Die Spuren des Krieges

Vom grauenhaften Enthusiasmus der ersten Kriegsmomente über die mordende Realität zum traurigen Überlebenden, dessen Leben durch den Krieg zerstört wurde: Sieben Künstler haben in der Synagoge einen Abend gestaltet, in dem sich alles um den Ersten Weltkrieg drehte.

Wittlich. Mit großem Beifall bedankte sich ein zutiefst bewegtes Publikum in der Synagoge in Wittlich bei den Künstlern, die sich auf Bitte des Kulturamtes der Stadt Wittlich dem Thema "100 Jahre Ausbruch des Ersten Weltkrieges" künstlerisch näherten und das Ergebnis vor ca 150 Besuchern präsentierten.
Bitterer Hintergrund


Alexa Spielmann-Sipps (Sopran), Sebastian Langner (Bariton), Heinz Coen (Klavier/Akkordeon), Johannes Burgard (Sprecher), das Trio Intermezzo, bestehend aus Barbara Görgen-Mahler (Oboe), Michael Klink (Horn) und Wolfgang Grandjean (Klavier) suchten in vielen Kunstsparten Spuren des Ersten Weltkrieges und fanden sie in der Musik, der Literatur und der Bildenden Kunst.
Gemeinsam erarbeiteten die Künstler eine Veranstaltung, die unter die Haut ging. Zu Bildern von Otto Dix und anderen, die Grauen des Krieges anklagenden Malern, erklangen Lieder, die zutiefst erschütterten. Mit dem Kaisermarsch aus der Operette "Immer feste druf" von Walter Kollo beginnend, gelang es den Künstlern, die Kriegseuphorie vom August 1914 aufzuzeigen, was mit "Heil dir im Siegerkranz" und Hoffmann von Fallerslebens teuflischen Versen zu einer Intensität gelangte, die manchen Zuhörer zwang, die Luft anzuhalten. Über das "Lied vom kriegerischen Lehrer" (Brecht/Eisler) wurde die Stimmung gebrochen und der bittere Hintergrund des Krieges begann durchzuscheinen.
Die Gedichte von Tucholsky, Kästner oder Brecht sowie die Passagen aus "Im Westen nichts Neues" von Remarque, die Johannes Burgard mit klarer Stimme vortrug, ergänzten die Lieder und Musikstücke (Scharwenka: Trio e-Moll op 121 von 1915 Andantino tranquillo und Ravel: Trio a-Moll von 1914, Passacaille, très large) und intensivierten deren Aussagen bis hin zu der Schmerzgrenze, die der Wahnsinn des Mordens und Sterbens und Verstümmelns die Zuhörer erfahren ließ.
Im zweiten Teil wurde die Tragik des Krieges zum Schwerpunkt mit "Ich hatt‘ einen Kameraden (Uhland) und der "Legende vom toten Soldaten" (Brecht/Schwaen), um mit dem "Schönen Gigolo" (Brammer/Casucci) im Fatalismus der 1920er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu enden.
Ergänzt durch Reproduktionen von Kriegsgemälden und Schützengrabenszenen beeindruckten die scherenschnittartigen Auftritte des Gesangsduos Alexa Spielmann-Sipps/Sebastian Langner im Profil hinter der Leinwand und die durchdringenden Worte von Johannes Burgard sowie die Musik, die mehr sagen konnte als tausend Worte. red