Die Rot-Weißen sind gerüstet

WITTLICH. Am Freitag lädt die rot-weiße Narrenzunft zu ihrer ersten Kappensitzung ein. Im 20. Jahr beweisen die Wittlicher Jecken, dass sehr wohl auch jenseits des Rheines ausgelassen Karneval gefeiert werden kann.

Nach ausgiebiger Heulerei über den Euro klingt das diesjährige Motto der Narrenzunft endlich wieder optimistisch und wird sicher die örtliche Wirtschaft, zumindest die örtlichen Wirtschaften, wieder ankurbeln helfen: "Die Spoararei häart weilen obp, et äs Foosenoocht, mia maachen änen drobp!" Um es gleich zu sagen: Für die korrekte Rechtschreibung übernimmt der Trierische Volksfreund in diesem Artikel keine Garantie: Meckerer müssen sich an den Vereinsvorsitzenden Günter Eller persönlich wenden, der so freundlich war, uns die seiner Meinung nach rechtsgültige Version der Wittlicher Sprache in die Feder zu diktieren.Neben all dem Spaß, den die Karnevalisten an ihrem Hobby haben, bedeutet die Mitarbeit im Verein in den Wochen vor den Sitzungen vor allem eines: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Eller: "Von Silvester bis zur ersten Sitzung sind wir keinen Abend daheim."Die Session beginnt am 11.11. mit dem Aktiventreffen, 2003 zum ersten Mal im Jugendheim auf der Schääl Saidt, die unter Jakob Eller zur gesellschaftlich anerkannten Institution wurde. Die Möhnen haben sich just in dieser Session den Rot-Weißen angeschlossen, worauf der Vorstand richtig stolz ist. Im letzten Herbst startete das Projekt "Talentsuche": Unverbindlich und in einem kleinen Kreis dürfen alle jene sich auf der Bühne ausprobieren, die eine Idee haben, aber vielleicht noch nicht den nötigen Mut. Auch für gestandene Vereinsmitglieder gilt: Sie müssen sich der Kritik eines erfahrenen Gremiums stellen. Da kann selbst Adi Kaspari, ein Herzstück der Narrenzunft, eine Abfuhr kassieren. Gründungsmitglied Elfriede Ambrosius: "Auch der hat keine Narrenfreiheit!"Garantie für hohes Niveau

"Besser schon im Vorfeld kapieren, dass der eigene Vorschlag nichts taugt", denken sich die Aktiven, und wissen solche Negativerlebnisse längst zu nehmen. "Es ist erstens ein Schutz für uns selbst und garantiert zweitens das hohe Niveau der Sitzungen", ergänzt Jakob "Köbes" Ambrosius, der 2000 den Vorsitz an Eller abgab.Die Rot-Weißen setzen eine lange karnevalistische Tradition unter den Säubrennern fort. Nach den Vereinen Hippel (1870), der Närrischen Genossenschaft (1906), den Blauen Funken (1926), der ersten Narrenzunft (1954) und den Bänkelsängern (1974) beschlossen 1983 41 Gründungsmitglieder:"Mia fängken wieda aon". Mit im Boot saß damals Bürgermeister Helmut Hagedorn, der seine närrische Feuertaufe auf der Bastenmühle erhalten hatte, aus erster Hand sozusagen. Denn wie schrieb Köbes seinerzeit: "Fremen oder Nichtwittlicher, die närrische Veranlagungen haben, werden von uns automatisch als Säubrenner anerkannt." Der Start war gelungen. Aus den geplanten zwei Sitzungen 1984, damals im Kolpinghaus, wurden auf Anhieb drei. Mit der Mitgliedschaft im Verein erwirbt jeder einen Anspruch auf zwei Sitzplätze. Nur gut, dass den nicht jeder einlöst, denn dann würden auch die inzwischen fünf Sitzungen im Jugendheim St. Bernhard nicht annähernd ausreichen.Eisbrecher war bis 1997 der legendäre Willi Marmann, im Bild festgehalten auf dem Titelblatt der Festschrift, die zur Foosenoochd 1999 erschien. Für Aufruhr sorgte gleich in der ersten Session der Vortrag von Frauenarzt Willi Oberholz, der sich über Präservative ausließ. "Daraufhin hat sich sein Kundenstamm schlagartig um Jahrzehnte verjüngt", erinnert sich Köbes augenzwinkernd. Manche Aktive haben längst Kultstatus erreicht: Die hemmungslos ablästernden Tratschweiber, die gemütlichere, aber nicht weniger scharfzüngige Rentnerbank, die unter den Augen ihres Publikums erwachsenen gewordenen "Hot Päns" und die schunkelnde Lerche vom Liesertal gehören dazu. Für die hervorragende Jugendarbeit spricht die Premiere der "Vierwidsnoohsen" und der "Peppels": schmucke, singende und tanzende Nachwuchskarnevalisten. In Zukunft wird sich die Zunft der Weiterentwicklung der in Wittlich noch stiefmütterlich behandelten Verbrennung der Fastnacht widmen.Ein Aufatmen wird es also erst am Aschermittwoch geben: Beim Heringsessen, zu dem, ohne Rücksicht auf das eigene Spiegelbild und die gesundheitliche Verfassung, stets immer noch ein paar Dutzend Standhafte zusammen kommen. Und zum 22-jährigen Bestehen im nächsten Jahr wollen sie dann alle groß in die Schlagzeilen kommen: Eine Ausstellung samt Chronik und die Sondersitzung "Best of" sind in Planung.