Die Suche nach Identität: Was ist der Hunsrück?

Die Suche nach Identität: Was ist der Hunsrück?

Mit der Gründung des Nationalparks Hunsrück-Hochwald nimmt die Diskussion über Heimat und das, was eigentlich den Hunsrück auszeichnet, Fahrt auf. Der TV hat sich umgehört.

Wo fängt der Hunsrück an, wo hört er auf? Um eine Ferienregion unverwechselbar zu machen, muss sie einen Namen haben und möglichst klar abgrenzbar sein. Das ist im Hunsrück aber schwierig. Schon die Begriffe "Nationalpark Hunsrück Hochwald", "Naturpark Saar Hunsrück" oder "Bike- und Naturerlebnispark Idarkopf" verwirren manch einen.

Der Morbacher Karl-Heinz Erz war viele Jahre lang Chef der Tourist-Information. Nach langjähriger Berufserfahrung und vielen Kontakten mit Urlaubsgästen kommt er zu dem Schluss: "In Deutschland gibt es etliche Mittelgebirgslandschaften, die im touristischen Bereich um Bekanntheit und Marktanteile bemüht sind. Während andere Regionen wie zum Beispiel der Schwarzwald, die Eifel oder der Thüringer Wald nach außen als einheitliches Gebiet auftreten, tut sich der Hunsrück dabei schwer. Der Eifel gelingt dies dagegen sogar über zwei Bundesländer (Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) und zusammen mit dem hohen Venn in Belgien über die deutsche Grenze hinaus."

Das sei im Hunsrück noch nicht der Fall. Im westlichen Teil des Hunsrücks propagiere man den Hochwald. Noch komplizierter wird es, wenn man auf die Karte schaut und dort die Bezeichnung "Schwarzwälder Hochwald" für die Gegend um Börfink entdeckt. Schließlich liegt der eigentliche Schwarzwald in Baden-Württemberg. Im Osten nennt sich wiederum eine Region Soonewald. Erz: "Dennoch spricht man dort eher von der Heimat Hunsrück als das im Hochwald der Fall ist." Ein weiterer Teil ist der südliche Bereich (Landkreis Birkenfeld), der touristisch als "Naheland" um seine Gäste wirbt. Erz findet, dass es eigentlich ganz einfach sein könnte, denn: "Der Hunsrück liegt in jeder Hinsicht in einzigartiger Lage. Von der Nahe im Kreis Birkenfeld abgesehen, umrunden ihn vier Grenzflüsse - Mosel, Nahe, Saar und Rhein schließen rings den Hunsrück ein - mit toller Rebenlandschaft und in allen Teilen mit außergewöhnlichen Weinen, die weltweit ihresgleichen suchen."

Nach der Schaffung des ersten Nationalparks in Rheinland-Pfalz wäre die richtige und klare Bezeichnung "Nationalpark Hunsrück" gewesen, ist sich Erz sicher. Allerdings sei in diesem Moment die Politik ins Spiel gekommen. Denn das schlussendlich auf den Landkarten als "Nationalpark Hunsrück-Hochwald" ausgewiesene Schutzgebiet liegt auch zu einem kleinen Teil im Saarland. Und dort heißt diese Region "Hochwald".

Der Volksfreund hat bei den Tourismusexperten der Region nachgefragt. Zum einen, welchen geografischen Bereich man als Hunsrück bezeichnen kann, zum anderen, was die Besonderheit des Hunsrücks ist.

Verena Kartz von der Tourist-Info in Morbach sagt: "Es stimmt, dass viele Touristen den Hunsrück nicht so kennen. Wenn mich Besucher fragen, wo der Hunsrück liegt, dann sage ich, dass es die Region zwischen den drei Flüssen Mosel, Rhein und Nahe ist. Dann können die Leute das einordnen. Was den Hunsrück ausmacht, ist aus meiner Sicht die Schönheit und Ursprünglichkeit des Waldes mit ihren Mooren und Landschaften."

Kurze, prägnante Namen für Urlaubsziele sind für Claudia Fuchs von der Tourist-Info Hermeskeil wichtig: "Vom Marketing her bin ich ein Freund von kurzen und knackigen Destinationsbezeichnungen. Das ist für mich natürlich der Begriff Hunsrück. Das ist der komplette Höhenzug zwischen Mosel, Rhein und Nahe, inklusive Nationalpark, den man auch als "Nationalpark Hunsrück" bezeichnen könnte. Das hat die Eifel ja auch mit ihrer Marke Eifel und dem Nationalpark Eifel vorgemacht. Geografisch gibt es ja auch den Begriff ,Schwarzwälder Hochwald" im Süden des Hunsrücks. Das führt zu extremen Verwechslungen. Hier haben tatsächlich schon mal Touristen angerufen, die ein Hotel im Schwarzwald buchen wollten. Was die Gegend auszeichnet, ist die Landschaft mit ihrer guten Luft und Natur. Es gibt immer mehr Touristen, die aus dem Flusstal der Mosel auch den Weg zu uns finden, um hier zu wandern."

Daniel Thiel (TI Thalfang): "Der Hunsrück ist geografisch klar definiert, denn er wird von den Flüssen umgrenzt. Aber die Menschen im Hunsrück selbst sehen das anders. Da gibt es etwa auch die Hochwälder. Das sehen die jungen Leute vielleicht wiederum anders als die Älteren. Ich kenne noch den Begriff "vor" oder "hinter" dem Wald. Das bezieht sich auf die Gegend hinter der Landkreisgrenze, wo etwa Allenbach oder Kempfeld liegen. Da hat es uns als Jugendliche nicht so hingezogen sondern eher in Richtung Mosel."

Für Thiel ist klar: "Touristisch wäre eine Dachmarke Hunsrück, so wie auch Eifel oder Mosel wünschenswert." Aber wie die Menschen selbst das sehen, sei schwer abzuschätzen. Was den Hunsrück auszeichne, das sei auf jeden Fall die Landschaft und die Gemütlichkeit der Menschen.
Die Hochwald-Identität

Einen Beitrag zum Thema Identität der Hunsrückbewohner hat vor kurzem auch die Verbandsgemeinde Hermeskeil geleistet. Deren Verwaltung hatte eine Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss erarbeitet. Darin geht es um eine Erklärung zur laufenden Gebietsreform, bei der sich die Verbandsgemeinden Thalfang am Erbeskopf und Kell am See einen Partner für eine Fusion suchen müssen. Die Hermeskeiler streben die Bildung einer gemeinsamen großen VG mit Thalfang und Kell an - und nennen sie "Hochwald-VG".

Zur Begründung heißt es: Der Hochwald sei "nicht nur eine naturräumlich abgegrenzte Landschaftseinheit", sondern auch eine "über Jahrhunderte historisch gewachsene Kulturregion, die im Bewusstsein ihrer Bewohner durchaus eine Identitätsbasis und eigene Mentalität ausgeprägt hat". Der "identitätsstiftende Name" Hochwald habe sich auch schon in gemeinsamen Organisationen wie den Vereinen Erholungsgebiet Hochwald und Hochwald Ferienland, aber auch in Betriebsbezeichnungen wie bei der Hochwaldmolkerei niedergeschlagen. Die Stadt Hermeskeil mit ihren Einrichtunge der Daseinsvorsorge habe sich zum "zentralen Ort" dieser Region entwickelt.
Leseraufruf

Wie stehen Sie zu dem Thema? Sind Sie ein Hunsrücker oder doch eher ein Hochwälder? Schreiben Sie uns, welches Gebiet der Hunsrück umfasst - und was Ihnen an dieser Region besonders gefällt: <strong>mosel@volksfreund.de

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