Die Schüler gehen zu den Lehrern

Für die Schüler der Sophie-Scholl-Realschule Morbach heißt es Abschied nehmen vom Klassenraum. Ab Februar hält das "Lehrerfachraumprinzip" Einzug.

Regale, nicht selten leere, sind in den meisten Klassenräumen der Morbacher Realschule eh vorhanden. Bleibt nur noch, sie „fachgerecht“ zu füllen, bevor das „Lehrerfachraumprinzip“ seine Vorteile unter Beweis stellen kann. Im Bild die Lehrerinnen Brigitta Fries-Dietz, Margret Scholtes und Gertrud Weyand (von links). TV-Foto: Ursula Schmieder

Morbach. "Es geht ums Lernen" wirbt die Sophie-Scholl-Realschule Morbach für das "Lehrerfachraumprinzip". Dieses läutet ab ersten Februar den Abschied vom Klassenzimmer ein. Während dort die Lehrer ein- und ausgehen, werden künftig die Schüler zu den Lehrern gehen. Der Vorteil ist, dass in den Lehrerfachräumen - ähnlich wie in den weiter bestehenden Fachräumen für Physik oder Musik - alles vorhanden ist, was für ein Fach benötigt wird oder von Interesse sein könnte. Mehr Zeit für das Eigentliche: das Lernen

Sei es der Duden für den Deutschunterricht, das Wörterbuch für Englisch, Globus und Landkarte im Lehrerfachraum eines Erdkundelehrers oder der vom Mathelehrer an die Wand gebannte "Satz des Pythagora"". Neben Aktuellem über Entwicklungsländer liegt Unterrichtsmaterial für alle Klassenstufen stets parat, so dass Lehrer jederzeit gezielt auf unterschiedliche Leistungsniveaus eingehen können. Die Verantwortung für die Ausstattung der rund 20 Räume übernimmt je einer der 30 Lehrer beziehungsweise ein Lehrerteam. Das Kollegium erhofft sich mit dem neuen System vor allem mehr Zeit für das Eigentliche: das Lernen.Neu ist das System laut Rektor Wolfgang Fink aber nicht. "In fast allen europäischen Nachbarländern wird das so gehandhabt." Schulen wie in Linz am Rhein verzeichneten teils überraschende Erfolge. So schätzen die Schüler das Mehr an Bewegung. Außerdem gebe es seither weniger Mobbing, berichtet Lehrerin Margret Scholtes. Die Opfer könnten dem eher aus dem Weg gehen, während die Mobber weniger Zeit hätten, andere zu piesacken. Auch die Leistung einzelner Schüler habe sich verbessert und die Sitzenbleiberquote verringert. Das System kommt sogar den Hausaufgaben zugute. Durch das ständige Umziehen werden die Schüler der Chance beraubt, abzuschreiben. Außerdem erfordert der stete Wechsel Aufmerksamkeit und Pünktlichkeit und damit mehr Eigenverantwortung. Positiv ist auch, dass der Schüler künftig "Gast" des Lehrers ist, während dessen Erscheinen in der Klasse schon einmal als störend empfunden wird. Dennoch drängt sich das Bild schwer bepackt umher ziehender Schüler auf. Daher soll jeder ein Schließfach bekommen, um das nicht Benötigte deponieren zu können. Dass sich die Schüler ohne Klassenzimmer "entwurzelt" fühlen könnten, ist wohl auch nicht zu befürchten. Schließlich gibt es ja noch den Fachraum des Klassenlehrers.Morgen, Dienstag, 11. Dezember, informiert die Schule ab 19 Uhr in der Baldenauhalle über das neue System.