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Die Spendenaffäre spielt nur eine Nebenrolle

Die Spendenaffäre spielt nur eine Nebenrolle

Von Politik kann Peter Bleser offenbar nicht genug bekommen. Seit 1990 sitzt er für die CDU im Bundestag. Weitere vier Jahre sollen folgen. Fast 94 Prozent der Delegierten schenkten ihm in Zeltingen-Rachtig ihr Vertrauen.

Zeltingen-Rachtig. In die Seele von Peter Bleser kann an diesem Abend niemand blicken. Ist er nervös oder locker? Dass er zum achten Mal Direktkandidat der CDU für die Bundestagswahl im Jahr 2017 wird, steht außer Frage. Aber werden die 100 Delegierten ihm wegen der Spendenaffäre um den ehemaligen Geheimagenten Werner Mauss in der geheimen Wahl einen Denkzettel verpassen? Sie tun es nicht. Der 64-Jährige bekommt, bei zwei Enthaltungen, 92 von 98 Stimmen (knapp 94 Prozent).
Zum Vergleich: 2012 erhielt der Landwirtschaftsmeister aus Brachtendorf (Eifel) zwar nur drei Gegenstimmen bei sogar mehr Delegierten, 2008 kam er allerdings nur auf 86,79 Prozent. So ist Erleichterung zu erkennen, als Versammlungsleiter Hans-Josef Bracht im Kelterhaus Schorlemer in Zeltingen-Rachtig das Ergebnis der geheimen Wahl bekannt gibt.
Wie berichtet war Bleser von 2006 bis vor wenigen Wochen Schatzmeister der rheinland-pfälzischen CDU. In diese Zeit fielen Spenden von Werner Mauss, der im Hunsrück lebt. Einige hätten womöglich nicht angenommen werden dürfen, weil der tatsächliche Spender nicht genannt wurde.
Bleser greift das Thema selbst auf. "Die Spenden waren nicht korrekt deklariert. Das war damals nicht erkennbar. Hätte ich mehr darüber gewusst, hätte ich verhindert, dass sie falsch deklariert werden", sagt er. In der Aussprache bleibt auch alles ruhig. Nur Jürgen Jakobs (Morbach) streift das Thema ganz kurz.
In seiner Bewerbungsrede schaut Bleser vor allem auf die Zeit von 2005 bis in die Gegenwart. Damals habe die geplante Neuverschuldung des Bundes bei 50 Milliarden Euro gelegen, die Zahlen der Arbeitslosen bei 5, 2 Millionen. Damals seien auch die Renten nicht sicher gewesen. Gut zehn Jahre später weise der Haushalt einen Überschuss auf. Die Zahl der Arbeitslosen habe sich halbiert, die der Erwerbstätigen um vier Millionen erhöht. Die Rentenkassen seien gut gefüllt. "Das alles müssen wir den Bürgern wieder einmal erzählen", fordert er.
Natürlich habe sich die Welt verändert - oft nicht zum Guten, wie Kriege und Terror zeigen. "Und der Brexit geht mir an die Nieren", sagt Bleser. Sein Appell: "Wir müssen leidenschaftlich für Europa kämpfen. Wir haben keine andere Wahl."
Wichtig für den Wahlkreis, der aus den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach und Thalfang, der Einheitsgemeinde Morbach sowie den Kreisen Cochem-Zell und Rhein-Hunsrück besteht. Er soll wie andere ländlich strukturierte Regionen in Zukunft viel stärker unterstützt werden. Dazu gebe es in Berlin inzwischen eine Allianz innerhalb mehrerer Ministerien. "Der ländliche Raum ist schöner als große Städte, aber man muss hier auch leben können", sagt er.