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die Schönheit des Schuhs im Schuh-Styling-Museum in Traben-Trarbach

Handwerk : Vom Schuhputzer zum Museumsleiter

Früher hat Peter Rogoz auf Messen oder in Kaufhäusern Schuhe geputzt. Heute versucht er in seinem Schuh-Styling-Museum in Traben-Trarbach die Schönheit des Schuhs festzuhalten.

Leicht gebeugt steht Peter Rogoz, vor einer mit warmemLicht beleuchteten Glasvitrine. Er zeigt mit seinem kleinen Finger auf einen alten Schuh. Der Schlappen wirkt zerfleddert, das Leder verschrumpelt. „Ein wunderbarer Schuh“, schwärmt er. Den habe er im hinteren Teil des Hauses auf einem alten Trägerbalken gefunden, der vor mehr als 100 Jahren zum Gesindelhaus gehörte. Nun ist er Teil der Ausstellung im Schuh-Styling-Museum in Traben-Trarbach. Rogol datiert ihn auf die 1870er-Jahre.

Nach Traben-Trarbach kam der 53-Jährige durch Zufall: Seine Frau und er haben sich in die Moselregion verliebt, ein Haus gesucht und wurden 2017 in Traben-Trarbach fündig. Zwei Jahre später gründete Peter Rogoz sein kleines Museum in der Bahnstraße 37. Aber Schuhe, erzählt er, sammele er schon seit 20 Jahren. Mehr als 1000 Exponate habe er aus aller Welt zusammengetragen. Darunter Schuhe aus dem Leder des Waran, der Wasserschlange oder der Python. Daneben gibt es Schuhpflegemittel, Dosen, Schuhputzgestelle. Im Ausstellungsraum zu sehen sind ungefähr 200 Exponate. „Es ist einfach nicht genügend Platz, um alles zu zeigen.“

Draußen ist die Fassade rot gestrichen. Drinnen trägt Peter Rogoz ein rot-weiß gestreiftes Hemd und ein rotes Barett. Und das hat seinen Grund: „Rot“, sagt der Schuh-Fan, „das ist die Farbe der Schuhputzer.“

Ursprünglich kommt er aus Krakau, lebt aber seit 35 Jahren in Deutschland. Als er in den 1980er-Jahren nach Dortmund kam, habe er sich entschlossen, Schuhe zu putzen. Am Bahnhof. Doch zum Geldverdienen war das schlecht, die Bahn habe hohe Gebühren verlangt. Irgendwann sei eine Schuhfirma auf ihn aufmerksam geworden. Und von da an arbeitete Rogoz als Promoter für Schuhfirmen. Er putzte Schuhe bei der Berlinale, beim Aachener Reitturnier, bei der Schuhmesse in Düsseldorf, bei Karstadt und bei Kaufhof.

Er zeigt auf ein anderes Exponat in der gegenüberliegenden Vitrine: „Was glauben Sie, was das ist?“, fragt er mit seinem polnischen Akzent. „Es sieht doch aus wie ein Schuh, oder?“ Aber es sei keiner, klärt der Experte auf. Früher hätten reiche Frauen, wenn es draußen regnete, solche Galoschen übergestreift, damit ihre Schuhe nicht nass würden.

Ein Schuhputzer muss gut ausgebildet sein. Er muss sich auskennen mit Lederarten, Palmwachs, Balsamterpentin oder Wollfett. Peter Rogoz sagt: „Schuhputzer sind Kunsthandwerker.“ Ihr Ruf sei zu Unrecht schlecht. Er bietet auch Führungen an. Die Geschichten, die er dann erzählt, sollen den Menschen zeigen, dass die Tätigkeit des Schuhputzers viel anspruchsvoller sei, als man gemeinhin glaube.

Plötzlich wird er ungeduldig. Es ist, als käme man mit Worten nicht weiter, als könne man die Welt des Schuhs gar nicht erklären. „Kommen Sie“, sagt er laut und zeigt in den Hinterraum, „wenn Sie Schuhpflege verstehen wollen, dann müssen Sie das erleben! Ich mache Ihnen jetzt die Schuhe.“ Gesagt, getan. In dem Hinterraum wartet ein Doppeladlerstuhl aus Nussbaumholz aus dem spanischen Salamanca. Von der fein geschnitzten Lehne hängen zwei goldfarbene Quasten an Kordeln herunter. Rechts an der Wand eine barocke Schmutzbürste mit Borsten und Haaren von Wildschwein, Esel, Biber und Pferd.

Dann geht es los. Auf dem schwarzen Lederschuh schäumt es weiß. Mit Daumen und Zeigefinger hält Rogoz den Schuh vorn fest. Er trägt ein Schuhpflegemittel auf das Leder. Durch den Schuh spürt man die drückenden, kreisenden Bewegungen. Es riecht frisch nach den Extrakten von Zitrone und Orange.

Mit einer Flüssigkeit und einem Pinsel verdichtet er die Nähte des Schuhs. Der beißende Geruch von Ethanol steigt auf. Seine Handgriffe sind schnell und routiniert.

Währenddessen erzählt er: „Nur die Schuhputzer, die gut und schnell waren, haben früher wirklich Geld verdient.“ Wenn Peter Rogoz ‚früher’ sagt, dann denkt er an das 17. Jahrhundert und an die Brücke Pont-Neuf in Paris, wo die Tätigkeit der Schuhputzer in Europa erstmals belegt sei. Zwei Livre habe ein Schuhputzer damals verdient, der Wochenlohn eines Maurers, sagt er.

Dann verteilt er ein Präparat mit Kurkuma auf dem Schuh. Zwei weiche Schmutzbürsten fliegen über das Leder. Schließlich greift er ein schmales, längliches Stück Lammfell jeweils an den Enden und poliert den Schuh bis er glänzt.

Für Peter Rogoz zeigt ein Schuh die Seele eines Menschen. Wenn man ihn fragt, warum jemand seine Schuhe zur Pflege bringen sollte, antwortet er kulinarisch: „Wenn Sie sich eine Kartoffelsuppe machen“, sagt er, „dann nehmen Sie Kartoffeln, Speck und Karotten. Und das schmeckt bestimmt. Aber wenn Sie zu einem Koch gehen, dann überlegt er, welche Sorte von Kartoffeln nehme ich, welchen Speck und welche Gewürze. Und am Ende ist es ein Traum.“

Schaut man an Peter Rogoz hinunter, fallen seine einfachen Turnschuhe auf. An anderen Tagen, sagt er, trage er auch mal Budapester in Schwarz-Weiß. Aber heute hat er sich für Turnschuhe entschieden. Gepflegt sehen sie aus. Und: Sie sind rot.

Historische und kuriose Schuhe sind in den Vitrinen zu sehen.  Foto: Thorben Behring

Schuh Styling Museum: Bahnstraße 37, Traben-Trarbach.
Weitere Informationen unter
www.schuhstylingmuseum.com.