Die Qual der Wahl

WITTLICH. (hs) Von Politikverdrossenheit keine Spur: Die Schüler der neunten Klassen der Dualen Oberschule Wittlich (DOS) probten mit Begeisterung den "Ernstfall" Wahl.

"Der nächste bitte", ruft es aus dem Computerraum einer ungeduldigen Schlange von Neuntklässlern entgegen. Ausgestattet mit Personalausweis und einer Wahlberechtigung brennen die Schüler darauf, ihre Stimme für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz abzugeben. Und das sogar schon knapp eine Woche vor der "richtigen" Wahl. Juniorwahl nennt sich diese Initiative an den Schulen, die parallel zur Landtagswahl stattfindet und die das Interesse der Jugendlichen am politischen Geschehen fördern soll. Von einer Politikmüdigkeit ist bei den Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren nichts zu spüren. Kaum ist einer der vier Computer, an denen die Wahl online erfolgt, frei, steht schon der nächste Wähler bereit. "Bei uns machen alle Schüler mit. Es fehlen nur die, die wirklich krank sind", sagt Hendrik Bandmann, der für die Organisation zuständig ist. Das Engagement ist besonders bei den sechs Schülerinnen und Schülern, die den Wahlvorstand bilden und so in Eigenverantwortung für einen reibungslosen Ablauf an den "Urnen" sorgen, sehr groß. Gewählt wird mit dem Originalwahlzettel, jedoch per Mausklick. Im Gegensatz zur richtigen Landtagswahl präsentiert sich die Juniorwahl als Online-Wahl. Jeder Schüler erhält, nachdem er seine Wahlbenachrichtigung vorgezeigt hat, ein kleines Kärtchen mit dem Wahlschlüssel. Da die Direktmandate für die jeweiligen Wahlkreise variieren, ist dieser speziell auf die einzelnen Schulen abgestimmt und enthält den so genannten TAN-Code. Dieser ist für den Online-Wahlvorgang notwendig und wird nach der Benutzung ungültig. Dies verhindert eine Manipulation der Ergebnisse durch Mehrfachwahl. "Das System ist sehr sicher, auch obwohl online gewählt wird", erklärt Bandmann. "Es wird ja schließlich in anderen europäischen Ländern, wie Norwegen und Schweden, auch offiziell eingesetzt." Ansonsten gibt es kaum Unterschiede zur normalen Wahl. Wählen darf auch bei der Juniorwahl jeder, der in das Wählerverzeichnis der Klasse eingetragen ist und eine gültige Wahlbenachrichtigung besitzt. "Offiziell sollten wir noch große Wahlkabinen bekommen, um die Wahl so realitätsnah wie möglich zu simulieren", sagt Bandmann. Die seien aber leider nie angekommen. Doch die Jugendlichen erhalten auch so einen guten Einblick in den Ablauf einer richtigen Wahl. "Ich wollte einfach mal für später wissen, wie wählen so ist", erzählt eine 15-jährige Schülerin. "Das ist wirklich eine gute Idee, dass wir das jetzt schon ausprobieren dürfen." Und ein 17-Jähriger ergänzt: "Außerdem soll die Regierung auch mal wissen, wofür die Jugend steht." Sichtlich zufrieden mit der Juniorwahl zeigen sich auch die Verantwortlichen. "Die Schüler erleben hier die Demokratie mal hautnah. Nicht nur theoretisch im Sozialkundeunterricht, sondern auch ganz praktisch, in dem sie selbst wählen", sagt Bandmann. Und schmunzelnd fügt er hinzu: "Dafür haben sich die geopferten Physik-Stunden richtig gelohnt." Bis die Ergebnisse da sind, müssen sich die "Juniorwähler" aber noch bis nach der offiziellen Wahl gedulden. Dann erst darf der Ausgang der Juniorwahl an den Schulen bekannt gegeben werden. Bis dahin werden die Stimmen per Computer nach Berlin geschickt und dort zentral ausgewertet. Die DOS bekommt ihr Ergebnis dann ausgedruckt zugeschickt.