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Die Tourismus-Saison im Hunsrück ist besser gelaufen als gedacht

Tourismussaison besser als gedacht : Deutsche entdecken den Hunsrück

Die Touristiker in Morbach und Thalfang zeigen sich zufrieden mit dem Fremdenverkehr unter Corona-Bedingungen. Vor allem die Zahl der Tagesurlauber hat zugenommen.

Wohl noch nie ist eine Feriensaison mit so vielen Unwägbarkeiten verlaufen wie 2020. Bereits früh hat die Corona-Pandemie mit dem Lockdown für einen Stillstand bei Übernachtungs- und Gastronomiebetrieben gesorgt. Doch haben die Hunsrückgemeinden des Landkreises von der dann eintretenden Deutschland-Reisewelle profitieren können?

 

In der Einheitsgemeinde hatte das Jahr mit starken Buchungszahlen gut angefangen, sagt Kerstin Thommes, die bis vor kurzem die Elternzeitvertretung für die Leiterin der Tourist-Information, Franziska Fleckser, innehatte.

Es hätte sogar ein Rekordjahr werden können, glaubt sie. Doch dann habe der Lockdown reingehauen, sagt sie. Anfang Juni sei es dann langsam wieder losgegangen. Zu dem Zeitpunkt seien sowohl Gäste als auch Vermieter verunsichert gewesen. Doch ab Juli habe der Fremdenverkehr Fahrt aufgenommen. „Juli, August und September sind gut gelaufen“, betont Thommes. Einige Vermieter hätten mehr Buchungen als sonst registrieren können, obwohl die Saison aufgrund der beiden Lockdowns sehr kurz gewesen sei.

In diesem Jahr hatten Tagesgäste einen hohen Anteil am Ausflugsverkehr. „Das hat man an den Wanderwegen gemerkt“, sagt sie. An der Traumschleife Jakob-Maria-Mierscheid habe man die Anzahl automatisch gezählt und eine Steigerung von 25 Prozent zum Vorjahr feststellen können. Auch an anderen Faktoren wie den volleren Müllkörben habe man feststellen können, dass mehr Menschen unterwegs gewesen sind. Der Bekanntheitsgrad des Hunsrücks sei während der Corona-Pandemie gestiegen. „Wir haben Tagesgäste gesehen, die künftig Übernachtungsgäste sein werden“, sagt Thommes. Der Hunsrück habe als Urlaubsziel aufgrund der Corona-Pandemie keinen Schaden genommen. „Im Gegenteil“, sagt sie.

Allerdings sei für einige Privatvermieter die Pandemie Anlass gewesen, ihr Übernachtungsgeschäft aufzugeben. Auf jeden Fall werden die Morbacher Betriebe von der Kommune bei den Kosten entlastet. Die Provision, die die Touristinfo bei Buchungen von Zimmern erhält, entfällt für dieses Jahr. Und auch die Servicegebühr für Pflege und Unterhalt des Reservierungssystems wird für das kommende Jahr auf die Hälfte reduziert.

 

„Am Anfang habe wir gedacht: Oh Gott“, beschreibt der Thalfanger Tourismus-Chef Daniel Thiel die Gefühlslage bei den Einschränkungen zu Beginn der Pandemie. Doch dann habe man durchgeatmet und überlegt, was in  der Nationalparkregion unter diesen Bedingungen möglich ist. Eine Checkliste mit dem Titel „Entdecke Abenteuerlust mit Sicherheit“, habe Neuwanderern und Familien Hilfestellung gegeben. Offensichtlich mit Erfolg, denn auch die Thalfanger Touristiker haben viele Tagestouristen bemerkt.

„Die Region hat die Region kennengelernt, ob auf Wanderwegen, Radwegen oder sonstwo“, sagt er. Der Erbeskopf sei wesentlich stärker besucht gewesen als in den Vorjahren. „Juli, August und September waren extrem starke Monate“, sagt Thiel. Einige Gastgeber hätten mehr Übernachtungen verbuchen können als sonst, und am Erbeskopf und am Thalfanger Erholungs- und Gesundheitszentrum hätten mehr Wohnmobile als in den Vorjahren Station gemacht, sagt er. Zudem hätten besonders die Vermieter von Ferienwohnungen profitiert. Auch  neue Zielgruppen haben die Region entdeckt,  hat Thiel festgestellt. „Wir hatten sehr viele Gäste aus dem Raum Berlin“, sagt er. Wie in Morbach werden die Thalfanger Übernachtungsbetriebe bei den Buchungsgebühren entlastet. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen und die Betriebe unterstützen, wie es uns möglich ist.“

 

Das Thema ist in den vergangenen Jahren rund um den Nationalpark aufgekommen. Insbesondere in der VG Thalfang hat man sich der Hundebesitzer angenommen, die mit ihren Vierbeinern Urlaub machen wollen. Wie ist es gelaufen im Caniplace, dem Freizeit- und Gesundheitspark für Hund und Herrchen, den Dagmar Pilzecker 2019 eröffnet hat? „Im Sommer war es ganz okay“, sagt die Unternehmerin, wobei ihr Vergleichszahlen aus dem Vorjahr fehlen. Doch während des Lockdowns sei „tote Hose“ gewesen. Auch jetzt beim zweiten Lockdown blieben die Leute eher zu Hause, sagt sie. Denn derzeit fehlt wegen der geschlossenen Gastronomie die Möglichkeit für Gäste, nach dem Aufenthalt im Caniplace etwas zu essen oder zu trinken. „Wenn die Infrastruktur nicht passt, nutzt das Angebot nichts“, sagt sie. Auch die Veranstaltungen mit Hundeschulen und Gruppen seien der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Und auch Urlauber hätten nur zufällig den Weg zu ihr gefunden. Sie wünscht sich eine bessere Vernetzung mit den Übernachtungsbetrieben, die das Konzept und die Chancen noch nicht verstanden hätten. „Ich bin das Highlight, die Leute buchen deshalb“, sagt sie.