Die sechste Auflage von Mythos Mosel macht Winzer und Besucher froh

Mythos Mosel : Die Anziehungskraft des Rieslings wächst

Weiter im Aufwind: Die sechste Auflage von Mythos Mosel macht Winzer, Besucher und Organisatoren froh. Das Publikum wird immer internationaler.

Es ist ein ungewohntes Bild. An den Bushaltestellen zwischen Ürzig und Briedel stehen Trauben von Menschen. Und im 20-Minuten-Takt hält auch ein Bus. Fahrgäste steigen aus, die wartenden Personen steigen ein – und weiter geht es in den nächsten Ort. Mythos Mosel macht es möglich. Die Pendelbusse ermöglichen es den Besuchern zwei Tage lang ohne Angst um den Führerschein auf bequeme Art zu den 31 Weingütern zu kommen, die bei der sechsten Auflage der Veranstaltung ihre Türen öffnen.

Jan Tailler und David Lelievre erreichen ihr Ziel nicht mit dem Bus. Die beiden französischen Winzer aus Toul sind aber auch keine Besucher, sondern Gastwinzer im Weingut Staffelter Hof in Kröv. Rund 230 Kilometer sind es vom 20 Kilometer westlich von Nancy gelegenen Côte de Toul nach Kröv. Jan Klein, Chef im Staffelter Hof, kennt sie von Veranstaltungen der länderübergreifenden Vereinigung Terroir Moselle und hat sie eingeladen.

„Die Mosel endet nicht an der Grenze zu Luxemburg und Frankreich“, sagt Matthias Meierer, Sprecher der Moseljünger, die Mythos Mosel 2014 zum ersten Mal veranstalteten. Und so war es kein Problem für Jan Klein die Gastwinzer aus dem Nachbarland einzuladen. Pascal Manjer und David Lelievre, die unter anderem Rosé anbieten, sind froh darüber. „Es müsste mehr Austausch dieser Art an der gesamten Mosel geben“, sagen sie. Die beiden gesellen sich zu den etwa 90 Betrieben, die als Gastwinzer ebenfalls an den beiden Tagen in einem der 31 Winzerhöfe einen Stand haben. Das macht den Reiz der Veranstaltung aus, die im Wechsel an drei unterschiedlichen Abschnitten der Mosel zwischen Detzem und Briedel über die Bühne geht. Stefan Justen (Meulenhof Erden), einer der 31 Gastgeber, drückt es so aus: „Es gibt keinen Zwang und keine vorgegebene Reihenfolge.“ Wie andere Beteiligte  stellt er ein immer stärker werdendes Interesse junger Leute fest.

„Wir sind aus dem Legoland“, sagt ein junger Mann aus einer neunköpfigen Gruppe. Er meint Günzburg (Bayern), wo der Freizeitpark steht. Ja, auch die Bayern, sonst beim Wein eher nach Italien orientiert, zieht es verstärkt an die Mosel. Die Gruppe um die 25 Jahre alte Lea versorgt sich auch in der Heimat über Händler mit Riesling. „Das Etikett ist nicht so wichtig. Auf den Inhalt kommt es an“, sagt die junge Frau, die schon 2018 bei Mythos Mosel Wein probierte.

Zum zweiten Mal gibt es Betriebe, in denen sich junge Talente (maximal 30 Jahre) präsentieren. Lukas Bollig (Wintrich), Niklas Welter (Piesport) und Max Frieden (Nittel) sind im Weingut Hermes (Kröv) bei Maximilian Hermes zu Gast. „Die ganze Region präsentiert sich an einem Wochenende“, sagt Max Frieden. Die vielen jungen Leute fallen ins Auge. „Die sind richtig am Wein interessiert“, freut sich Maximilian Hermes. Pascal Manjer ist mit Freunden aus der Pfalz angereist. „Es ist interessant, so viele Anbieter auf einmal zu haben“, sagt er. Alexander Sich ist mit sechs weiteren Leuten aus der Nähe von Bonn gekommen. Die Vielfalt des Rieslings hat es ihm angetan. Deshalb trägt er auch ein T-Shirt mit einem entsprechenden Spruch („Kann Spuren von Riesling enthalten“). Das Winzerpaar Daniel Molitor und Julia Molitor-Justen ist in zwei „normalen“ Weingütern in Erden und Kinheim verortet, kümmert sich aber noch um das Projekt Stairs N’Roses – Rockige Mosel. Die Stairs stehen für die Stufen der Lage Erdener Treppchen, die Roses für die Lage Kinheimer Rosenberg. Acht Weine umfasst dieses Projekt: Darunter ein pilzresistenter Weißwein, ein Wein aus einem nur minimal geschnittenen Wingert und eine edelsüße Auslese, der Kohlensäure zugesetzt ist. Daniel Molitor nimmt sich Zeit, die experimentierfreudige Arbeit zu erläutern. „Die Zahl der Interessenten steigt“, sagt er

Die auswärtigen Gäste unter den mehr als 3500 Besuchern loben nicht nur den Wein, sondern auch die Beherbergungsbetriebe, in denen sie Zimmer oder Wohnungen gebucht haben. Damit ist klar:  An dem Wochenende nach Pfingsten und vor Fronleichnam herrscht an der Mittelmosel keine Flaute in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Restaurants.

Matthias Meierer (Kesten), bei dem die Fäden zusammenlaufen, kann den Erfolg von Mythos Mosel an der Zahl der Anrufe während der Veranstaltung messen. „Am Samstag hat es viele Mal geklingelt“, erzählt er. Das sei ein gutes Zeichen. Meierer hat alle sechs Auflagen als Organisator erlebt. Der größte Unterschied zwischen 2014 und 2019: „Es kommen viel mehr Menschen, und das Publikum wird immer internationaler.“

Im Weingut Staffelter Hof in Kröv werden auch französische Weine angeboten. Foto: Rudolf Höser

Weitere Fotos zu Mythos Mosel
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