Die Stadt Traben-Trarbach würdigt ihren „Stararchitekten“ Bruno Möhring

Geschichte : Stadt Traben-Trarbach würdigt ihren „Stararchitekten“

Das Konzept für die Bruno-Möhring-Dauerausstellung im Traben-Trarbacher Brückentor steht. Die Eröffnung ist am 18. Oktober.

In knapp sechs Wochen ist es soweit: Am Freitag, 18. Oktober, wird in Traben-Trarbach die erste und wohl einzige Dokumentation zum Werk des Berliner Jugendstilarchitekten Bruno Möhring (1863 – 1929) eröffnet. In der Doppelstadt gibt es so viele Gebäude, die der Berliner Architekt Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut hat wie in keinem anderen Ort in Deutschland, außer in Berlin.

Die für die Dauerausstellung in dem ebenfalls von Möhring gebauten Brückentor verantwortliche Diplom-Designerin Heidrun Bernitt aus Bernkastel-Kues hat in den vergangenen Wochen weitere Objekte, Schriften und Zeichnungen von Bruno Möhring zusammengetragen. Bernitt: „Wir wollen das Leben und Werk dieses genialen und ungeheuer produktiven Architekten darstellen. In Deutschland gibt es nirgendwo etwas Vergleichbares.“

Möhring war Architekt, Stadtplaner und Designer. Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sich niemand um seinen Nachlass. Zwei seiner Söhne starben früh, Hans-Joachim im Alter von vier Jahren als Kind und Bruno 1918 als Teilnehmer im Ersten Weltkrieg. Der dritte Sohn Rudolf soll zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 23. April 1945 auf dem ererbten Grundstück in Berlin-Marienfelde von Soldaten der Roten Armee beim Vormarsch auf die Berliner Stadtmitte erschossen worden sein. Heidrun Bernitt, die schon immer ein Faible für Kunst und Architektur hatte, hat intensiv recherchiert. Sie war in allen Städten, in denen heute noch die architektonisch einzigartigen Gebäude von Möhring stehen. Allein in Berlin gibt es 15 noch erhaltene Bauten.

Hotel Clauss-Feist, heute Hotel Bellevue. Foto: TV/Winfried Simon

Möhring hat ferner in Dortmund die Zeche 2/4 gebaut, in Oberhausen die Siedlung Grafenbusch und in Mainz den Traubensaal der Kupferberg-Terrassen, der 1900 in der berühmten Pariser Weltausstellung der Verköstigung deutscher Sekte diente. Nach der Weltausstellung wurde der Saal abgebaut und originalgetreu auf der Kupferbergterrasse in einem eigens dafür konzipierten Raum wieder aufgebaut.

Villa Huesgen. Foto: TV/Winfried Simon

Dass ausgerechnet in einem kleinen Städtchen der Berliner Architekt Möhring – heute würde man sagen der Stararchitekt – so viele Bauten hinterlassen hat, ist außergewöhnlich. Die Erklärung: Möhring gewann vor mehr als 120 Jahren den Wettbewerb zum Bau der Traben-Trarbacher Moselbrücke, die im Dezember 1899 eingeweiht wurde. Die reichen Weingutsbesitzer und Weinhändler fanden Gefallen an seiner architektonischen Kunst und ließen sich Prachtvillen bauen. Das Konzept für die Dauerausstellung im Brückentor steht. Unten, im Foyer, wird ein von Möhring entworfener Schrank platziert, im aufsteigenden Flur können sich die Besucher über den Jugendstil in Deutschland und Europa informieren. Und es gibt einen kleinen Exkurs über das Brückentor. Im Gastronomiebereich im ersten Stock will die Casino-Gesellschaft Exponate zum Thema Traben-Trarbach als Metropole des Weinhandels präsentieren. Dort soll auch permanent auf einem Bildschirm ein Film über den Jugendstil in der Stadt laufen.

Allerdings ist noch ein Problem zu lösen. Seit vielen Jahren ruht der Gastromiebereich im Brückentor, die Stadt ist zurzeit im Gespräch mit einem interessierten Pächter. Möglicherweise werden zunächst Mitglieder des im März diesen Jahres in Traben-Trarbach gegründeten Fördervereins „Möhring’s Architekturwelt“ während der Öffnungszeiten anwesend sein. In der Halbetage über dem Ga­stronomiebereich beginnt dann die Möhring-Ausstellung mit Fotos und Dokumenten von Möhring-Bauten in Berlin und anderen Städten Deutschlands. In der obersten Etage erfahren die Besucher Einzelheiten über die Bauten, die Möhring in Traben-Trarbach innerhalb von nur zehn Jahren geschaffen hat. Im ganzen Haus werden ferner Pulte platziert, auf denen Mappen mit Infos  zum Leben und Werk Möhrings ausliegen.

Zur Eröffnung am Freitag, 18. Oktober, lädt die Stadt um 17 Uhr zum Empfang in den Bürgersaal in Traben. Nach einem Gang über die Brücke wird anschließend im Brückentor die Dokumentation zum Leben und Werk Bruno Möhrings durch Heidrun Bernitt eröffnet.

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