Die zwei Seiten der Schulbuchausleihe

Die zwei Seiten der Schulbuchausleihe

Eltern werden mit der Schulbuchausleihe finanziell entlastet. Den Kreis kommt das System aber teuer zu stehen: Die Kosten lagen im vergangenen Schuljahr bei 60 000 Euro. Das waren 22 Euro pro Schüler. Dieses Jahr wird es noch teurer. Der Kreis fordert vom Land eine kostendeckende Pauschale oder die Rückkehr zu den alten Lernmittelgutscheinen.

Wittlich. Eltern finden: Die Schulbuchausleihe ist ein Schnäppchen und hat auch einen erzieherischen Aspekt. "Die Bücher sehen bei uns zu Hause lange nicht mehr so chaotisch aus wie früher", sagt Elisabeth Thieltges. Mit ihrer Tochter Saskia hat sie die Bücher für das neue Schuljahr im Cusanus-Gymnasium in Wittlich abgeholt - zu etwa einem Viertel des Ladenpreises. "Dafür können wir jetzt Blöcke, Stifte und was man sonst so alles braucht, kaufen", erklärt sie.Zuschuss deckt etwa 30 Prozent


Der Kreis Bernkastel-Wittlich sieht das anders. Für den bedeutet das System, das im vierten Jahr läuft, nicht nur einen organisatorischen Mehraufwand, sondern vor allem einen finanziellen. 60 000 Euro betrugen die Kosten im vergangenen Jahr. Das Land zahlt an den Kreis eine Ausgleichssumme: 20 000 Euro.
Wie viel Geld der Kreis im aktuellen Schuljahr in die Ausleihe stecken muss, kann die Verwaltung noch nicht sagen. Sicher sei: Es wird teurer. Haben im vergangenen Jahr 2718 Schüler teilgenommen, so sind es dieses Jahr deutlich mehr: 4404 Schüler. Der Grund: Der Kreis hat weitere Schulen in seine Trägerschaft aufgenommen. Nun muss die Ausleihe nicht wie bisher an acht, sondern an 14 Schulen abgewickelt werden. Die Kreisverwaltung fordert vom Land nicht nur eine kostendeckende Pauschale, sondern auch ein verbessertes Ausleihsystem. Eine Möglichkeit, so der Kreis, wäre die Rückkehr zu den Lernmittelgutscheinen.
Für die Ausgabe der Bücherpakete benötigt der Kreis Hilfskräfte - dieses Jahr rund 40. Im Vorjahr waren es 22. Das kostete 14 000 Euro. Eine der Hilfskräfte ist Sarah El-Arja. Sie packt im dritten Jahr Bücher. Im Cusanus-Gymnasium hat sie mehr als 400 Bücherpakete fertig gemacht. Früher sei alles noch unstrukturierter abgelaufen. "Aber heute stellen wir Tische auf, wo man die Etiketten kontrollieren kann. Das war anfangs ein großes Problem."
Aber der größte Aufwand ist laut Kreis die Zeit, die für Beratung und Antragstellung anfällt. Eltern berichten hier kaum von größeren Problemen. Sabine Weber, deren Tochter Sarah in die fünfte Klasse kommt, macht zum ersten Mal mit: "Bisher hat alles super geklappt." Immer mal wieder Thema ist jedoch der Zustand der Bücher. Mutter Gabriele Löhr erklärt: "Bei manchen Exemplaren darf man nicht so pingelig sein." Eins habe sie mal reklamiert. Bei der Kreisverwaltung habe man ihr ein Schreiben ausgestellt, damit ihr das Buch später nicht in Rechnung gestellt wurde. Janos Justen aus der zehnten Klasse erklärt, er gehe mit den ausgeliehenen Büchern anders um: "Man kann da nicht unterstreichen, wie man will."
Der Kreis überprüft bei der Rückgabe den Zustand der Bücher. Die meisten werden nach drei Jahren nicht mehr ausgeliehen und oft den Schulen kostenlos überlassen. Sie können dann auf einem Schulbuchbasar angeboten oder in der Schulbibliothek verwendet werden.Meinung

Reform muss her
Selbstverständlich finden das die Eltern gut: Sie müssen nicht mehr für alle Bücher zahlen, die ihre Kinder für die Schule brauchen. Die Kehrseite ist: Für den Kreis bedeutet die Schulbuchausleihe einen Riesenaufwand, den sich die Verwaltung so nicht ausgesucht hat. Mainz hat ihn ihr aufs Auge gedrückt. Und finanziell ist das System für den Kreis ein harter Brocken. Er fordert daher zu Recht eine Reform. e.blaedel@volksfreund.deExtra

Bücher kostenlos ausleihen können Schüler, deren Eltern nicht mehr als 26 500 Euro verdienen (Alleinerziehende, bei einem Kind: 22 750 Euro). Pro Kind erhöht sich die Einkommensgrenze, bei vier Kindern liegt sie bei 37 750 Euro. Wer mehr verdient, kann sein Kind zur kostenpflichtigen Ausleihe anmelden. Im Schuljahr 2013/14 nehmen im Kreis Bernkastel-Wittlich 14 Schulen an der Ausleihe teil. 7500 Schüler sind berechtigt, Bücher auszuleihen. 4404 Schüler machen mit, davon 2837 bei der entgeltlichen und 1567 bei der unentgeltlichen Ausleihe (Teilnehmerquote: 58 Prozent). Im Schuljahr 2012/13 waren es acht Schulen und 2718 von 5250 Schülern (entgeltlich: 1796, unentgeltlich: 922, Quote: 51 Prozent). Das hat der Kreis bisher ausgegeben: 45 000 Euro im Schuljahr 2010/11 (Landeszuschuss: 17 000 Euro); 67 000 Euro im Schuljahr 2011/12 (Landeszuschuss: 20 000 Euro); 60 000 Euro im Schuljahr 2012/13 (Landeszuschuss: 20 000 Euro). Nicht in Kreisträgerschaft sind die Realschule plus in Thalfang (keine Angaben) und die Integrierte Gesamtschule Morbach. Dort haben im Schuljahr 2012/13 319 Schüler teilgenommen. Kosten: 20 000 Euro. Laut Gemeinde seien die Ausgaben vollständig von Landeszuschüssen gedeckt. Im Schuljahr 2013/14 nehmen 370 Schüler teil. Kosten: 26 000 Euro. eib