Die Schule der Winzer

Seit 100 Jahren ist die Weinbauschule eine Institution an der Mosel. Mehrere Generationen von Winzern haben dort ihr berufliches Rüstzeug erhalten. Am Montag, 3. Dezember, wird das 100-jährige Bestehen gefeiert.

Bernkastel-Kues. Fast 100 Jahre ist es her, als am 2. Dezember 1907 die Lehranstalt für Wein- und Obstbau in Bernkastel-Kues eröffnet wurde. Weit mehr als 10 000 Winzer dürften seitdem dort in die Lehre gegangen sein. Sie haben dort die Grundlagen der Weinbau- und Kellertechnik, des Pflanzenschutzes und der Weinvermarktung beigebracht bekommen. Es gab Höhen und Tiefen, Boomzeiten und Krisen. Die politischen Verhältnisse machten auch vor der Schule nicht Halt, mehrere Verwaltungsreformen wirkten sich aus, die "Dienstherren" wechselten immer wieder. Heute ist die Weinbauschule dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) angegliedert. Und heute ist die Weinbauschule nur noch die einzige an der Mosel, nachdem in Bullay und Trier der Unterricht eingestellt wurde. Rüstzeug für die Selbstständigkeit

Vor 15 Jahren noch sah es düster für die Schule aus. Die Zahl der Schüler war auf unter 50 geschrumpft. Aber der Beruf des Winzers ist in den vergangenen Jahren wieder attraktiv geworden, nachdem bessere Preise erzielt werden und der Moselwein enorm an Image hinzugewonnen hat. Vier Klassen mit insgesamt 120 Berufsschülern gibt es aktuell an der Weinbauschule. Außerdem: Erstmals seit vielen Jahren konnte wieder eine Klasse mit 25 Fachschülern gebildet werden. Die Fachschüler, es sind bereits "fertige Winzer", die dort in zwei Winzersemestern unterrichtet werden, bekommen das Rüstzeug, um später selbstständig ein Weingut führen zu können. Die Lehrer der Weinbauschule sind alle Praktiker. Sie unterrichten nicht nur die angehenden Jungwinzer, sie sind gleichzeitig auch Weinbauberater. Während allerdings die Beratung vor 40, 50 Jahren ihre Hauptaufgabe darin sah, den Winzern Hinweise für gute Qualitäten, aber auch möglichst hohe Erträge zu geben, so hat sich dies heute geändert. Große Mengen sind nicht mehr erwünscht, vielmehr geht es dar um, das qualitative Potential, sprich die Aromaausprägung der Trauben und des späteren Weines voll auszuschöpfen. Mehr auf Seite 8