Die Tücke mit der Brücke

ZOSSEN/WITTLICH. Die "Wittlicher Brücke" im brandenburgischen Zossen, die nach der Wende von der Stadt Wittlich mitfinanziert worden war, wurde vergangenes Jahr entfernt. Damit wollen sich zahlreiche Einwohner nicht abfinden, sie fordern Ersatz.

Als die Mauer fiel und aus dem geteilten ein geeintes Deutschland wurde, knüpften auch Wittlich und seine brandenburgische Partnerstadt Zossen engere Bande. Der damalige Bürgermeister Helmut Hagedorn habe die ostdeutsche Stadt nach der Wende besucht und dort beschlossen, beim Aufbau zu helfen, erinnert sich Zossens ehemaliger Bürgermeister Hans-Jürgen Lüders. Im Stadtpark habe lediglich eine "primitive Brücke" über den Nottekanal geführt, erzählt Lüders. Deshalb habe die Stadt Wittlich beschlossen, sich am Aufbau einer neuen Brücke im Park zu beteiligen. Ein Wittlicher Architekt übernahm die Planung der Brücke, die mit 52 000 DM Mark aus Wittlich mitfinanziert wurde. Brücke müsste rund 1,60 Meter höher sein

Im Oktober 1994 wurde sie nach einigen baulichen Schwierigkeiten freigegeben, doch verband sie nicht lange die beiden Teile des Stadtparks miteinander: Im Sommer 2005 wurde sie wieder abgebaut, weil "die notwendige Durchfahrtshöhe mit der Brücke zu keiner Zeit gewährleistet war", sagt Michaela Schreiber, Bürgermeisterin von Zossen. Sie müsse rund 1,60 Meter höher sein, damit dort Sportboote verkehren können. Die Reste der "Wittlicher Brücke" wurden derweil auf dem Gelände des städtischen Bauhofs eingelagert. Den Fußgängern - darunter zahlreiche Schulkinder - bleibt seitdem nichts anderes übrig, als einen Umweg entlang der Bundesstraße 96 zu gehen. Das möchten viele der 17 000 Einwohner nicht hinnehmen, sie fordern mit Protestaktionen den schnellen Wiederaufbau der "Wittlicher Brücke". Außerdem fehle das Verständnis für diesen Umgang mit dem "Geschenk der Stadt Wittlich", erzählt Lüders. Der Wittlicher Bürgermeister Ralf Bußmer hingegen sieht den vorläufigen Abbau der Brücke gelassen: "Die geplante Wiederschiffbarmachung des Kanals für Freizeit- und Sportboote erscheint mir eine wichtige infrastrukturelle Entwicklungsmaßnahme zu sein", zeigt er Verständnis. "Wir fühlen uns durch den notwendigen Abbau der Brücke nicht gekränkt." Auch seitens der Stadt Zossen sei man bemüht, die "Wittlicher Brücke" möglichst bald wieder aufzubauen, erklärt Bürgermeisterin Schreiber. Deshalb hat die Stadt einen Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben. Den Stadtverordneten liegen von den Teilnehmern verschiedene Pläne vor, die entweder einen Neubau empfehlen oder eine Anhebung der Brücke vorschlagen, wobei die zwischengelagerten Originalteile Verwendung finden sollen. Thema der nächsten Ratssitzung in Zossen

Zweimal stand der Wiederaufbau der "Wittlicher Brücke" bereits auf der Tagesordnung des Stadtrats, ein Beschluss wurde bislang nicht gefasst. Damit es bald eine Wiedervereinigung der beiden Hälften des Stadtparks gibt, hat Schreiber das Thema für die nächste Sitzung am 24. Januar wieder auf die Agenda gesetzt.

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