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Die zwei Gesichter des Botrytis-Pilzes

Die zwei Gesichter des Botrytis-Pilzes

Endlich Sonne, endlich trockenes Wetter. Es wurde auch allerhöchste Zeit. Noch einmal eine längere Regenperiode mitten in der Weinlese, das wäre fatal. Es ist der Botrytis-Pilz, der den Winzern große Sorgen bereitet.

Dieser Schimmelpilz hat zwei Gesichter: Er kann eine ganze Ernte vernichten, ebenso kann er die edelsten Weine hervorbringen. Trocknen die Trauben wegen andauernder Feuchtigkeit nicht mehr ab, gesellen sich zu dem Botrytis-Pilz andere Pilze und auch Bakterien, die auf die Qualität des späteren Weines äußerst schädlich wirken. Diese Mikroorganismen können einen sehr unangenehmen Schimmel- oder Essiggeschmack verursachen. Rotweine verlieren darüber hinaus ihre Farbe.

Die gewünschte Edelfäule entsteht bei mildem Herbstwetter, wenn morgens Nebel im Tal liegt und später die Sonne durchkommt. Der Botrytis-Pilz bewirkt, dass die Haut der Beeren weicher und dünner wird. Dadurch kann das Wasser verdunsten, und die Beeren schrumpfen anstatt zu verfaulen. Der Zuckergehalt in den Beeren erhöht sich, entsprechend steigen die Mostgewichte. Außerdem verleiht der Botrytis-Pilz dem späteren Wein einen besonders fülligen Charakter, der als Botrytis-Ton bezeichnet wird. 1976 beispielsweise war ein legendäres Botrytis-Jahr. Die Aussichten bis Mitte kommender Woche versprechen ruhige Herbsttage mit viel Sonne. Bleibt zu hoffen, dass der Goldene Oktober lange anhält.