Die Zaren tranken Winninger Uhlen

Auch am russischen Zarenhof schätzte man Moselwein, wie Heimatforscher Willi Westermann aus Traben-Trarbach für unsere heutige Dorfgeschichte herausgefunden hat.

Winningen/Traben-Trarbach. (red) Rieslingweine aus dem Winninger Uhlen genießen seit einigen Jahren wieder einen hervorragenden Ruf, und dies nicht nur im Anbaugebiet selbst, sondern auch weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Einen interessanten Hinweis auf den Genuss des Winninger Uhlens auch am früheren russischen Zarenhof erhielt Verkehrsamtsleiter Frank Hoffbauer nun von Willi Westermann aus Traben-Trarbach, der sich seit vielen Jahren mit wein- und lokalhistorischen Themen befasst. Westermann steht in Kontakt zu einer russischen Historikerin, die im St. Petersburger Staatsarchiv Bestände des Zarenhofes bearbeitet. In den umfassenden Akten sind Moselwein-Lieferungen an den Zarenhof vom Jahr 1780 bis ins 20. Jahrhundert hinein verzeichnet. "Meist geht es um kleinere Partien, aber für die Jahre 1906 und 1908 finden sich in St. Petersburg Belege über die Lieferung von jeweils rund 900 Flaschen Winninger Uhlen an den Zarenhof", so Westermann. "Der Uhlen war beim russischen Zaren zumindest unter den deutschen Weinen die Nummer 1." Selbst für das Jahr 1917 sind noch Lieferungen nachgewiesen. Verkehrsamtsleiter Hoffbauer freut sich über diesen Hinweis auf die hohe Reputation, die die Winninger Weine bereits im vergangenen Jahrhundert genossen haben. "Vielleicht gelingt es uns, anhand alter Aufzeichnungen die Vertriebswege des Uhlens von Winningen bis nach St. Petersburg aufzuzeigen. Denn die Weine wurden ja nicht unmittelbar vom Zarenhof in Winningen geordert, sondern sind wohl über Händler und Weinkommissionäre in Mainz, Frankfurt und Lodz an den russischen Hof geliefert worden." Da aber einige der Anfang des 20. Jahrhunderts in Winningen aktiven Weingüter und -handlungen zwischenzeitlich nicht mehr existieren, wird es nicht ganz einfach sein, die Hof lieferanten des Zaren auszumachen.