Die Wächter von Mosel und Saar

Die Wasserschutzpolizei Trier steht unter neuer Leitung und hat ihren Dienstbezirk erweitert: Er reicht von der saarländischen Grenze bis Kinheim-Kindel bei Kröv. Zu der Reform gibt es auch kritische Stimmen.

Bernkastel-Kues/Trier/Saarburg Achim Bartholome lässt keinen Zweifel daran, was das Besondere der Wasserschutzpolizei (WSP) ausmacht: "Der Dienst auf dem Boot hat einen großen Reiz, ein eigenes Flair. Wir haben ein anderes Verhältnis zu unserem Einsatzmittel als die Kollegen der Polizeidienststellen an Land. In ein solches Boot kann man sich nicht einfach hineinsetzen wie in einen Dienstwagen, den Schlüssel herumdrehen und losfahren. Da sind viele Vorbereitungen nötig." Das Einsatzboot WSP 16 wurde gezielt nach den Anforderungen der WSP-Station Trier gebaut. Anschaffungskosten: etwa eine Million Euro.

Der Leiter Achim Bartholome hat die Leitung der WSP Trier Anfang Mai übernommen. Sein Vorgänger Dietmar Esch war nach 17 Jahren als Dienststellenleiter feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. "Er hat die Wasserschutzpolizei gelebt, sich immer voll eingebracht und seine Dienstzeit freiwillig um ein Jahr verlängert", sagt Bartholome. Der 55-Jährige ist seit 1978 im Polizeidienst, wechselte 1991 zur WSP nach Koblenz. Fünf Jahre lang leitete er die Dienststelle Bernkastel-Kues und zuletzt sechs Jahre Cochem. Für den in Trier geborenen Familienvater ist die Anfahrt zu seinem neuen Dienstort Trier aus seinem Wohnort Ockfen bei Saarburg wesentlich kürzer als bisher. Direkt neben dem WSP-Gebäude am Pacelliufer liegt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Trier, was die Absprachen zwischen den Behörden erleichtert.

Die Reform Die Wasserschutzpolizei gehört zur Landespolizei Rheinland-Pfalz. Seit 1. Juni sind die zuvor selbstständigen Dienststellen Bernkastel-Kues und Cochem nur noch Außenstandorte der Stationen Trier und Koblenz. Stadtrat Bernkastel-Kues, Verbandsgemeinderat und Kreistag Bernkastel-Wittlich hatten vergeblich Resolutionen zum Erhalt der Station Bernkastel-Kues und damit eines Ganzjahresbetriebs beschlossen (der TV berichtete mehrfach).
Hintergrund der Reform: Das Land will zentrale polizeiliche Dienstleistungen noch in diesem Jahr in einem neuen "Polizeipräsidium Einsatz, Logistik, Technik" (PP ELT) bündeln und damit auch Kosten sparen. Das bisherige Wasserschutzpolizeiamt wird als Abteilung ins PP ELT integriert.

Der Dienstbezirk Die WSP-Station Koblenz mit ihrer Außenstelle Cochem ist für die Mosel von der Mündung in den Rhein (Moselkilometer 0) bis zur Brücke Kinheim-Kindel (Kilometer 115,6) zuständig. Die WSP-Station Trier mit ihrer Außenstelle Bernkastel-Kues betreut die Mosel von Kinheim-Kindel bis zur saarländischen Grenze bei Palzem (Kilometer 232,29), außerdem die Saar von der Mündung in Konz bis vor Saarhölzbach. Dies entspricht auch den Grenzen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter Koblenz und Trier.

Die Besetzung Zur WSP Trier gehören neben dem Leiter 20 Außendienstbeamte sowie Sachbearbeiter. Dienstzeit ist täglich von 8 bis 18 Uhr (zuvor 7 bis 21 Uhr), bei Einsätzen außerhalb dieser Zeiten greift eine Rufbereitschaft. Die Außenstelle Bernkastel ist offiziell nur noch vom 15. April bis 15. Oktober dauerhaft besetzt. Durch die Besetzung mit drei Beamten sei bei Kontrollen mit dem dortigen Boot eine bessere Eigensicherung möglich. Statt in einem eigenen Gebäude sind die Beamten in den Räumen der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues untergebracht. Bartholome: "Auch im Winterhalbjahr werden wir Bernkastel nicht verwaisen lassen, aber die Außenstelle wird weniger besetzt sein als bisher. Das muss sich noch einspielen."

Die Gewerkschaft Patrick Kirf, Vorsitzender der Kreisgruppe WSP in der Gewerkschaft der Polizei, sieht die Reform kritisch. Er befürchtet eine Zeitverzögerung bei Einsätzen aufgrund längerer Anfahrtswege und der Rufbereitschaft, so dass mitunter womöglich die normale Polizei den ersten Angriff fahren müsse. Nach 18 Uhr sei das Telefon von der Station Trier auf die Zentrale in Koblenz umgestellt. Kirf verweist auf einen Zwischenfall in Düsseldorf: Dort mussten im Mai Notarzt und Sanitäter bei einer Lebensrettung über eine verschlossene Stahlgittertür klettern, um zum Anleger der Wasserschutzpolizei zu kommen, die nachts nicht mehr besetzt ist. "Es bleibt zu hoffen, dass die WSP Rheinland-Pfalz - insbesondere auf der Mosel - in nächster Zukunft nicht in ähnlicher Weise in den Fokus gerät", sagt der Gewerkschaftsvertreter.
Aus Sicht von Achim Bartholome ist es für eine Bewertung der Reform noch zu früh: "Die Veränderungen müssen sich zunächst einmal in der Praxis bewähren. Falls dabei Schwierigkeiten auftauchen, kann man vielleicht nachbessern."Extra: AUFGABEN UND INFRASTRUKTUR

Technik im Blick: Patrick Kirf von der Wasserschutzpolizeistation Trier steuert das Dienstboot WSP 16. Neupreis: rund eine Million Euro. Foto: (h_st )


Zu den Aufgaben der Wasserschutzpolizei zählen unter anderem die Sicherheit des Schiffsverkehrs, Gefahrenabwehr, Unfallaufnahme, Ermittlung und Aufklärung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten sowie die Überprüfung der Schiffspapiere. Betreuung der Großschifffahrtsstraßen Mosel (an der Grenze gemeinsame Zuständigkeit mit Luxemburg) und Saar. Moselschleusen Stadtbredimus/Palzem, Grevenmacher/Wellen, Trier, Detzem, Wintrich, Zeltingen. Saarschleusen Serrig und Kanzem. Häfen Trier und Mertert (Luxemburg), Privathafen der Firma Wacht in Wasserliesch. Städte Trier und Saarburg als zentrale Punkte der Personenschifffahrt. Mosel und Saar als wassersportliche Freizeitreviere. Sportboothäfen Pölich, Schweich, Monaise (Trier), Konz und Saarburg. WSP-Station Trier: Pacelliufer 15, Telefon 0651/93819-0, E-Mail: wspstation.trier@polizei.rlp.deAusbildung und Outfit: Alle Polizeibeamten durchlaufen zunächst die normale Ausbildung und tun in der Regel dann zunächst einige Jahre Dienst. Wer zur WSP wechseln will, kann sich auf eine jährliche Ausschreibung hin bewerben. Die zweijährige Sonderausbildung läuft unter anderem an der zentralen WSP-Schule in Hamburg. Die Uniformen sind an maritime Einheiten angelehnt: dunkelblau mit weißen Hemden und Blusen mit Schulterklappen.