Die Welt in Schwarz und Weiß geteilt

Die Welt in Schwarz und Weiß geteilt

Schwarz und Weiß ist ein Gegensatz wie Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Gut und Böse. Unter Schwarz-Weiß-Malerei versteht man gemeinhin die eindimensionale Darstellung ohne Schattierungen und Zwischentöne. Heinz M. Müller hat seinen Zeichnungen, Skizzen, die gerade in der Kirche der Jugend in der Marienburg zu sehen sind, mit Absicht den Titel "Schwarz-Weiß-Zeichnerei" gegeben.

Alf. (ua) Die Technik seiner Tusche- und Bleistiftzeichnungen deutet er damit an, aber wichtiger noch ist die Absicht, Extreme aufzuzeigen. Extreme, die die heutige Gesellschaft beherrschen, in Kontrasten wie Schwarz und Weiß."Ich bin derjenige, der die Bilder hier verbrochen hat", stellte sich der Künstler aus Bullay vor. Auch diese Formulierung wählte er bewusst, "denn es wird heute nicht gerne gesehen, wenn Dinge beim Namen genannt und deutlich gemacht werden, Verborgenes aufgedeckt und Unrecht angeklagt werden", fuhr er fort. Es geht in seinen Bildern um die Welt der Eitelkeiten und Übertreibungen, um Machtpositionen und Kriegsschauplätze, um Frauenrollen und Verantwortung für Kinder.Armin Surkus-Anzenhofer, theologischer Referent auf der Marienburg, fand in Müllers Zeichnungen "Trauriges, Erschreckendes, Unbegreifliches, aber auch ein Stück Hoffnung". Er zitierte das Lied "Hoffen wider alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht. Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich, damit die Welt auch morgen noch besteht". Als Zeichen der Hoffnung war die Ausstellungseröffnung von Musik begleitet, mit Liedern von Klaus Hoffmann und den Stones und dem Flötenspiel von Hannah Kohl.Bei einem Rundgang durch die Ausstellung gab Heinz M. Müller Erläuterungen zu seinen Bildern. Patrik Altmeyer, Jugendpfarrer auf der Marienburg, und Armin Surkus-Anzenhofer ergänzten mit Texten, zum Teil aus der Bibel, und Gedichten. Da ist zum Beispiel die Zeichnung mit dem Kuchen, von dem sich ein dicker Mann ein ganz großes Stück abschneidet. Dazu passte der Text über das "Weltdorf", der am Bild der Welt als Dorf mit 100 Einwohnern die Verhältnisse aufzeigt. Von diesen 100 Einwohnern hätten sechs den gesamten Reichtum, und alle sechs kämen aus den USA. 82 hätten keine ausreichenden Wohnverhältnisse, 74 wären Analphabeten, 62 wären unterernährt. Wie hier stellt Müller einfach, aber prägnant Ungerechtigkeiten und Missstände dar. Die Herrschaft des Geldes, das Teller und Tassen füllt, während der Teufel um die Ecke guckt. Die Zwei-Klassen-Medizin mit zwei Krankenhaus-Bettschränkchen, wo das eine überladen ist mit Medikamenten und Instrumenten, das andere leer. Den Moloch Flugverkehr mit unzähligen Objekten am Himmel - nicht nur friedlichen.Einige der Zeichnungen verbinden Kritik mit Witz. "Lauf-Steak" zeigt ein dürres Model mit Schweineschnauze. In einer Kirche spielt der Organist auf einer riesigen Orgel, während zwei junge Leute sich via Kopfhörer Musik aus dem Ghettoblaster reinziehen. Alle Bilder stellen die Frage: Wie stehe ich dazu? Die letzten Bilder sind versöhnlich, geben Hoffnung. Liebe drückt das Bild von Mann und Frau aus. Abgründe werden durch eine Brücke überwunden. Die Ausstellung in der Marienburg ist bis zum 13. Juni montags bis samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12.30 bis 18 Uhr geöffnet.

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