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Die Routine der Generation "50 Plus"

Die Routine der Generation "50 Plus"

Erfahrung ist das A und O im Polizeiberuf. Davon sind die Beamten der Polizeiwache Traben-Trarbach überzeugt. Und Erfahrung haben die zwei Polizeihaupt- und drei Polizeioberkommissare mit ihren über 50 Jahren allemal zu bieten. Der TV stellt die Arbeit der Fünf in der Polizeiwache Traben-Trarbach vor.

Traben-Trarbach. (neb) Eine Dienststelle voller reifer, gesetzter Herren - das ist die Polizeiwache in Traben-Trarbach. "Man muss schon mindestens 50 sein, sonst kommt man hier nicht rein." Was wie ein Scherz von Polizeiwache-Chef Heinz Kiesgen klingt, ist vollkommen ernst gemeint. Denn: Nicht jeder kommt in den Genuss, in einer Polizeiwache Dienst zu tun, in der abends um halb sechs die Tür abgeschlossen wird. Die Wechselschicht bestimmt den beruflichen Alltag der meisten Polizeibeamten. Anders in Traben-Trarbach: Alles, was nach 17.30 Uhr in der Verbandsgemeinde passiert, wird bis zum nächsten Morgen von der übergeordneten Polizei-Inspektion Zell bearbeitet, es gelten geregelte Arbeitszeiten von halb acht morgens bis halb sechs am Abend. Allerdings nur für Polizisten, die schon lange genug Schichtdienst geschoben haben, also "50 plus" sind.Wer aber meint, aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Trarbacher Einsatzkräfte hätten Ladendiebe, Handtaschenräuber und andere Ganoven leichtes Spiel, täuscht sich. "Wir versuchen, jeden zu kriegen", sagt Polizeioberkommissar Werner Borsch. Und selbst wenn das nicht klappt, sei das nicht weiter schlimm, fügt sein Kollege, Polizeioberkommissar Joachim Mager, hinzu: "Meistens sind sie uns ohnehin bekannt, und wir wissen, wo wir sie suchen müssen." "Eine gewisse Klientel begleitet uns das ganz Leben"

Die fünf Beamten kennen ihre Pappenheimer, da reicht manchmal schon eine Personenbeschreibung, um zu wissen, wo man hinfahren muss. "Es gibt eine gewisse Klientel, die begleitet uns ein ganzes Leben", sagt Polizeiwache-Leiter Kiesgen. Eine der wenigen Konstanten in der Dienststelle an der Köveniger Straße. Ansonsten ist nämlich kein Arbeitstag wie der andere - ein Vorteil an dem Polizeiberuf, findet Polizeioberkommissar Mager: "Er erstarrt nicht in Routine." Die Delikte mögen zwar gleich sein, die Opfer seien es meistens nicht. Seinem Kollegen Borsch gefällt am Polizeiberuf besonders das eigenverantwortliche Arbeiten: "Es ist schön, Sachen, die man auf der Streife aufnimmt, bis zum Schluss zu bearbeiten, gegebenenfalls bis ins Gericht." Auf der Streife oder in der Wache - in der Traben-Trarbacher Dienststelle machen alle alles und wechseln sich ständig ab. Wache-Leiter Kiesgen hat nicht einmal mehr 100 Tage zu arbeiten, dann begibt er sich in die Rente. Dennoch sagt er: "Ich gehe heute noch genauso gerne schaffen wie am ersten Tag." Das läge vor allem daran, dass er viel Umgang mit den Leuten habe - und an dem "überdurchschnittlich guten Betriebsklima. Ruppig, aber immer mit einem Augenzwinkern - so ist der Umgangston unter den fünf Polizeibeamten. Jeder bekommt sein Fett weg, wenn man morgens in der eigentlich nur für zwei Personen ausgerichteten kleinen Küche gemeinsam Kaffee trinkt und flachst. "Wir sind total unterschiedlich", sagt Kiesgen. Die einen sind absolute Sportfreaks, die anderen konsequente Antisportler. Der eine geht zum Kampfsport, der andere lieber zum Angeln. Dennoch verstehen sie sich gut, reden gemeinsam über das, was sie auf der Streife erlebt haben - Schönes wie auch Schlimmes. Und sie sind sich einig darin, was für sie die Kehrseite ihres Berufs ist - das, was zwar notwendig, aber immer wieder von neuem unangenehm an ihrer Arbeit ist: das Überbringen von Todesnachrichten etwa oder das Aufbrechen einer Wohnungstür, hinter der sie einen toten Menschen vermuten. Manches wird eben trotz vieler Dienstjahre nie Routine. Da hilft auch Erfahrung nicht weiter.