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Die Trauben faulen: Winzer müssen sich beeilen

Die Trauben faulen: Winzer müssen sich beeilen

Viel zu viel Regen und viel zu warm: Das Wetter der vergangenen zwei Wochen hat den Moselwinzern einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Rieslingtrauben faulen, was sich negativ auf Qualität und Menge auswirkt. Jetzt ist Eile geboten.

Bernkastel-Kues/Kanzem/Nittel. "Die Lese ist anstrengend, der Aufwand sehr hoch." Dominik Völk, Betriebsleiter des 50 Hektar großen Spitzenweingutes Van Volxem in Kanzem/Saar, stöhnt wie fast alle anderen Winzer an Mosel, Saar und Ruwer über die plötzlich entstandene Hektik.
Gerne hätte er die Rieslingtrauben, die in den Spitzenlagen teilweise schon einen Fruchtzuckergehalt (Mostgewicht) von 90 Grad Oechsle erreicht haben, noch hängen lassen.
Doch in den meisten Weinbergen breitet sich aufgrund der feuchtwarmen Witterung die Fäulnis rasant schnell aus. Seit einer Woche ist seine Lesemannschaft in den Riesling-Weinbergen. Völk rechnet damit, dass sich die Ernte noch zehn bis 14 Tage hinziehen wird.Regen hat schwer geschadet



Um qualitativ in diesem Problemherbst alles herauszuholen, werden die faulen Trauben vorgelesen, damit die gesunden noch etwas reifen können. "Wir waren in den vergangenen Jahren sehr verwöhnt", sagt Völk, "in diesem Jahr wird es nur wenige Spät- und Auslesen geben. Der Regen hat uns schwer geschadet." Das gilt auch für die Mengen. Der Vorstandsvorsitzende der Winzergenossenschaft Moselland, Werner Kirchhoff, rechnet mit einem deutlich geringeren Ertrag, an Übermengen sei überhaupt nicht zu denken. Kirchhoff: "Die Fäulnis hat Schlimmes angerichtet."
Seit Mitte vergangener Woche liefern die Genossenschaftswinzer, die rund 20 Prozent der gesamten Rebfläche des Anbaugebietes Mosel bewirtschaften, ihre Rieslingtrauben an den Kelterstationen der Genossenschaft ab. Warten will niemand mehr. Kirchhoff: "Ende dieser Woche werden nicht mehr viele Trauben an den Rebstöcken hängen. Dann ist das meiste gelesen." Höhere Qualitäten wie Spät- und Auslesen werde es deutlich weniger geben, die geernteten Qualitätsweine seien aber sehr ordentlich. Das bestätigt Anita Dostert, Weingut Matthias Dostert, in Nittel. Das 20 Hektar große Weingut an der Obermosel hat als Hauptrebsorte Elbling. "Die Menge ist sehr überschaubar, mit den Qualitäten können wir aber sehr zufrieden sein", so die Winzerin.
In Lieser bewirtschaftet Hans-Josef Botzet 14 Hektar Weinberge. Dort hat der Hagel im Juni bereits viele Hoffnungen zunichte gemacht. Botzet rechnet mit einem Ertrag von nur 3000 Litern pro Hektar. In normalen Jahren erntet er fast das Dreifache. Botzet selektioniert die faulen Traben aus, um noch eine anständige Menge an gesunden Trauben reinzuholen. Botzet: "Vor allem für die trockenen Weine brauchen wir gesundes Lesegut."Jetzt wird zügig geerntet


Harald Steffens, Ökowinzer in Reil, schreibt auf Facebook: "Es könnte alles so schön sein! Am Samstag Kaiserwetter und eine hoch motivierte Erntemannschaft - wären da nicht die Trauben. Fäulnis macht sich rasend schnell breit. Die warmen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit werden den Trauben weiter zusetzen. Zudem befürchte ich, dass sich weitere Schaderreger in den Trauben breitmachen. Alles Dinge, die der Winzer nicht brauchen kann. Noch ist es nicht so weit! Bis dahin werden wir sehr zügig ernten. Und wenn uns diese Widerwärtigkeiten begegnen, werden die befallenen Trauben auf den Boden geworfen. Ich rechne mit vielen Trauben, die nicht den Weg in den Weinkeller finden. Falls noch jemand Lust hat, uns bei der Ernte zu helfen: Wir würden uns über jede helfende Hand freuen. Es eilt."