Dienstältester Messdiener legt sein Gewand ab

Dienstältester Messdiener legt sein Gewand ab

Er hat gerne die Messe gedient und sich in der Messdienergemeinschaft gut aufgenommen gefühlt. Deshalb ist Martin Brill auch bis zu seinem 40. Lebensjahr Messdiener gewesen. Dabei hat er neun verschiedene Pfarrer in Wittlich erlebt.

Wittlich. In der Kirche in St. Wendel hat die Messdienerkarriere von Martin Brill begonnen. Dort hat er damals gelebt und mit neun Jahren seine erste Messe gedient. Wie es dazu kam, erklärt er so: "In St. Wendel gab es nicht so viele Messdiener, und da bin ich gefragt worden, ob ich das nicht machen will." Weitere Stationen waren Oberthal, Neunkirchen an der Nahe, seit 1989 Maria Grünewald und seit 2001 die Pfarrkirche St. Markus.
Am liebsten hat der geistig beeinträchtigte junge Mann bei Pfarrer Rudolf Halffmann die Messe gedient. "Er hat immer ein Späßchen gemacht und war sehr lieb", berichtet Brill. Insgesamt hat er in seiner 31-jährigen Laufbahn rund 500 Mal das Messdienergewand angezogen. Bei der Christmette um 23 Uhr war er, seit er in der Pfarrkirche gedient hat, dabei, denn das war und ist, seine Lieblingsmesse. Ein Missgeschick ist ihm passiert, als er Wasser und Wein verwechselt hat. Er erzählt: "Das war bei Pastor Halffmann, und seine Hände haben nach Wein gerochen, weil er sich ja damit dann die Hände gewaschen hat."
Insgesamt haben die Messbesucher ihn mehr gelobt als gemeckert, auch wenn er wegen eines kaputten Knies nicht knien konnte. Wichtig war ihm am Dienst immer, dass er auch den Kleineren ein bisschen helfen konnte. Einmal hat er, als ein Geldkörbchen heruntergefallen ist, geholfen die Münzen wieder einzusammeln, und er ist auch mit einer Messdienerkollegin rausgegangen, als ihr übel gewesen ist. Wenn Martin Brill nicht als Messdiener eingeteilt ist, geht er als Besucher in den Gottesdienst. "Es ist für mich normal, sonntags in die Kirche zu gehen", sagt er.
Als Tipp gibt der erfahrene Messdiener den jüngeren mit auf den Weg: "Immer die Ruhe zu bewahren und sich in der Kirche nicht hektisch benehmen. Dann fallen Fehler gar nicht auf."
Seinen Abschied sieht er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden, und alle haben mich so genommen, wie ich bin. Es fällt mir nicht ganz leicht, aber es ist jetzt auch lange genug gewesen. Ich glaube, dass es auch einige gibt, die mich vermissen werden."
Die Verabschiedung von Martin Brill ist am Sonntag, 29. September, im Hochamt um 11 Uhr. Gleichzeitig werden sieben neue Messdiener in St. Markus eingeführt.
Extra

Messdiener in der Pfarreiengemeinschaft Wittlich: Insgesamt gibt es in der Pfarreiengemeinschaft Wittlich 255 Messdiener. Die Pfarrei Altrich stellt mit 80 Messdienern die meisten. Insgesamt werden 33 neue Messdiener in den Pfarrkirchen der Pfarreiengemeinschaften bis St. Martin eingeführt. Um Messdiener zu werden, muss man katholisch und sollte zur Kommunion gekommen sein. Im Mai starten die Proben, dabei übernehmen die Pastore die Inhalte, und die Praxis zeigen ältere Messdiener aus dem Leitungsteam. chb

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