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Die unendliche Geschichte eines Radwegs

Infrastruktur : Die unendliche Geschichte eines Radwegs

Realer Irrsinn? Seit 20 Jahren wird der Lückenschluss eines Radweges in Esch diskutiert und geplant. Doch umgesetzt ist er bis heute nicht.

Es war einmal vor zwanzig Jahren im 435-Einwohner-Ort Esch. Dort hatten Herren des Gemeinderates beschlossen, den Kreis darauf hinzuweisen, dass dieser die etwa 250 Meter lange Lücke des Radwegs zwischen Esch und dem Nachbarort Sehlem, schließen solle. Schließlich pflegen die Nachfahren der Burgherren von Esch seit längerer Zeit ein gutes Verhältnis zu den Sehlemern. Sie teilen sich einen Sportplatz, unterhalten bei Festen zusammen im Musikverein, und sie haben sogar einen gemeinsamen Friedhof. Deshalb ist die Strecke, gerade für Fußgänger und Radfahrer, eine wichtige Verbindung. Außerdem treffen in Esch verschiedene Fahrradwege aufeinander, der überregionale Radweg Wittlicher Senke, der regionale „Pilgerradweg und der Salmradweg“. Für diese drei Radwege wäre der Lückenschluss von großer Bedeutung.

Die Verantwortlichen vom Land Rheinland-Pfalz sprechen gerne über das Radwegenetz, den immer wichtiger werdenden Radtourismus und die Infrastruktur. Beispielsweise war im Trierischen Volksfreund am 10. Juli 2018 zu lesen: „Mit einem Ausbau von Wegen und neuen Themen will Rheinland-Pfalz das Radwandern weiter fördern. Der Radtourismus soll weiter gestärkt werden“, sagte Verkehrsminister Volker Wissing. Doch trotz der schönen Worte und Förderprojekte: Die Nachfahren der früheren Burgherren von Esch, haben davon nichts. Gar nichts. Denn ihr Radweg ist noch immer nicht in konkreter Planung, geschweige denn gebaut. Das ist realer Irrsinn, könnte man sagen. Denn während in China innerhalb weniger Wochen Krankenhäuser aus dem Boden gestampft werden, scheint in Deutschland selbst die Umsetzung eines Mini-Bauprojektes aufgrund bürokratischer Hürden eine gefühlte Ewigkeit in Anspruch zu nehmen.

Peter Body, früherer Ortsbürgermeister und nun Zweiter Beigeordneter der Gemeinde, sagt: „Man muss bei solchen Projekten einen langen Atem haben, aber das hier ist schon eine sehr lange Zeit.“ Geschrieben wurde in diesem Zeitraum viel. Wären für jedes Schriftstück, dass in dieser Sache verfasst worden ist, fünf Meter Radweg gebaut worden, wäre er wahrscheinlich schon fertig. Aber die Behörden, die fleißig von der Gemeinde und der Verbandsgemeinde angeschrieben wurden, haben sich die Zuständigkeiten hin und her geschoben. Der Kreis ist auf einmal nicht mehr für straßenbegleitende Projekte zuständig. Von der dortigen Pressestelle heißt es: „Der Ausbau  beziehungsweise die Ausweisung von Radwegen aus touristischen Gesichtspunkten ist grundsätzlich keine Aufgabe des Landkreises als Baulastträger der Kreisstraßen.“ Weiter steht dort: „Angesichts der relativ geringen Verkehrsbelastung der K 51 ist auch aus Gründen der Verkehrssicherheit der Baulastträger der Straße nicht verpflichtet einen Radweg entlang der K 51 anzulegen.“ Birgit Küppers, die Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz, schreibt auf Anfrage: „Die Zuständigkeit für den hier in Rede stehenden Radweg liegt bei der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich.“ In den ersten Jahren wurde immer wieder die Brücke, die über die Salm führt, als Grund angegeben, warum der Radweg nicht gebaut wird. In einem Schriftstück vom Juli 2005 des LBM steht: „Der Bau des Lückenschlusses beinhaltet die Brücke über die Salm. Um den Radweg über die Brücke führen zu können, sind nicht unerhebliche Maßnahmen an der Brücke erforderlich. Dies macht nur im Zusammenhang mit der grundlegenden Sanierung der gesamten Brücke Sinn.“

Sie wurde auch mehrfach begutachtet. „Mittelfristig solle aus wirtschaftlichen Gründen statt einer oberflächlichen Instandsetzung der Überbau komplett ersetzt und die Widerlager beispielsweise durch Spritzbeton geschützt werden“, hieß es 2006, ebenfalls von der Straßenbaubehörde. Auf dem Investitionsprogramm des Kreises stand sie jahrelang, aber immer wieder wurden andere Projekte vorgezogen.

Dabei waren Brücke und Radweg schon in greifbarer Nähe. 2019 waren 700 000 Euro für die Brücke im Kreishaushalt veranschlagt. „Da aber die Ortsgemeinde Esch nicht bereit war, der Abstufung der K 51 zuzustimmen, werden diese Arbeiten noch nicht erledigt, und es steht Geld für andere Projekte zur Verfügung“, heißt es in einem Bericht aus einer Kreistagssitzung vom 18. Oktober 2019. Und so werden die Escher weiter für ihren 250 Meter Radweg kämpfen müssen, werden weiter Anträge schreiben, Beschlüsse fassen und den Schulterschluss  mit Verbündeten suchen.