Tourismus : Die weiße Flotte bleibt vorerst im Hafen

Eigentlich sollten ab Ostern wieder Ausflugsschiffe über die Mosel schippern. Aber noch müssen die Boote im Hafen bleiben.

Besonders die Tourismus-branche ist von den Ausgangsbeschränkungen der Corona-Prävention stark betroffen. An der Mosel wirkt sich das auch auf die Personenschifffahrt aus. „Wir können momentan nichts machen. Das ist wie ein Berufsverbot“, sagt Martin Kolb von der Personenschifffahrt Kolb.

Sein Betrieb mit insgesamt 23 Schiffen auf der Mosel und dem Niederrhein würde normalerweise an Ostern wieder die Saison eröffnen und auf Fahrt gehen. Aber so weit wird es nicht kommen, denn die aktuellen Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote der Regierung gelten noch bis mindestens 19. April.

Und so hagelte es Stornos: Schon reservierte Ausflugsfahrten wurden abgesagt, und an die Aufnahme des Linienbetriebs der Schiffe ist noch nicht zu denken. Es herrscht Stillstand. „Im Winter werden die Schiffe überholt, gestrichen und gereinigt. Sie verbleiben in dieser Zeit in ihren Heimathäfen an der Mosel und sind dann für die neue Saison einsatzbereit“, erzählt Kolb. Deshalb sei momentan nichts mehr zu tun.

Normalerweise startet das Unternehmen mit Standorten in Trier, Bernkastel-Kues, Cochem und Zell in der Saison mit 150 Mitarbeitern. Insgesamt fahren dann 23 Schiffe. Aber momentan sind nur sechs Leute in der Zentrale des Unternehmens tätig. Sie sind derzeit damit beschäftigt, Stornierungen zu bearbeiten und die Kunden zu informieren, dass die Flotte noch nicht fahren kann.

Die Saison-Arbeiter, die auf den Schiffen arbeiten, wurden noch nicht eingestellt. „Normalerweise wäre an Karfreitag unser Saisonstart gewesen,“ sagt Kolb. Aber die Schiffe müssen in ihren Häfen bleiben. Das Ostergeschäft sei bereits gelaufen, bevor es begonnen habe. „Das kann noch dauern, da muss man einen langen Atem haben“, sagt Kolb. Man könne Kurzarbeitergeld anmelden und einen staatlichen Kredit beantragen – aber auch der müsse irgendwann zurückgezahlt werden. Man müsse eben im Sommer so viel Geld erwirtschaften, dass man über den Winter komme. „Im Winter Linienverkehr zu machen, ist sinnlos, da an der Mosel kein Tourismus ist. Deshalb macht es auch keinen Sinn, den Sommerfahrplan in Richtung Winter zu verlängern“, sagt Kolb. Die Umsatzeinbußen ließen sich nicht mehr aufholen. Schon jetzt stehe fest: „Wir werden in diesem Jahr keinen Überschuss machen.“

Immerhin habe sein Unternehmen auch den letzten Weltkrieg überlebt, man müsse abwarten. Sobald der Betrieb wieder erlaubt sei, sei die weiße Flotte startklar, versichert Kolb.

Von April bis Ende Oktober befördert die Reederei Kolb mit Sitz in Briedern (Landkreis Cochem-Zell) im Durchschnitt pro Schiff 30 000, insgesamt über eine halbe Million Menschen.

Das Publikum besteht in der Regel eher aus Menschen ab 50, in den Schulferien kommen auch junge Leute mit Familie hinzu. Neu ist auch die Zunahme des Fahrradtourismus, bedingt durch die wachsende Verbreitung von E-Bikes, die auch ungeübten Radfahrern einen großen Aktionsradius erschließen.

Das Unternehmen kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Es wurde 1921 gegründet, als der Fährmann Peter Kolb, aus Fankel stammend, sich mit einem Motorboot selbstständig machte und 1924 einen Linienverkehr zwischen Cochem und Briedern eröffnete.