Die offene Tür des Gotteshauses

DREIS. (ger) Aufmerksame Zuhörer, stehender Applaus und ein Kirchenchor voller Sangesfreude – das Kirchenkonzert in Dreis gehört zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahres "250 Jahre Barockkirche".

Die Tür der Barockkirche stand weit offen, auch als das Konzert bereits in vollem Gange war, gleichsam als Aufforderung zum Eintreten. Die Dreiser und viele Gäste aus den Nachbarorten folgten der Aufforderung und genossen zwei Stunden eines musikalischen Höhepunkts. Der Kirchenchor Dreis hatte anlässlich der Feiern zum 250. Baujubiläum der barocken Pfarrkirche zum Konzert eingeladen. Gestaltet wurde es zusammen mit professionellen Gesangssolisten, Blech- und Holzbläsern aus der Region, dem Streich-Orchester der Kreismusikschule sowie Anne Schomer (Dreis) an den Pauken und Organist Reinhold Schneck (Wittlich). Das Ensemble unter der Leitung von Detlef Boor hat dem Dorf an der Salm ein würdiges und zugleich erfrischend musikalisches Erlebnis geschenkt, das zudem von herrlich sonnigem Wetter in der lichtdurchfluteten Barockkirche begleitet war. Bereits das Programmblatt wies auf den "festlichen Schwung" bei Mozarts Krönungsmesse "Missa in C" hin. Selbstbewusst übertrugen die Interpreten diesen Schwung auf die Zuhörer und erreichten gleichzeitig deren ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Dreiser Kirchenchor und die Solisten agierten gefühlvoll und dennoch ausdrucksstark. In den Unisono-Passagen fanden sie sich zu einer homogenen Einheit zusammen, so dass Unterschiede in der musikalischen Ausbildung nicht zum Tragen kamen. Oder anders ausgedrückt: Detlef Boor hat eine musikalisch stimmige Einheit aus unterschiedlichen Musikern und Sängern geformt. Schnell fanden sich auch die Bläser zusammen und füllten das Kirchenschiff im anhaltenden Forte des "Canzoni per Sonar a 4" von Giovanni Gabrieli (1553-1612) volltönend aus. Chor, Solisten, Streicher und Continuo setzten das Konzert fort mit "Alles was ihr tut", einer Motette von Dietrich Buxtehude (1637-1707), wobei der Streichersatz exakter hätte gestimmt sein können. Von Adolph Friedrich Hesse (1809-1863) erklang die ruhige "Fantasie für Orgel", die Reinhold Schneck als Quasi-Intermezzo interpretierte. Dann durchströmte das weltbekannte Thema des "Adagio in g-Moll" von Tomaso Albinoni (1671-1750) das Kirchenschiff, dessen Melodie auch außerhalb klassischer Konzerte gerne erklingt. Der abschließende Psalm 136 von Heinrich Schütz (1585-1672) forderte geradezu eine Zugabe heraus, die gerne gewährt wurde. Es war eine Zugabe, bei der die Besucher aktiv mitwirkten und die als krönender Abschluss eines eindrucksvollen Erlebnisses in der ebenso eindrucksvollen Dreiser Barockkirche angesehen wurde. Gemeinschaftlich erklang im voll besetzten Gotteshaus der Choral "Ein Haus voll Glorie schauet". Langanhaltender Schlussapplaus und "standing ovations" bestätigten dem Dreiser Kirchenchor den Erfolg seiner mehr als einjährigen Probenarbeit. Susanne Meyers (Vorsitzende des Kirchenchores) und Pfarrer Bruno Holschbach dankten Interpreten und Zuhörern.