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Die Winzer und ihre Kunden trotzen dem Coronavirus

Weinwirtschaft : Neue Ideen, neue Kunden, neue Perspektiven

Die Winzer und ihre Kunden trotzen dem Coronavirus. Viel mehr Pakete als sonst werden momentan auf den Weg gebracht. Längere Zeit können aber auch die Weinmacher den Stillstand des öffentlichen Lebens nicht verkraften.

Ostern an der Mosel – bei fast schon sommerlichen Temperaturen. Da würde das Tal zum ersten Mal in diesem Jahr über mehrere Tage mit Urlaubern und Tagesausflüglern volllaufen. Die Kassen würden klingeln. Doch nichts davon wird geschehen. In der vierten Woche steht hier und in ganz Deutschland das öffentliche Leben still. Das Coronavirus bestimmt das Geschehen. Das spüren an Ostern vor allem die Betreiber von Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und Lokalen. Die Betten bleiben leer, viele Küchen kalt. Das von Restaurants angebotene To-Go-Essen ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Auch für die Winzer würde an Ostern die Saison beginnen. Doch auch sie müssen auf Gäste verzichten. Einige stellen den Kontakt über Online-Weinproben her (siehe nebenstehenden Bericht). Und sie suchen nach weiteren Möglichkeiten, den Weinfreunden auch mit Abstand nahezubleiben.

„Von vielen Winzern wissen wir, dass der Paketversand – der ohnehin bei vielen Direktvermarktern seit Jahren eine wichtige Rolle spielt – aktuell sehr gut läuft“, sagt Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Moselwein e.V. (Weinwerbung). „Dadurch haben die Betriebe zum einen die Möglichkeit, zumindest einen Teil der Absatzausfälle zu kompensieren, die in Folge der abgesagten Messen, Jahrgangspräsentationen und weiteren Weinevents sowie durch den ausbleibenden Tourismus und Ab-Hof-Verkauf entstanden sind“, ergänzt er. Auf diesem Weg könnten sogar neue Kunden gewonnen werden.

Der Traben-Trarbacher Winzer Albrecht Eggert (Weingut Caspari) bestätigt das: „Ich habe noch nie in einem März so viele Pakete gepackt“, sagt er.

In Postagenturen stehen Paletten voller Wein, auch andere Paketdienste profitieren davon. Das habe aber auch damit zu tun, dass viele Winzer wegen Corona ihre Weine lieber versenden als selbst zum Kunden zu bringen, sagt Manuel Brixius. Der Winzer aus Maring-Noviand, der den elterlichen Betrieb vor einigen Jahren übernommen hat, stellt aber auch für sich fest, dass die Zahl der Online-Bestellungen zunimmt.

Viele Winzer haben mehrere Standbeine. Albrecht Eggert hat noch zwei Gästehäuser (30 Betten), eine vollkonzessionierte Gutsweinschänke und einen gemieteten Laden in der Fußgängerzone. Manuel Brixius verfügt über zehn Gästebetten und eine neue Vinothek. Eine Verlustrechnung können beide angesichts der gerade erst beginnenden Saison noch nicht aufmachen.

Manuel Brixius verkauft etwa 15 Prozent der Weine aus seinem acht Hektar großen Betrieb an die Gastronomie und den die Gastronomie beliefernden Großhandel. „Das ist erst einmal komplett weggebrochen“, berichtet der 38-Jährige. Erfreulich sei, dass ihm die erste Online-Weinprobe mit 200 Teilnehmern auch Nachfolge-Aufträge gebracht habe.

Anfangs seien alle in Schockstarre gefallen, mittlerweile hätten sich sogar schon wieder Kunden aus Heinsberg gemeldet. Wie berichtet hatte eine Karnevalsveranstaltung dort die Coronakrise in Deutschland befeuert. Brixius fasst die Lage so zusammen: „Wenn die Leute schon nicht rausgehen können, dann wollen sie ihren Wein eben zuhause genießen.“

Von vier Standbeinen funktionieren bei Albrecht Eggert derzeit drei nicht. Der 48-Jährige bleibt optimistisch und gibt sich kämpferisch. Eine Zeitlang könne sein Betrieb das durchstehen. Man müsse nach Nischen suchen. Eggert war jahrelang Vorsitzender des Ortswinzerverbandes Traben-Trarbach. Auch auf dieser Ebene könne man nachdenken, wie der Krise begegnet werden könne.

Winzer Klaus Blesius aus Graach hat schon eine Nische gefunden. Sie ist noch klein, aber ausbaufähig. Juniorchef Florian und dessen Partnerin Eva Dietzen hatten die Idee für einen besonderen Wein. Auf dem Etikett steht ganz groß „Danke“. Gedacht, so Klaus Blesius, sei die Riesling-Spätlese für Menschen, die anderen Dank sagen wollen. Und davon gibt es in diesen schweren Zeiten ja viele. „Die Kunden, die diesen Wein bisher kauften, finden die Idee gut“, sagt Blesius.

Im März laufe noch nicht so viel im Weinhandel, berichtet der Winzer. Wichtig sei der Frühsommer, wenn zum Beispiel die Tage der offenen Weinkeller anstehen – in Graach gleich zweimal jeweils vier Tage lang. „Ein Wegfall dieser Veranstaltungen wäre ein schwerer Schlag“, sagt Klaus Blesius.

Jede Krise bietet aber auch Chancen. „Durch den stärkeren Einkauf von Wein für den Konsum zu Hause profitiert neben dem Versand- und Online-Weinhandel sicherlich der Lebensmitteleinzelhandel am meisten. Dort sind ja auch viele Moselweine, vor allem der größeren Abfüller, verfügbar.

Regional haben auch viele Supermärkte sehr gut sortierte Weinabteilungen mit vielen Weingutsweinen. Auch da wird sich das wohl positiv auf den Absatz auswirken“, berichtet Ansgar Schmitz.