Die sechs wichtigsten Jahre

WITTLICH-NEUERBURG. (noj) Sich bilden heißt im Kleinkindalter erst einmal, Erfahrungen zu sammeln und die Welt mit allen Sinnen zu begreifen. Dies wurde am "Tag der Bildung" in der Kindertagesstätte in Wittlich-Neuerburg offensichtlich.

"Der Fehler ist wichtiger als die Lösung." Diese Überzeugung äußerte Kindergarten-Planer Richard Wagner beim Tag der Bildung in der städtischen Kindertagesstätte in Wittlich-Neuerburg. Gemeinsam mit Kindergartenleiterin Erni Schaaf-Peitz und Bürgermeister Ralf Bußmer war er sich darüber einig, dass es wichtig ist, die Kinder die Welt mit eigenen Händen und Sinnen entdecken zu lassen. "Nie lernen Menschen soviel wie in den ersten sechs Jahren", verdeutlichte Bußmer bei seiner Ansprache, dass Bildung schon bei den Kleinsten anfängt. Es gehe dabei aber nicht nur darum, "Stoff zu vermitteln". Bildungsprozesse würden sich eher in der Konstruktion von Ideen, im Aufbau von Orientierungen und vor allem im Fehler machen und Wieder-von-vorne-anfangen äußern. Bußmer sprach sich dafür aus, Vorschriften zurückzufahren und stattdessen den Menschen mehr Vertrauen zu schenken. Man solle bei den Kindern stärker differenzieren und ihre Fähigkeiten intensivieren. "Kein Kind ist wie das andere und jedes Kind braucht Zeit", erläuterte Richard Wagner seine Ansicht. Es gebe bei Kindern 18 verschiedene Intelligenzformen. Bisher sei immer nur die kognitive Intelligenz beachtet worden. Die Bildung bei den heute Erwachsenen sei immer noch geprägt worden vom "Nürnberger Trichter". "Diese Modelle sind vorbei". Man müsse den Bildungshunger der Kinder begleiten. Erni Schaaf-Peitz unterstrich ihre Forderung nach mehr Bildung für Kinder, indem sie den Herren Platiksschwimmreifen mit der Aufschrift "Rettet die Bildung" um den Hals legte. Im Anschluss an den offiziellen Teil konnten sich die Eltern der Kindergartenkinder und die anderen Gäste anschauen, wie die Kinder in Neuerburg angeregt werden, selbst tätig zu werden und mit Händen und allen Sinnen lernen. Leider hatten die Organisatoren viel Pech mit dem Wetter, denn kurz nachdem sich alle über das große, naturnah gestaltete Außengelände verteilt hatten, ging ein heftiges Gewitter nieder.