Die Paulskirche in den Weinbergen von Lieser hat nach Sanierungsarbeiten wieder geöffnet.

Kirche : Sanierungsfall wird zum Schmuckstück

Eine exklusive Lage hat die Paulskirche mitten in den Weinbergen von Lieser. Auch das Innenleben kann sich inzwischen wieder sehen lassen. Nach umfangreicher Sanierung  ist sie wieder geöffnet.

Das inmitten der Weinberge oberhalb von Lieser gelegene Kleinod ist nach umfangreicher Sanierung wieder für Besucher geöffnet.

Geschichte Im Mittelalter war die Paulskirche einst Wallfahrtsort für 14 umliegende Ortschaften. Die Gläubigen pilgerten von Lieser, Kues, Wehlen, Bernkastel, Rachtig, Ürzig, Bombogen, Bengel, Kirchhof (heute Altrich), Platten, Bausendorf, Piesport, Dusemont (heute Brauneberg) und Osann zur Kirche. Bis zum 16. Jahrhundert diente die Kirche den Lieserern auch als Pfarrkirche. Nach der Märzrevolution 1848 kam sie sogar wegen der Namensgleichheit zur Frankfurter Paulskirche, wo die erste Nationalversammlung zusammentraf, zu politischer Bedeutung und wurde zum Treffpunkt der Demokraten von Mosel und Eifel.

Heutige Bedeutung Heute finden in der Paulskirche noch Gottesdienste statt. Beliebt  ist sie für kirchliche Trauungen. Zur traditionellen Nikolausmesse wird die Kirche am Abend mit Hunderten von Kerzen hell erleuchtet, was nicht nur für die Kinder einen besonderen Reiz hat. Am ersten Weihnachtsfeiertag findet früh morgens ein Hirtenamt statt, zu dem auch viele Gläubige von den Nachbarortschaften, sogar oft zu Fuß, auf den Berg pilgern.

Sanierungen In den vergangenen fünf Jahren wurde das Gotteshaus unter der Leitung des Architekturbüros Berdi umfangreich saniert. Nach den  Hagelschäden 2009 und 2011 war eine Dachsanierung erforderlich. Sie wurde 2014 umgesetzt. 2016 stand die statische Sanierung des in die Jahre gekommenen Glockentürmchens an. Dieses war so instabil, dass das Läuten der Betglocke untersagt werden musste. Ein Statiker untersuchte das Türmchen und ordnete die Instandsetzung an. Dann lösten sich aus der Decke des Kirchenschiffes größere Putzstücke. Das gefährdete die Nutzung des Gebäudes massiv. Nach einer Untersuchung wurde der Innenputz an der Decke des Langschiffes gesichert. Das Gewölbe wurde neu gestrichen.

Auch in diesem Jahr wurde nach dem jährlichen Pfarrfest die ansonsten an allen Sonn- und Feiertagen geöffnete Kirche wegen erforderlicher Sanierungsarbeiten geschlossen. Über die Jahre waren erhebliche Feuchtigkeitsschäden im Sockel- und Altarbereich der Kirche entstanden. Handwerker entfernten den Sockelputz komplett und trugen neuen auf. Die Seitenwände bekamen einen neuen Anstrich.

Die Kosten der genannten Sanierungen übernahm zum Teil das Bistum Trier. Der Rest wurde durch die Einnahmen aus dem Pfarrfest und Spendengeld abgedeckt. Für 2020 ist noch eine kleineres Vorhaben  geplant, dann soll der Sockel im Vorraum der Kirche ausgebessert werden.

Die erste Renovierung nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten fand in den Jahren 1974-1978 unter Pastor Johannes Weber statt. Durch sie erhielt die Kirche mit der barocken Malerei ihren ursprünglichen Charakter wieder. In den letzten Tagen des zweiten  Weltkrieges war die Kirche durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt worden. Seit dieser ersten Renovierung feiert die Pfarrgemeinde jedes Jahr am 1. Mai ihr Pfarrfest an der Paulskirche. Dieses Fest ist nur aufgrund großzügiger Spenden und der Hilfe vieler Ehrenamtlicher möglich. Der Erlös wird stets zur Instandhaltung und fortwährenden Renovierung der Kirche verwendet.

Foto: Architekturbüro Berdi. Foto: Architekturbüro Berdi

Öffnungszeiten Die Paulskirche ist an den kommenden Sonn- und Feiertagen bis Ende Oktober von 10 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

(red)
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