell hat sich dort einmal rasieren lassen und geriet mit Büttner dermaßen in Streit, dass dieser ihn halb rasiert rausgeschmissen hat", erinnert sich Kayser schmunzelnd. Später war ein Zigarettenladen in dem Gebäude.

Direkt daneben bot die Gärtnerei Schmidtgen ihr selbstgezogenes Gemüse feil. Es folgte eine Schreinerei, und im Eckhaus hatte Schneider Bauer sein Geschäft.

Im Eckhaus oberhalb der Brückenstraße (heute City-Grill) arbeitete Konditor Lucas und direkt daneben sein Kollege Allmacher. Zu dessen Spezialitäten gehörte die "Kaiserin-Torte", ein gehaltvoller Genuss "mit zwölf Eiern", wie Helga Kayser anmerkt. Der Junggeselle Allmacher hatte eine Putzfrau mit nur einem Arm, hielt sich Hühner und hatte in seinem Haus kein elektrisches Licht. "Zum Lesen setzte er sich ans Fenster und nutzte das Licht der Straßenbeleuchtung", erinnert sich das Ehepaar Kayser.

Es schloss sich das Hotel Gräfinburg an, in dem 1972 ein Feuer ausbrach, bei dem acht Menschen ihr Leben verloren. Es folgte der Schuh- und Lederladen des Juden Schömann (heute Poststelle Burg), in der sich nach dem Krieg die Drogerie Gleichmann ansiedelte. Deckchen und Kurzwaren gab es im nächsten Laden, und Porzellan- und Haushaltswaren verkaufte ein Haus weiter der Herr Marx. Er war Jude, "und in der Reichskristallnacht hat man ihm alles kaputt gehauen", erinnert sich Heinz Kayser mit Entsetzen.

Es folgte das Schuhgeschäft von Paula Schweitzer. Ihr jüngerer Bruder Gustav Haas verkaufte zwei Häuser weiter ebenfalls erfolgreich Schuhe. Dazwischen befand sich ein Laden mit Kellereiartikeln. Lebensmittel gab es bei Schulz, Brot beim Bäcker Faust, der zwei seiner drei Söhne im Zweiten Weltkrieg verlor, und nicht genug der Schuhe: Die Geschwister Schopp, zwei ledige Damen, verdienten ebenfalls damit ihr Geld.

Im nächsten Haus wohnte Winzer Otto Caspary, und Eisenwaren gab es bei Philipp Speth nebenan. "Er verkaufte sogar Schwarzpulver", weiß Kayser. Ein weiteres Lebensmittelgeschäft gab es an der Ecke zur Schottstraße (heute Drogeriemarkt); Besitzer Gutjahr "hatte alles, das war ein richtiges Kaufhaus", schwärmt Heinz Kayser.

Extra Ein kleines Einkaufsparadies ist die Moselstraße einst gewesen, denn dort gab es alles zu kaufen: Porzellan- und Haushaltswaren, Drogerie- und Kellereiartikel, Blumen, Gemüse, Bücher, Eisenwaren, Kleidung. Es gab Lebensmittelläden, Schuhgeschäfte, Konditoreien, eine Bäckerei, einen Feinkostladen, eine Schreinerei, einen Schneider, eine Metzgerei, zwei Uhrmacher, einen Fotografen, eine Etikettendruckerei, einen Frisör und ein Hotel. Heute kann sich die Moselstraße durchaus noch sehen lassen, wenngleich das Angebot geschrumpft ist. Es gibt ein Hotel, drei Gaststätten, eine Eisdiele, eine Bäckerei, das Weinkontor und das Fahrradmuseum, den Zeitschriftenladen mit Poststelle, ein Blumen- und ein Modegeschäft, eine Metzgerei, die Änderungsschneiderei, den Juwelier und einen Drogeriemarkt. Dazu Leerstände, die jedoch größtenteils schön gestaltete Schaufenster haben. (GKB)