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Die närrischen Zeiten sind vorbei

Die närrischen Zeiten sind vorbei

Nach 35 Jahren ist Schluss mit lustig bei den "Tholfanger Spetzbouwe", dem Thalfanger Karnevalsverein. Nur noch ein nicht mehr zu erwartendes Wunder könnte die Auflösung des Traditionsvereins verhindern.

Thalfang. Die Einladung zur Mitgliederversammlung am Freitag, 10. Oktober, um 20.11 Uhr, Landgasthof Rauland, ist reine Formsache. "Der Antrag, den Verein zu liquidieren, ist bereits gestellt", sagt Hans-Werner Engel. Seit einem Vierteljahrhundert ist er Vorsitzender der "Tholfanger Spetzbouwe" (siehe Extra) sowie Sitzungspräsident und Wortführer beim Rathaussturm an Weiberdonnerstag.
Laut Engel wurde in der jüngsten Mitgliederversammlung beantragt, den Verein aufzulösen, was dann auch beschlossen wurde. Nach der regulären Jahreshauptversammlung war es bereits der zweite Termin, bei dem sich kein neuer Vorstand fand. Nur zwei von etwa 110 Mitgliedern erklärten sich bereit. Das Problem sei halt nicht anders wie in vielen anderen Vereinen, sagt Ehrenpräsident Engel. Es seien einfach immer weniger Leute bereit, Verantwortung in einem Vorstand zu übernehmen. Für ihn selbst stand fest, nach 25 Jahren Vorsitz nicht mehr zu kandidieren. Daher müsse er sich nun damit abfinden: "Wenn es nicht mehr geht, geht es nicht mehr - man kann einen Verein nicht künstlich am Leben halten." Doch mangelndes Engagement ist nicht der eigentliche Grund für das Ende des Traditionsvereins, der noch 2012 sein närrisches 33er-Jubiläum groß feierte. Als 2013 erstmals die jährliche Kappensitzung abgesagt wurde, lag das weniger an fehlenden Aktiven. Offiziell wurde die Pause zwar mit verspäteten Neuwahlen begründet, doch ein Programm hätten die Spetzbouwe immer noch auf die Beine stellen können, wie Insider damals verrieten. Dass sie es bleiben ließen, lag eher daran, dass bei den Kappensitzungen die Zuschauer ausblieben. "Es kam keiner mehr kucken", nennt die Zweite Vorsitzende Michaela Philippi das eigentliche Problem dann auch beim Namen: "Wir haben das nur noch aufrecht erhalten für die Mädchen der Garde." Seit die nun außerhalb arbeiten oder zur Schule gehen, fehlt auch dieser Anreiz. Zumal auch die Nachwuchssuche erfolglos blieb, was Engel auf den wachsenden Schuldruck und den Nachmittagsunterricht zurückführt.
Dass es seit 2003 die Märker Senoritas gibt, die seit zehn Jahren für Riesenstimmung an Weiberdonnerstag sorgen, hat für ihn nichts mit der Misere der Spetzbouwe zu tun. Die Chance, das Aus noch abwenden zu können, ist für ihn gleich Null. Die Auflösung sei ja beschlossen. Selbst wenn es am Freitag keine Mehrheit für die Liquidation geben sollte, werde der Verein im Zuge des angestoßenen Verfahrens nach zwei Jahren aufgelöst. Es sei denn, es würden sich doch noch Vorstandskandidaten finden, wofür er aber keine Anzeichen sieht. Das Vereinsvermögen, über dessen Höhe er schweigt, werde wohl letztlich einem guten Zweck zugeführt. ursExtra

Der Verein gründete sich am 8. Mai 1979 aus einer 1978 gebildeten Interessengemeinschaft heraus. Im Jubiläumsjahr 2012 zählte er gut 150 Mitglieder - darunter etwa 50 Aktive von Große Garde, Jugendgarde, Showtanzgruppe und Bambini-Gruppe sowie Trainer, Redner, Darsteller und Elferrat. Da 2013 und 2014 die Kappensitzungen ausfielen, kümmern sich Vereinsaktive nur noch um die Bewirtung beim Rosenmontagszug und den Rathaussturm. Der Vorstand bestand zuletzt aus: Hans-Werner Engel, seit 1988 Vorsitzender, seinem Bruder Gerwin Engel, von Anfang an im Vorstand dabei als Geschäftsführer, Michaela Philippi als Zweite Vorsitzende und Kassiererin sowie den Beisitzern Jörg Philippi und Beate Hölger. urs